- Branche Schwerpunktthemen der MedTech-Branche aus dem BVMed-Jahresbericht 2025-26
Leitwirtschaft, MDR-Revision, Krankenhausreform, Ambulantisierung, Digitalisierung, Krisenvorsorge: In diesem Kapitel des BVMed-Jahresberichts 2025/26 lesen Sie die zentralen Themen der MedTech-Branche aus 2025 – und was 2026 passieren muss, um Patient:innenversorgung und Wirtschaftsstandort zu stärken.
Artikel22.04.2026
Wirtschaft: Eine neue Orientierung
Mit der erstmaligen Anerkennung als Leitwirtschaft rückt die Medizintechnik stärker als strategische Zukunftsbranche in den Fokus. Damit eröffnet sich die Chance, den MedTech-Standort Deutschland zu stärken – als Motor für Innovation, wirtschaftliches Wachstum und eine moderne Gesundheitsversorgung.
„Wir stärken die industrielle Gesundheitswirtschaft, insbesondere die pharmazeutische Industrie und Medizintechnik, als Leitwirtschaft.“Koalitionsvertrag 2025Zeilen 3431/3432
Der Koalitionsvertrag 2025 bezeichnet die industrielle Gesundheitswirtschaft erstmals ausdrücklich als Leitwirtschaft. Damit wird die strategische Bedeutung der MedTech-Branche für Gesundheitsversorgung und Wirtschaftsstandort Deutschland unterstrichen.
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Das ist längst überfällig: Ein Vergleich mit der Pharma-Branche auf Basis der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Bundesregierung zeigt die wirtschaftliche Stärke der Medizintechnik. Die Branche steht für mehr als doppelt so viele Arbeitsplätze sowie für höhere Produktionswerte, Bruttowertschöpfung und Ausstrahleffekte auf andere Branchen.
In kurzen Videos erklären die parlamentarischen Staatssekretäre Kippels und Sorge, was diese Entwicklung für sie bedeutet.
- Statement von Dr. Georg Kippels, MdBExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab., auf dem BVMed-Herbstempfang 2025 (Youtube-Link)
- Statement von Tino Sorge, MdBExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab., auf dem BVMed-Herbstempfang 2025 (Youtube-Link)
Der Pharma- und MedTech-Dialog der Bundesregierung ist ein wichtiger Schritt. Er wurde 2025 im Bundeskanzleramt zur Stärkung der industriellen Gesundheitswirtschaft gestartet – und soll unter anderem in einer MedTech-Strategie münden, die im Bundeskabinett beschlossen werden soll.
Unser Ziel ist klar: Eine resiliente und nachhaltige MedTech-Branche, die Innovation vorantreibt und die Herausforderungen der Gesundheitsversorgung von morgen meistert.
KMU: Innovationstreiber stärken
Die MedTech-Branche ist stark mittelständisch geprägt. Damit dieser Innovationsmotor auch künftig läuft, müssen regulatorische Rahmenbedingungen stärker auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen ausgerichtet werden.
- Überbordende Bürokratie
- MDR-Zertifizierungskosten
- Steigende Personalkosten
Rund 93 Prozent der MedTech-Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Sie entwickeln spezialisierte Technologien, treiben Innovationen voran und prägen den europäischen MedTech-Standort. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen vor wachsenden Herausforderungen. Regulatorische Anforderungen, steigende Zertifizierungskosten und umfangreiche Berichtspflichten binden zunehmend Ressourcen, die eigentlich für Forschung und Entwicklung benötigt werden.
Die EU-Kommission hat angekündigt, gezielte Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu ergreifen – mit einem besonderen Fokus auf KMU. Entscheidend ist, dass diese Initiativen auch die spezifischen Strukturen der MedTech-Branche berücksichtigen. Unser Ziel: Ein innovationsfreundliches Umfeld, in dem insbesondere der MedTech-Mittelstand seine Stärken entfalten kann.
MDR: Regulierung weiterentwickeln
Die europäische Medizinprodukte-Verordnung (MDR) bleibt eine zentrale Herausforderung für die Branche. Jetzt kommt es darauf an, das Regulierungssystem praxistauglich weiterzuentwickeln.
Die MDR soll Patient:innensicherheit stärken und Qualitätsstandards harmonisieren. In der praktischen Umsetzung zeigt sich jedoch, dass viele Verfahren komplex, langwierig und schwer planbar sind. Eine gemeinsame Umfrage von MedTech-Verbänden unter MedTech-Unternehmen zeigt die Dimension der Herausforderung: Ein Großteil der Unternehmen fordert weniger Bürokratie, planbarere Zertifizierungsverfahren und eine Abschaffung der verpflichtenden Rezertifizierung im Fünfjahresrhythmus.
„Die MDR muss weiterentwickelt werden – hin zu einem Regulierungssystem, das Patient:innensicherheit gewährleistet und gleichzeitig Innovation sowie Versorgungssicherheit in Europa ermöglicht.“
Der BVMed hat bereits 2023 gemeinsam mit dem Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) konkrete Reformvorschläge in einem MDR-Whitepaper vorgelegt und damit eine breite Diskussion in Europa angestoßen.
2025 hat die Europäische Kommission erste Schritte zur Weiterentwicklung der MDR eingeleitet. Vorgesehen sind kurzfristige Anpassungen über sekundäre Rechtsakte sowie eine strukturelle Reform des Rechtsrahmens auf Basis einer umfassenden Evaluierung. Einen konkreten MDR-Revisionsvorschlag hat die EU-Kommission im Dezember 2025 vorgelegt. Unser Ziel: Ein Regulierungssystem, das Patient:innensicherheit gewährleistet und gleichzeitig Innovation sowie Versorgungssicherheit in Europa stärkt.
Krankenhausreform: MedTech einbeziehen
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Mit der Krankenhausreform und dem 2026 beschlossenen Krankenhausreform-Anpassungsgesetz (KHAG) werden Strukturen und Finanzierung der stationären Versorgung grundlegend neu ausgerichtet. Damit diese Reform in der Realität funktioniert, muss das Potenzial der Medizintechnik als tragende Säule der Struktur- und Prozessqualität endlich konsequent berücksichtigt werden.
Ziel der Reform ist es, Versorgungsqualität zu stärken, Spezialisierung zu fördern und Ressourcen effizienter einzusetzen. Neue Leistungsgruppen, Vorhaltevergütung und der Transformationsfonds sollen den strukturellen Wandel der Kliniklandschaft unterstützen.
Moderne Medizintechnologien können hier ein wichtiger Teil der Lösung sein und sind zentral für eine moderne Krankenhausversorgung – von präziser Bildgebung über minimalinvasive Therapien bis hin zu digitalen Monitoring-Lösungen.
Damit die Reform ihre Wirkung entfalten kann, ist es entscheidend, die technische Infrastruktur der Krankenhäuser sowie innovative MedTech-Lösungen angemessen zu berücksichtigen und darin zu investieren. Nur so kann die Krankenhausreform dazu beitragen, Versorgungsqualität, Effizienz und Innovationskraft im Gesundheitswesen nachhaltig zu stärken.
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Infektionsschutz: In den Fokus rücken
Infektionsprävention bleibt eine der zentralen Aufgaben für das Gesundheitswesen. Patient:innen sowie medizinisches Personal müssen konsequent vor Infektionen geschützt werden. Dafür braucht es eine starke Infektionsschutzstrategie, die wirksame Hygienemaßnahmen stärker in den Fokus setzt und den gezielten Einsatz moderner Medizintechnologien ermöglicht.
Behandlungsassoziierte Infektionen gehören weiterhin zu den großen Herausforderungen der Gesundheitsversorgung. Jährlich erleiden in Deutschland über 700.000 Patient:innen eine nosokomiale Infektion – viele davon wären vermeidbar. Rund 20.000 Betroffene sterben pro Jahr an den Folgen. Besonders schwerwiegend sind Infektionen durch antibiotikaresistente Erreger. Eine starke Infektionsprävention bleibt ein zentraler Baustein für Patient:innensicherheit und eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung.
„Jeder Mensch hat das Recht, vor nosokomialen Infektionen geschützt zu werden.“
Um Infektionen wirksam zu verhindern, ist ein funktionierendes Zusammenspiel von (Krankenhaus-)Hygiene und Antibiotic Stewardship essenziell. Beide Bereiche müssen in der Prävention, Hygiene sowie den Versorgungsprozessen stärker gemeinsam gedacht und umgesetzt werden. Dazu gehören die konsequente und kontinuierliche Durchführung der Händehygiene, qualifiziertes Personal sowie der Einsatz geeigneter Medizinprodukte.
Die MedTech-Branche leistet hierzu einen wichtigen Beitrag – etwa durch sterile Einmalprodukte, moderne Desinfektionslösungen oder diagnostische Verfahren zur frühzeitigen Erkennung von Infektionen. Zugleich gilt es, bewährte Hygienelösungen regulatorisch abzusichern. Der BVMed setzt sich deshalb unter anderem dafür ein, wichtige Wirkstoffe wie Ethanol für die Hände- und Oberflächendesinfektion weiterhin verfügbar zu halten.
Ambulantisierung: Häuslichkeit stärken
Der demografische Wandel und der steigende Versorgungsbedarf erhöhen den Druck auf das Gesundheitssystem. Immer mehr medizinische Leistungen sollen deshalb ambulant oder in der Häuslichkeit erbracht werden – unterstützt durch moderne Medizintechnologien und zukunftssichere Versorgungsstrukturen.
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Die Verlagerung medizinischer Leistungen aus dem Krankenhaus in ambulante Strukturen gilt als wichtiger Baustein für eine zukunftsfähige Versorgung. Politisch wird diese Entwicklung unter anderem durch die Weiterentwicklung des ambulanten Operierens (AOP) sowie neue Vergütungssysteme wie Hybrid-DRGs vorangetrieben.
Gleichzeitig findet ein großer Teil von Pflege und Versorgung bereits heute zu Hause statt. Rund 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden in ihrer vertrauten Umgebung betreut – häufig durch Angehörige. Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger unterstützen diese Versorgung mit modernen Medizinprodukten, koordinieren Therapien und begleiten Patient:innen sowie pflegende Angehörige im Alltag.
Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, müssen ambulante und häusliche Versorgungsstrukturen weiter gestärkt, alle verfügbaren qualifizierten Fachkräfte einbezogen und moderne Medizintechnologien konsequent in diese Versorgung eingebunden werden.
Wundversorgung: Strategisch angehen
Chronische Wunden betreffen in Deutschland rund eine Million Menschen pro Jahr und stellen eine große Belastung für Patient:innen dar. Der demografische Wandel macht ein strategisches und interdisziplinäres Vorgehen notwendig.
- Klare und koordinierte Versorgungspfade für Patient:innen mit chronischen Wunden
- Stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzt:innen, Pflege und weiteren Berufsgruppen
- Evidenzbasierte Bewertung und Nutzung moderner Wundtherapien
- Digitale Dokumentation und bessere Vernetzung der Versorgung
- Frühzeitige Diagnose und strukturierte Behandlung chronischer Wunden
Chronische und schwer heilende Wunden – etwa beim diabetischen Fuß, bei Dekubitus oder Ulcus cruris – führen häufig zu langen Behandlungszeiten und Einschränkungen der Lebensqualität. Mit der alternden Bevölkerung steigt der Versorgungsbedarf weiter.
Moderne Wundversorgungsprodukte und spezialisierte Behandlungskonzepte bieten heute wirksame Möglichkeiten, Heilungsprozesse zu unterstützen und Komplikationen zu vermeiden. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig ein Mangel an abgestimmten Versorgungspfaden zwischen Ärzt:innen, Pflege und weiteren beteiligten Akteur:innen. Dadurch werden chronische, schwer heilende Wunden oft spät erkannt oder nicht optimal behandelt.
Eine wichtige Grundlage bildet die vom BVMed entwickelte Nationale Wundstrategie. Ziel muss eine strukturierte, sektorenübergreifende Wundversorgung sein, die Versorgungspfade besser koordiniert, Innovationen nutzt und Patient:innen schneller und wirksamer hilft.
Digitalisierung: Versorgung modernisieren
Digitale Technologien eröffnen neue Möglichkeiten für eine effizientere und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung. Moderne Medizintechnologien spielen dabei eine zentrale Rolle – von vernetzten Geräten bis zu datenbasierten Therapieansätzen.
Digitale Lösungen und Medizinprodukte leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung von Diagnostik, Therapie und Versorgungsprozessen. Telemonitoring ermöglicht beispielsweise eine kontinuierliche Betreuung von Patient:innen außerhalb der Klinik. Auch digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), sogenannte „Apps auf Rezept", haben sich als fester Bestandteil der Versorgung etabliert und unterstützen Patient:innen bei Therapie und Krankheitsmanagement.
„Digitale Medizintechnik kann helfen, Versorgung neu zu organisieren, Fachkräfte zu entlasten und die Qualität der Patient:innenversorgung nachhaltig zu verbessern.“
Mit ihrer Digitalisierungsstrategie treibt das Bundesgesundheitsministerium den Ausbau digitaler Strukturen im Gesundheitswesen voran – etwa durch die elektronische Patientenakte (ePA) und eine stärkere Vernetzung der Versorgung.
Der BVMed zeigt mit seiner Vision „MedTech digital 2035", wie digitale Lösungen und Dienstleistungen in der MedTech-Branche künftig einen datenbasierten Versorgungslevel neben ambulanter und stationärer Versorgung ermöglichen können. Unser Ziel: Eine vernetzte Gesundheitsversorgung, in der digitale Medizintechnik ihr Potenzial für Patient:innen und Fachkräfte vollständig entfalten kann.
Gesundheitsdaten: Innovation ermöglichen
Gesundheitsdaten sind der Schlüssel für die Medizin der Zukunft. Sie ermöglichen präzisere Diagnosen, individuellere Therapien und eine effizientere Steuerung der Versorgung.
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Digitale Medizinprodukte erzeugen zunehmend wertvolle Daten – etwa durch Sensorik, Telemonitoring oder implantierbare Systeme. Diese Informationen können helfen, Krankheiten früher zu erkennen und Therapien besser auf Patient:innen abzustimmen.
Mit europäischen Initiativen wie dem European Health Data Space (EHDS) sowie neuen nationalen Digitalgesetzen entstehen derzeit wichtige Rahmenbedingungen für die (Sekundär-)Nutzung medizinischer und versorgungstechnischer Daten. In der BVMed-Vision eines datengetriebenen Gesundheitssystems bilden strukturierte und interoperable Daten die Grundlage für eine gezielte Steuerung von Versorgungspfaden. So können Über-, Unter- und Fehlversorgung reduziert und medizinische Ressourcen effizienter eingesetzt werden.
Ziel muss es sein, Gesundheitsdaten verantwortungsvoll nutzbar zu machen – für bessere Forschung, innovative MedTech-Lösungen und eine moderne Patient:innenversorgung.
Nachhaltigkeit: Praxisnah gestalten
Nachhaltigkeit gewinnt im Gesundheitswesen weiterhin an Bedeutung. Gleichzeitig müssen ökologische Anforderungen so gestaltet werden, dass eine sichere Patient:innenversorgung gewährleistet bleibt.
Europäische und nationale Vorgaben – etwa zu Nachhaltigkeitsberichterstattung, Kreislaufwirtschaft oder Lieferketten – verändern die Rahmenbedingungen für Unternehmen im Gesundheitssektor. Für die MedTech-Branche ist entscheidend, dass ökologische Ziele mit den besonderen Anforderungen der Patient:innenversorgung in Einklang gebracht werden.
Viele Unternehmen arbeiten bereits daran, Ressourcen effizienter zu nutzen, Verpackungen zu reduzieren oder Produktionsprozesse nachhaltiger zu gestalten.
Der BVMed begleitet diese Entwicklungen aktiv – etwa durch seine Mitarbeit im DIN-Normungsausschuss Medizin, durch Informationsangebote zum Umweltrecht sowie durch den politischen Einsatz unter anderem auch für digitale Lösungen wie elektronische Gebrauchsanweisungen (eIFU) auf europäischer Ebene.
„Unser Ziel ist ein nachhaltiges, zukunftsfähiges Gesundheitswesen, das ökologische und soziale Verantwortung, Innovation und Versorgungssicherheit miteinander verbindet.“
Krisenvorsorge: Resilienz aufbauen
Pandemien, Naturkatastrophen, hybride Bedrohungen und Kriege haben gezeigt, wie verletzlich Versorgungsstrukturen sein können. Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist nicht nur humanitär geboten – es ist sicherheitsrelevant.
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Gerade im Ernstfall braucht es schnell verfügbare Medizinprodukte: von Operationseinrichtungen über mobile Diagnostik und Telemedizin bis hin zu Prothetik. Sie sind entscheidend für eine funktionierende Gesundheitsversorgung und die schnelle Behandlung von Patient:innen.
Um die Versorgung auch in Krisensituationen sicherzustellen, braucht es stabile Lieferketten, strategische Produktionskapazitäten und eine bessere Koordination zwischen Industrie, Politik und Gesundheitswesen.
Der BVMed bringt die Perspektive der MedTech-Branche aktiv in politische Diskussionen zur Krisenvorsorge ein und setzt sich für eine stärkere Einbindung der Industrie sowie des Fach- und Großhandels in die Planung der Gesundheits- und Zivilschutzstrukturen ein. Unser Ziel: Ein resilienteres Gesundheitssystem, das auch in Krisen eine zuverlässige Versorgung mit Medizinprodukten gewährleistet. Dafür fördern wir den Dialog zwischen Politik, Behörden und Industrie und machen konkrete Lösungsvorschläge für eine belastbare Versorgungssicherheit.
Zölle: Gesundheitsversorgung schützen
Neue handelspolitische Spannungen rückten 2025 globale Lieferketten wieder stärker in den Fokus. Die Versorgungssicherheit mit Medizinprodukten muss auch in Zeiten geopolitischer Konflikte gewährleistet bleiben.
Deutschland gehört zu den weltweit führenden Exportstandorten für Medizintechnik. Gleichzeitig sind viele Unternehmen in internationale Lieferketten eingebunden, in denen Komponenten und Technologien global produziert werden. Diese enge internationale Verflechtung erhöht zwar die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit, macht das System jedoch auch anfällig für geopolitische Spannungen, Handelshemmnisse und Lieferengpässe.
Handelspolitische Maßnahmen wie Zölle oder Exportbeschränkungen können daher nicht nur wirtschaftliche Folgen haben, sondern auch die Verfügbarkeit medizinischer Produkte beeinflussen. Der BVMed begleitet diese Entwicklungen intensiv, bringt die Perspektive der MedTech-Branche in politische Diskussionen ein und fordert klar, dass humanitäre Güter nicht Gegenstand von geopolitischen Auseinandersetzungen sein dürfen.
„Medizinprodukte sind essenzielle Güter der Daseinsvorsorge – sie dürfen nicht zum Spielball handelspolitischer Auseinandersetzungen werden.“
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Europa: Wettbewerbsfähigkeit sichern
Europa steht im globalen Wettbewerb um Innovationen im Gesundheitsbereich. Damit Patient:innen weiterhin von modernen Medizintechnologien profitieren, braucht es wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Unternehmen in der EU.
Als Stimme der deutschen MedTech-Branche, insbesondere des MedTech-Mittelstands, bringt sich der BVMed intensiv auf europapolitischer Ebene ein. Das klare Ziel: Eine bessere Patient:innenversorgung und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Dafür arbeitet er auch mit anderen nationalen Verbänden und dem europäischen Dachverband MedTech Europe zusammen. Um den Austausch zwischen der deutschen Branche und Europa zu intensivieren, hat das BVMed-Büro Brüssel unter anderem das Onlineforum „Aktuelle Stunde aus Brüssel" etabliert, in dem EU-Abgeordnete und BVMed-Mitgliedsunternehmen in Austausch gehen.
MedTech-Unternehmen in Europa müssen zunehmend Ressourcen für regulatorische Anforderungen aufwenden. Gleichzeitig erschweren fragmentierte Binnenmarktstrukturen und komplexe Regelwerke die Entwicklung und Vermarktung innovativer Medizintechnologien.
Die Europäische Kommission hat deshalb Initiativen gestartet, um Bürokratie abzubauen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu stärken. Dazu gehören unter anderem Omnibus-Pakete zur Reduzierung administrativer Lasten sowie die Weiterentwicklung zentraler Regelwerke wie der EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR). Der BVMed bringt die Perspektive der MedTech-Branche in die europäischen Debatten ein und setzt sich für innovationsfreundliche Rahmenbedingungen ein.
Zahlen und Fakten zur EU-Wettbewerbsfähigkeit
- 150 Mrd. € jährliche Bürokratiekosten für Unternehmen und Verwaltungen in der EU. Ziel der EU-Kommission: –25 % Verwaltungsaufwand, für KMU –35 % (QuelleExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.)
- 3,9 % der Arbeitsressourcen in EU-Unternehmen werden für Regulierung eingesetzt – in den USA sind es 3,2 % (≈ 20 % geringere Belastung) (QuelleExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.)
- 15 % des EU-BIP (≈ 2,5 Billionen €) entfallen auf öffentliche Beschaffung – eine Reform des Vergaberechts soll Verfahren vereinfachen und Innovation fördern (QuelleExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.)
Compliance: Rechtssicher kooperieren
Innovationen in der Medizintechnik entstehen häufig in enger Zusammenarbeit zwischen Industrie, Forschung und medizinischer Praxis. Klare Compliance-Regeln sorgen dafür, dass diese Kooperation transparent und verantwortungsvoll gestaltet werden kann.
Die Entwicklung und Anwendung moderner Medizintechnologien erfordert einen intensiven Austausch zwischen Unternehmen, Ärzt:innen, Kliniken und Forschungseinrichtungen. Damit diese Zusammenarbeit im Interesse der Patient:innen erfolgt, hat die MedTech-Branche beispielsweise mit dem „Kodex Medizinprodukte" verbindliche Verhaltensregeln etabliert. Diese Standards schaffen Transparenz und Vertrauen und bilden eine wichtige Grundlage für eine verantwortungsvolle Zusammenarbeit im Gesundheitswesen.
- Trennungsprinzip: Zuwendungen dürfen nicht im Zusammenhang mit Beschaffungsentscheidungen stehen
- Transparenzprinzip: Jede Zuwendung und Vergütung muss offengelegt werden
- Äquivalenzprinzip: Leistung und Gegenleistung müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen
- Dokumentationsprinzip: Alle Leistungen müssen schriftlich festgehalten werden
Das BVMed-Healthcare-Compliance Committee (HCCC) widmet sich den grundlegenden rechtlichen Fragen zur Zusammenarbeit der Medizintechnik-Branche mit medizinischen Einrichtungen und anderen Partner:innen im Gesundheitswesen. Zu den Aufgaben zählen unter anderem die Weiterentwicklung von Compliance-Themen, Vertragsmustern, Standards und Kodizes sowie die Erörterung rechtlicher Fragestellungen von grundsätzlicher Bedeutung. Darüber hinaus führt das HCCC Mediationsverfahren durch, konzipiert Compliance-Veranstaltungen und veröffentlicht den Orientierungswert für Bewirtungen.