- Branche Die Lage der MedTech-Branche 2026: Stimmung der MedTech-Branche leicht aufgehellt, Gewinne bleiben unter starkem Druck
Die Stimmung in der deutschen MedTech-Branche hat sich nach den Ergebnissen der BVMed-Herbstumfrage 2026 gegenüber den Vorjahren leicht aufgehellt. Damit verbindet sich aber die klare Erwartung an die Politik, die MDR-Revision, den Bürokratieabbau und einen verbesserten Innovationszugang voranzutreiben. Die 120 teilnehmenden BVMed-Unternehmen erwarten in Deutschland für 2026 einen Umsatzanstieg von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Umsatzerwartung ist damit optimistischer als in den Vorjahren, die Gewinne der KMU-geprägten Branche stehen aber durch steigende Kosten für Bürokratie, Zertifizierungen, Personal, Logistik und Transport stark unter Druck. Und dabei sind die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes noch nicht abgebildet.
ArtikelBerlin, 06.10.2026
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45 Prozent der Unternehmen gehen von einer Verschlechterung der Gewinnsituation aus. Der wichtigste Grund für die angespannte Geschäftssituation sind laut der BVMed-Umfrage die stark steigenden Kosten am Standort Deutschland. 63 Prozent der befragten BVMed-Unternehmen beklagen sich über den zunehmenden bürokratischen Aufwand als Kostentreiber. Darauf folgen mit 60 Prozent die steigenden Personalkosten sowie mit 58 Prozent steigende Kosten für Logistik und Transport. 55 Prozent der Unternehmen nennen Sparmaßnahmen im GKV-System, 52 Prozent den Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften und Klinikketten.
Der zunehmende Druck auf die Gewinnsituation der Branche wirkt sich auch auf die Investitionen am Standort Deutschland aus, die gegenüber dem Vorjahr insgesamt stagnieren. 27 Prozent der befragten Unternehmen verlagern Investitionen ins Ausland, insbesondere in die USA, nach China und Indien.
Positiver sieht die Entwicklung bei den Forschungsausgaben aus. 33 Prozent der Unternehmen geben an, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den nächsten fünf Jahren trotz der schwierigeren wirtschaftlichen Lage steigern zu wollen. 32 Prozent planen, das aktuelle Niveau zu halten. Im Durchschnitt investieren die an der BVMed-Herbstumfrage teilnehmenden Unternehmen 9,2 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Das liegt über dem Branchendurchschnitt von rund 8 Prozent. Ein Drittel der Investitionen geht allerdings nach wie vor in die Erfüllung der regulatorischen Anforderungen durch die MDR. Nur knapp ein Drittel der Investitionen fließt in echte Neuentwicklungen bzw. innovative Produkte und Lösungen.
Die Zeiten, in denen das europäische Regulierungssystem für Medizinprodukte, das europäische CE-System dem US-amerikanischen FDA-System überlegen war, sind lange vorbei. Das verdeutlicht die BVMed-Herbstumfrage seit mehreren Jahren. Der Trend hat sich 2026 sogar noch weiter verstärkt. Eine deutliche Mehrheit von 62 Prozent der Unternehmen präferiert das FDA-System. Im Vorjahr waren es 56 Prozent. Nur 9 Prozent der BVMed-Mitglieder präferieren das MDR-System der EU.
Die MDR muss also nach Meinung der BVMed-Unternehmen dringend weiterentwickelt und verbessert werden. 77 Prozent der Unternehmen wünschen sich dabei vor allem weniger Bürokratie. Wichtig sind den Unternehmen zudem die Abschaffung der Rezertifizierung alle 5 Jahre, vorhersehbare und klare Fristen sowie Fast-Track-Verfahren für Innovationen. Ebenfalls weit oben auf der Forderungsliste: berechenbare Kosten, die gegenseitige Anerkennung von ausländischen Zulassungen sowie mehr Verfahrens-Transparenz bei den Benannten Stellen. Neben der anhaltenden Großbaustelle MDR beklagen die BVMed-Unternehmen vor allem die zusätzlichen Belastungen aus umweltrechtlichen Regelungen und nachhaltigkeitsbezogenen Berichtspflichten.
Neben einer zügigen MDR-Revision erwarten die Unternehmen vor allem, dass der Innovationszugang verbessert und beschleunigt wird, dass der ressortübergreifende MedTech-Dialog der Bundesregierung verstetigt wird und das Gesundheitssystem insgesamt digital und datenbasiert ausgerichtet wird. Weit oben auf der Forderungsliste steht zudem, die G-BA-Verfahren zu überarbeiten und zu beschleunigen, die Krankenhausleistungen bedarfs- und ergebnisorientiert zu finanzieren, die Hilfsmittel-Versorgung und Homecare zu stärken und deren qualifizierte Fachkräfte einzubinden sowie Volkskrankheiten früher zu erkennen und zu behandeln.
Der BVMed-Innovationsklimaindex, der seit 2012 ermittelt wird, steigt auf 4,4 von 10 Punkten. Das ist eine weitere Verbesserung gegenüber den Vorjahren und dem absoluten Tiefstwert aus dem Jahr 2023. Der Wert zeigt die Hoffnung, dass die Politik die Probleme des Standorts nicht nur erkannt hat, sondern nun auch geeignete Gegenmaßnahmen umsetzt und die Unternehmen von überflüssiger Bürokratie befreit und Prozesse beschleunigt.
Detaillierte Informationen zur BVMed-Herbstumfrage 2026 gibt es unter www.bvmed.de/herbstumfrage2026.
