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Gefahr für angemessene Hilfsmittel-Versorgung bei Inkontinenz und künstlichem Darmausgang

Vor einem Preis-Diktat bei Hilfsmitteln und damit verbundenen Einschränkungen der Lebensqualität warnen die Selbsthilfe Stoma-Welt e. V. und die Inkontinenz Selbsthilfe e. V.. Grund ist die geplante deutliche Ausweitung von Festbeträgen für Hilfsmittel im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. „Mit diesem Vorhaben wird der günstigste Preis das Maß der Versorgung und nicht die individuelle Gesundheit sowie die angemessene Ausstattung mit Hilfsmitteln von Menschen mit Stoma, Inkontinenz und Entleerungsstörungen“, erklären Christian Limpert von der Selbsthilfe Stoma-Welt und Matthias Zeisberger von der Inkontinenz Selbsthilfe e.V..

ArtikelBerlin, 19.05.2026

Mit der gemeinsamen Petition „Kein Sparen auf Kosten unserer Lebensqualität!“ wenden sich die beiden Selbsthilfeorganisationen daher an den Bundestag, um die geplanten Änderungen zu verhindern. Denn eine passgenaue, individuelle Hilfsmittel-Versorgung entscheidet über die Lebensqualität von Menschen mit Stoma, Inkontinenz und Entleerungsstörungen. Sie ist Voraussetzung für ein sicheres Leben, Arbeiten und die gesellschaftliche Teilhabe.

Die Selbsthilfe Stoma-Welt e.V. und die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. sind bundesweite Initiativen von Menschen mit einem Stoma (künstlicher Darm- oder Blasenausgang), Betroffene von Inkontinenz und Nutzer:innen von Kathetern/Selbstkatheterismus (ISK).

Der Petition wird von den Betroffenen und Aktivist:innen Jana Sophie Gottert, Paolo Häckl, Raul Krauthausen, Jo Maxim sowie der Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz, Wunde (FgSKW) und der Initiative „Faktor Lebensqualität“ des BVMed unterstützt.

Versorgung unter Druck

Die geplante Ausweitung von Festbeträgen wird erfahrungsgemäß zu einer Standardversorgung der Patient:innen der gesetzlichen Krankenkassen führen. Allerdings passt nicht jeder Stoma-Beutel oder jeder Einmalkatheter zur Selbstkatheterisierung zu jedem Menschen. „Wenn eine individuelle Versorgung wegen der Festbeträge nicht mehr möglich ist, leiden entweder die Lebensqualität und die Gesundheit der Betroffenen oder diese müssen aus eigner Tasche zuzahlen, wozu viele Menschen nicht in der Lage sein werden“, sagt Christian Limpert von der Selbsthilfe Stoma-Welt e.V.. „Die Hilfsmittel-Versorgung ist für die Betroffenen kein Luxus, sie ermöglich erst ein selbstbestimmtes Leben“, ergänzt Matthias Zeisberger von der Inkontinenz Selbsthilfe e.V..

Qualität leidet bereits unter fehlender Beratung

Kostendruck bei der Hilfsmittel-Versorgung führt schon heute zu erheblichen Qualitätsverlusten, weil bei Beratung, Anleitung und Nachsorge gespart wird. Dieser Trend würde sich mit Festbeträgen noch beschleunigen. Dies hat sich vor einigen Jahren gezeigt, als den gesetzlichen Krankenkassen Ausschreibungen in der Hilfsmittel-Versorgung erlaubt waren. Die dabei aufgerufenen niedrigen Preise führten unter anderem zu Einsparungen in der Beratung und Anleitung, weil diese Zeit, Fachwissen und Wiederholung benötigen. Die individuelle Beratung ist aber ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil der Hilfsmittel-Versorgung.

Forderungen an den Bundestag

In der Petition werden fünf Forderungen an die Politik formuliert:

  1. Bedarf statt Billiglogik: Die Hilfsmittel-Versorgung muss sich am individuellen Bedarf orientieren, nicht am niedrigsten Preis – für alle Betroffenen, egal aufgrund welcher Behinderung.
  2. Wahlfreiheit statt Zwangswechsel: Betroffene müssen weiterhin, ohne Zuzahlung, das Hilfsmittel erhalten können, das für sie medizinisch und persönlich geeignet ist.
  3. Beratung statt Versorgungslücke: Anleitung, Schulung und Nachsorge durch ausgebildete Expert:innen müssen Teil einer qualitätsgesicherten Versorgung bleiben.
  4. Menschenwürde statt Minimalversorgung: Hilfsmittelversorgung in intimen Lebensbereichen darf nicht auf einen möglichst billigen Standard reduziert werden.
  5. Selbsthilfe und Fachpraxis beteiligen: Betroffene, Angehörige und Fachleute aus der Stoma-, Inkontinenz- und Katheterversorgung müssen verbindlich in die Ausgestaltung von Versorgungsqualität und Preis einbezogen werden.

Die Petition kann auf der Plattform innn.it/hilfsmittelExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab. unterzeichnet werden.

Unterstützer:innen der Petition

  • Jana Sophie Gottert (Betroffene, Peer und Aktivistin)
  • Paolo Häckl (Betroffener und Content Creator)
  • Raul Krauthausen (Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit)
  • Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz, Wunde e.V. (FgSKW)
  • Initiative Faktor Lebensqualität des BVMed
  • Jo Maxim (Aktivist:in und Journalist:in)

Informationen zur Petition und weitere Details finden Sie hier: https://www.inkontinenz-selbsthilfe.com/petitionExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.

Inkontinenz-Selbsthilfe e.V.
Die Inkontinenz-Selbsthilfe ist ein ehrenamtlich tätiger, gemeinnütziger Verein, der seit über 20 Jahren authentische Selbsthilfe von Betroffenen für Betroffene bei Inkontinenz und Entleerungsstörungen leistet.

Selbsthilfe Stoma-Welt e.V.
Die Selbsthilfe Stoma-Welt ist eine bundesweite, gemeinnützige Selbsthilfeorganisation, die sich seit 2010 für die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit einem künstlichen Darmausgang (Enterostoma) oder einer künstlichen Harnableitung (Urostoma) einsetzt.

Kontakt
Christian Limpert
Telefon: +49(0)6727 288 23 33
Email: verein(at)stoma-welt.de
Web: Stoma-Welt.deExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.
Berliner Str. 24
55457 Gensingen

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