MedTech-Standort D

Dr. Marc-Pierre Möll: Wir brauchen eine MedTech-Strategie

Gastbeitrag in der ZEIT-Beilage "Zukunft Medizin"

Medizinprodukte sind unentbehrlich für die Gesundheitsversorgung der Menschen. Die Medizintechnik-Branche ist zugleich ein Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Sie beschäftigt in Deutschland über 250.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 38 Milliarden Euro, die Exportquote bei 67 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMU.

Deutschland ist bei Medizintechnologien Welt­spitze. Noch. Denn der Medizintechnik-Standort Deutschland ist stark gefährdet. Das liegt an einem zu komplizierten regulatorischen System für Medizinprodukte, das Innovationen ausbremst; an überbordender Bürokratisierung und Regulierungswut, die unsere KMU erstickt; an schleppender Digitalisierung des Gesundheitssystems und mangelnder Datennutzung; an unzureichender Unterstützung des Mittelstandes als dem Herzstück der deutschen Wirtschaft.

Um Top-Talente im Land zu halten und Innovationen hier zu entwickeln, brauchen wir standortfreundlichere Rahmenbedingungen! Wir brauchen ganzheitliche Ansätze. Wir brauchen eine MedTech-Strategie 2030. Dabei muss die Expertise der Unternehmen einbezogen werden.

Wir wollen durch eine Entbürokratisierungs-Offensive unseren Mittelstand als Innovationstreiber stützen. Wir wollen, dass forschende MedTech-Unternehmen einen besseren Datenzugang und ein Antragsrecht beim Forschungsdatenzentrum erhalten. Wir wollen, dass Innovationen wieder schneller in den Markt kommen und Innovationshemmnisse abbauen – durch Fast-Track-Verfahren wie in den USA. Wir wollen die Resilienz des deutschen Gesundheitssystems und die Lieferketten stärken.

Deutschland braucht eine forschungsstarke, leistungsfähige, wirtschaftlich gesunde und international wettbewerbsfähige Medizintechnik-Branche.

Quelle: Inpact Media Verlag, Oktober 2023

Dr. Marc-Pierre Möll ist Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des BVMed.
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