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 - Infektionsschutz Neues BVMed-Format „HygieneImpulse“: Mehr Aufklärung, Prävention und strukturierte Versorgung bei Sepsis erforderlich

Sepsis ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland, wird im Vergleich zu anderen akuten Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall jedoch noch immer zu selten erkannt. Um vermeidbare Todesfälle und schwere Folgeverläufe zu reduzieren, braucht es eine konsequente Stärkung von Aufklärung, Prävention und Hygienemaßnahmen sowie verbindliche Strukturen für eine frühzeitige Diagnose und Behandlung in allen Versorgungsbereichen. So das Fazit des neuen digitalen Formats „HygieneImpulse“ des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) am 24. März 2026. Die Auftaktveranstaltung wurde gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) und Expert:innen des Deutschen Qualitätsbündnisses Sepsis (DQS) durchgeführt. Rund 200 Teilnehmende aus Klinik, Pflege, Hygiene, Politik und Selbstverwaltung diskutierten aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze zur Verbesserung der Sepsisprävention und -versorgung.

PressemeldungBerlin, 25.03.2026, 21/26

Sepsis, verursacht durch Bakterien im Blut, ist häufig lebensbedrohlich© AdobeStock @Dr_Microbe Sepsis, verursacht durch Bakterien im Blut, ist häufig lebensbedrohlich Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion und kann aus unterschiedlichen Infektionen entstehen – beispielsweise der Lunge, der Harnwege oder des Bauchraums. Jährlich erkranken in Deutschland über 230.000 Menschen, mindestens 85.000 sterben daran. Viele Überlebende leiden langfristig an gesundheitlichen Folgen.

Aufklärung als Schlüssel

„Sepsis gehört zu den häufigsten Todesursachen, ist aber im Vergleich zu Herzinfarkt oder Schlaganfall noch immer zu wenig bekannt. Viele Menschen könnten durch Prävention, frühzeitige Erkennung und schnelle Behandlung gerettet werden“, erklärte Ellen Heyd, Projektleiterin der Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“Externer Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab. beim Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS)Externer Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab. in der Auftaktveranstaltung des BVMed-Formats „HygieneImpulse“. Ziel der Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ sei daher, das Bewusstsein für Ursachen, Warnzeichen und Präventionsmaßnahmen zu stärken – sowohl in der Bevölkerung als auch im Gesundheitswesen. Dazu gehören InformationsmaterialienExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab., ChecklistenExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab. sowie Schulungs- und Fortbildungsangebote für unterschiedliche Zielgruppen.

Prävention in den Fokus

Ein zentraler Ansatzpunkt zur Vermeidung von Sepsis ist die konsequente Prävention von Infektionen. Denn grundsätzlich kann jede Infektion, etwa der Atemwege, der Harnwege oder von Wunden, zu einer Sepsis führen. „Jede verhinderte (nosokomiale) Infektion ist auch eine verhinderte Sepsis“, betonte Thuan Madzharov, wissenschaftliche Referentin „Kommunikation in der Pflege“ beim APS.

Zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen gehören nach Einschätzung der Expert:innen Impfungen, die konsequente Einhaltung grundlegender Hygieneregeln und die frühzeitige medizinische Abklärung von Infektionssymptomen. „Eigentlich sind viele Maßnahmen ein ‚No brainer‘ – dazu gehören vor allem eine gute Händehygiene sowie die sorgfältige Reinigung und Beobachtung von Wunden“, so Madzharov. Schätzungen zufolge gilt bis zu einem Drittel der nosokomialen Infektionen als vermeidbar – ein entscheidender Ansatzpunkt, um auch schwere Sepsisverläufe zu verhindern.

Früherkennung und Versorgung verbessern

Infografik der Sepsis-Warnzeichen bei Verdacht auf eine Infektion. Warnzeichen sind: Starke Schmerzen und ein nie gekanntes Krankheitsgefühl, Herzrasen, niedriger Blutdruck, kalte, feuchte und fleckige Haut, Kurzatmigkeit und Atemnot sowie Wesensveränderung und Verwirrtheit. © #DeutschlandErkenntSepsis, Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) Diese Symptome können Warnzeichen für eine Sepsis sein. Neben der Prävention besteht auch in der Versorgung weiterhin Optimierungspotenzial. „Eine zentrale Herausforderung liegt darin, dass Symptome früh erkannt und ernst genommen werden – sowohl durch Patientinnen und Patienten als auch durch medizinisches Personal, insbesondere im ambulanten Bereich. Die aktuelle S3-Leitlinie zu Sepsis sollte dafür in den Fokus gesetzt werden“, sagte PD Dr. med. Carolin Fleischmann-Struzek, Leitung der Versorgungsforschung für Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum Jena und Mitglied des Steering Committees des Deutschen Qualitätsbündnisses Sepsis (DQS). Besonderen Verbesserungsbedarf sieht sie darüber hinaus bei der Vermeidung nosokomialer Infektionen und in der Nachsorge: „Viele Betroffene leiden noch Jahre nach einer Sepsis an Langzeitfolgen. Dieser Bereich ist zusätzlich bislang unteradressiert.“ Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Versorgung sei das neue Qualitätssicherungsverfahren QS-Sepsis, das seit dem 1. Januar 2026 verpflichtend in Kliniken umgesetzt wird.

„Neben Schulungen können technische Unterstützungssysteme dem medizinischen Personal helfen, die richtige Diagnose schneller zu stellen. Hier müssen wir stärker vorankommen“, erklärte Dr. med. Hendrik Rüddel, Ärztlicher Leiter des Koordinationsbüros des Deutschen Qualitätsbündnisses Sepsis (DQS) und Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena. Ziel sei es, medizinisches Personal im Alltag gezielt zu unterstützen und standardisierte Abläufe zu stärken.

Infektionsprävention strukturell verankern

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) sieht im Infektionsschutz eine zentrale Aufgabe für das gesamte Gesundheitswesen.

„Infektionsprävention und Hygiene müssen strukturell abgesichert werden. Nur mit klaren Standards, ausreichend qualifiziertem Personal und einer konsequenten Umsetzung lassen sich nosokomiale Infektionen und Sepsisfälle nachhaltig reduzieren“, betonte die Moderatorin und BVMed-Hygieneexpertin Miriam Rohloff.

Aus Sicht des BVMed gehören dazu insbesondere:

  • die verbindliche Verankerung von Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) sowie Antibiotic Stewardship in allen medizinischen Einrichtungen
  • kontinuierliche Schulungen und Überprüfungen der Umsetzung von Hygienemaßnahmen
  • der Einsatz digitaler Systeme zur Unterstützung von Diagnostik und Qualitätskontrolle
  • eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen ambulanter und stationärer Versorgung

Neues BVMed-Format „HygieneImpulse“

Mit dem neuen Online-Format „HygieneImpulse“ schafft der BVMed, neben dem jährlichen „Hygieneforum“, eine Plattform für den regelmäßigen Austausch zu aktuellen Fragen des Infektionsschutzes.

Einmal im Quartal greifen Expert:innen praxisrelevante Themen auf und diskutieren gemeinsam mit den Teilnehmenden, welche Maßnahmen notwendig sind, um Hygiene und Patientensicherheit nachhaltig zu stärken. Denn: Jeder Mensch hat das Recht, vor nosokomialen Infektionen geschützt zu werden.

Die nächste Veranstaltung findet am 23. Juni 2026 statt. Hier geht es zur Anmeldung: bvmed.de/2026-06-23-hygieneimpulse-hygienedaten
Weitere zukünftige Veranstaltungen: bvmed.de/veranstaltungen

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