- Neurostimulation Neuroimplantate: Chance im Kampf gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft bezeichnet die Verfahren der Neurostimulation als Revolution für Patienten, die an schweren Kopfschmerzen wie Migräne oder Cluster-Kopfschmerz leiden.
ArtikelBerlin, 30.07.2015
Cluster-Kopfschmerzen:
Der stechende Schmerz gehört zur stärksten Kopfschmerzform und übertrifft sogar den von Migräne. Die Schmerzen treten attackenartig auf und quälen die Betroffenen in unregelmäßigen Abständen und Episoden. Experten gehen in Deutschland von rund 120.000 Betroffenen aus.
Die Arzneimitteltherapie konzentriert sich zum einen auf die Prophylaxe und zum anderen auf die akute Schmerztherapie. Die Ursache der Erkrankung ist jedoch bis heute unklar. Verfahren der Neurostimulation tragen auch hier dazu bei, die Betroffenen sowohl in der Prophylaxe- als auch in der Akutphase zu unterstützen. Bei der Tiefenhirnstimulation kann das Auftreten von Schmerzattacken nachhaltig um 50 Prozent verringert werden. Zudem sprechen 70 Prozent der Patienten auf dieses Verfahren positiv an. Weitere neuromodulatorische Verfahren, wie die SCS im Bereich der oberen Halswirbelsäule, liefern vielversprechende Studienergebnisse und könnten in Zukunft zu einer deutlich höheren Lebensqualität der Betroffenen beitragen.
Migräne:
Auch bei Migräne handelt es sich nicht um bloße Kopfschmerzen, sondern um eine neurologische Störung. Sie bereitet den Betroffenen häufig über Jahre ein Martyrium an Schmerzen. Weltweit leiden laut WHO etwa 10 Prozent der Weltbevölkerung daran. Die Symptome sind, neben den intensiven Kopfschmerzen, die Stunden oder sogar Tage anhalten können, Übelkeit, Schwindel, Erbrechen und eine starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Symptome und deren Intensität variieren dabei individuell sehr stark. Bisher ist keine Ursache für Migräne bekannt. Experten vermuten, dass eine zugrundeliegende Störung des Gehirns Entzündungen in den Blutgefäßen verursacht, die wiederum die umliegenden Nerven reizen.
„Viele Migräne-Patienten haben alle derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Sie sind oft durch die Schmerzen und die Häufigkeit der auftretenden Migräneanfälle stark beeinträchtigt“, so Stephen D. Silberstein, M.D., ehemaliger Präsident der American Headache Society.
Neben dem bereits erfolgreich eingesetzten Verfahren der Tiefenhirnstimulation bei chronisch kranken Migränepatienten, trägt die periphere Nervenstimulation der Okzipitalnerven zur deutlichen Linderung der Migräneschmerzen bei. Dabei werden die Okzipitalnerven durch leichte elektrische Impulse stimuliert. Diese befinden sich direkt unter der Haut des Hinterkopfs. Studienergebnisse belegen, dass dieses Verfahren zu einer Steigerung der Lebensqualität von chronisch kranken Migränepatienten von bis zu 68 Prozent beitragen kann.
Zukunft der Neuroimplantate
Das Feld der Neurostimulation zur Behandlung von neurologischen Erkrankungen ist bei Weitem noch nicht erschöpft. Patienten werden in Zukunft von den neuen Entwicklungen und Erkenntnissen in der Mikro- und Informationstechnik, zunehmender Digitalisierung im Allgemeinen und der Medizin im Speziellen und darüber hinaus von den Ergebnissen der Hirnforschung profitieren.