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 - Adipositas-Chirurgie Körpergewicht reduzieren und Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes behandeln

Artikel16.04.2015

© Aktion Meditech Adipositas ist eine chronische Erkrankung mit ernsthaften gesundheitlichen Folgen. Adipöse benötigen ärztliche Unterstützung und gegebenenfalls eine Therapie. Die Grundbausteine der Adipositas-Behandlung sind dabei Ernährungsumstellung, Bewegung und Veränderungen in der Lebensführung. Bei einem sehr starken Übergewicht reichen diese konservativen Therapiemaßnahmen jedoch meist langfristig nicht aus. Für Patienten mit krankhaftem Übergewicht, sogenannter morbider Adipositas, zeigen Forschungsergebnisse, dass ein chirurgischer Eingriff helfen kann, dauerhaft Gewicht zu verlieren und Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes erfolgreich zu behandeln. Eine Adipositas-Operation in Kombination mit Verhaltens- und Lebensstiländerungen ist derzeit die erfolgreichste Methode für einen langfristigen Gewichtsverlust. Neben dem Gewichtsverlust verbessern sich in den meisten Fällen auch mögliche Begleiterkrankungen und es sinkt das Risiko, ernste Folgeerkrankungen zu entwickeln.

Adipositas ist eine komplexe Stoffwechselstörung, die mit einer Vielzahl von Folgeerkrankungen sowie einem erhöhtem Mortalitätsrisiko verbunden ist. Häufig treten Adipositas, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Fettstoffwechselstörungen (z.B. hoher Cholesterinspiegel) gemeinsam auf. Diese Erkrankungen werden als Metabolisches Syndrom zusammengefasst. Ihr Auftreten erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie z. B. Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Durch eine Operation kann das Gewicht langfristig reduziert und der Gesundheitszustand nachhaltig verbessert werden. Dabei belegen Studien, dass ein chirurgischer Eingriff Patienten helfen kann, bei denen konservative Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen. So konnten laut der sogenannten SOS-Studie 87 Prozent der Diabetesfälle durch einen chirurgischen Eingriff verhindert werden. Die Adipositas-Chirurgie setzt auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes. Neueste Forschungen zeigen, dass bei einer Großzahl der Adipositas-Patienten die Signalwege von den Fettzellen zum Gehirn dauerhaft gestört sind und bestimmte Botenstoffe falsche Informationen liefern. Nicht nur das Hungergefühl, sondern auch die Diabetes-Typ-2-Anfälligkeit wird dadurch stark beeinflusst. Die Adipositas-Chirurgie bietet die Möglichkeit, nicht nur die Nährstoffzufuhr zu regulieren, sondern eben auch diese neuroendokrinen Signalwege positiv zu beeinflussen.

Operative Verfahren: Magenbypass und Schlauchmagen

Grundsätzlich werden bei der Adipositas-Chirurgie zwei Verfahren unterschieden, die alleine oder kombiniert umgesetzt werden können. So kann einerseits durch eine Verkleinerung des Magens die Nahrungszufuhr begrenzt werden und andererseits durch Ausschalten eines Dünndarmabschnitts die Kalorienaufnahme verringert werden. Gängige Methoden sind der Magenbypass und der Schlauchmagen. Ein verstellbares Magenband wird hingegen kaum noch verwendet, da die oben genannten Methoden bessere Langzeitergebnisse liefern. Inzwischen werden alle operativen Verfahren mit Hilfe der sogenannten Schlüssellochchirurgie durchgeführt, die den Patienten eine Öffnung des Bauchraums erspart.

© Aktion Meditech/Expertengruppe Metabolische Chirurgie Beim Magenbypass werden beide Verfahren kombiniert. Wie der Name Bypass vermuten lässt, werden dabei Teile des Magens und des Dünndarms umgangen und in der Folge weniger Nährstoffe aufgenommen. Bei dem Eingriff trennt der Chirurg zunächst wenige Zentimeter unterhalb des Mageneingangs eine kleine Magentasche ab, die nur wenig Nahrung aufnehmen kann und deshalb für ein schnelleres Sättigungsgefühl sorgt. Anschließend durchtrennt er den Dünndarm und verbindet den unteren Darmabschnitt mit der abgetrennten Magentasche, sodass die Nahrung von dort direkt in den Dünndarm gelangt. Der mit dem Restmagen verbundene Dünndarmabschnitt wird an das untere Dünndarmsegment angeschlossen. Für die Verdauung und Nährstoffaufnahme bedeutet dies, dass der obere Dünndarmabschnitt, der primär für die Aufnahme des Nahrungsbreis zuständig ist, umgangen wird.

© Aktion Meditech/Expertengruppe Metabolische Chirurgie Beim Schlauchmagen werden ca. 90 Prozent des Magens entfernt. Der verbleibende Restmagen fasst nur noch ein Volumen von 80 bis 120 ml. Das Entfernen von Magengewebe hat jedoch nicht nur eine Verkleinerung des Magens zur Folge, sondern auch eine Veränderung der Hunger und Sättigung steuernden Hormone.

Welches operative Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. So sind bei der Auswahl einer geeigneten Therapie unter anderem Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI), Folgeerkrankungen, Essverhalten und Präferenzen des Patienten zu berücksichtigen.

Mit der Adipositas-Chirurgie lassen sich Folgeerkrankungen positiv beeinflussen

Studien belegen, dass sich durch einen chirurgischen Eingriff bei einer Vielzahl von Patienten bessere Erfolge erzielen lassen als durch konservative Maßnahmen. Dies gilt insbesondere für Patienten, deren Stoffwechselsignalwege stark gestört sind. Dabei ergab eine Auswertung mehrerer Studien, dass die Patienten je nach chirurgischem Verfahren bis zu 70 Prozent ihres Übergewichts verlieren und dies meist auch langfristig halten können. Zudem weisen die operiert morbid adipösen Patienten bessere Diabetes-, Cholesterin- und Hypertoniewerte auf. Besonders positive Auswirkung hatte eine Operation für zuckerkranke Patienten. So konnte eine Diabeteserkrankung in 87 Prozent der Fälle verhindert werden. Viele Patienten, die vor dem Eingriff auf Diabetes-Medikamente angewiesen waren, konnten diese bereits kurze Zeit nach der Operation absetzen. Dabei regulieren die Eingriffe die Signalwege, bzw. die Produktion bestimmter Botenstoffe unabhängig von der Gewichtsreduktion. Des Weiteren konnte in 85 Prozent der Fälle Schlafapnoe, an der viele morbide Adipositas-Betroffene leiden, behoben werden. Auch die Gefahr, an einer koronaren Herzerkrankung zu erkranken, konnte um die Hälfte reduziert werden.

Ob der neuroendokrine Signalweg bei adipösen Menschen gestört ist, lässt sich im Vorfeld nicht abklären. Patienten erfahren dies meist dadurch, dass die konservative Therapie keine Wirkung zeigt. In solchen Fällen bietet die Adipositas-Chirurgie eine sehr effektive Methode, das Gewicht zu regulieren und Folgeerkrankungen zu verhindern. Eine nachhaltige Veränderung des Lebensstils ist auch bei einem chirurgischen Eingriff wichtig, um die Gewichtsreduktion zu unterstützen und Komplikationen zu vermeiden. Patienten mit vorheriger Lebensstilveränderung haben dabei ein langfristig besseres Outcome.

Hintergrund: Erkrankung Adipositas

Adipositas wird in verschiedene Gewichtsklassen unterteilt, die Berechnung erfolgt anhand des Körpermasseindexes (Body-Mass-Index – BMI = kg/m2). Nach der WHO-Definition liegt ab einem BMI von 25 kg/m2 Übergewicht und ab einem BMI von 30 kg/m2 Adipositas vor. Übersteigt der BMI ein Gewicht von 40 kg/m2 spricht man von morbider Adipositas. Nach der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" (DEGS) des Robert Koch-Instituts galten 2011 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen als übergewichtig, insgesamt 23 Prozent der Männer und Frauen wurden als adipös eingestuft.

Quelle: Aktion Meditech

Hier gibt es einen Informationsfilm des BVMed zur Adipositas-Chirurgie:

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