Herzklappenersatz

TAVI: IQWiG sieht bessere Erfolgsaussichten bei höheren Fallzahlen

In Krankenhäusern in denen häufiger kathetergestützte Aortenklappenimplantationen (TAVI) vorgenommen werden, gibt es einen positiven Zusammenhang zwischen der Leistungsmenge und der Qualität des Behandlungsergebnisses. Zu diesem Ergebnis kommt ein Rapid Report des Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Allerdings schränkt das Institut zugleich ein, dass keine der acht untersuchten retrospektiven Beobachtungsstudien zum Thema eine hohe Aussagekraft aufgewiesen hat.

Konkret ergibt sich laut IQWiG aus den Studien ein positiver Zusammenhang zwischen Fallzahl und Qualität des Behandlungsergebnisses für die Zielgrößen „Gesamtmortalität“ und „Versterben im Krankenhaus“, die Zielgrößen „Blutungen“, „postoperative Beatmung über mehr als 48 Stunden“ und „Wiederaufnahme in ein Krankenhaus“ sowie für das Ergebnis „Abbruch der TAVI“ beziehungsweise „Wechsel zur offen-chirurgischen Intervention“.

Auf der Arztebene kann dem IQWiG zufolge nur für die Zielgröße „Versterben im Krankenhaus“ ein positiver Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und Behandlungsergebnis abgeleitet werden.

Für die Untersuchung des Effekts konkret in die Versorgung eingeführter Mindestfallzahlen für TAVI auf die Qualität des Behandlungsergebnisses hat das IQWiG keine aussagefähigen Studien identifizieren können. Für TAVI hat der G-BA bisher keine verbindliche Mindestmenge für Krankenhäuser festgelegt. Der G-BA berät die Mindestmengen bei TAVI seit Juni 2020.

Das 2020 publizierte Konsensuspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie fordert für TAVI im Rahmen der Zertifizierung Mindestmengen: Mindestens 50 Implantationen pro Jahr je Krankenhaus sowie mindestens 25 Implantationen pro Jahr je einzelnem interventionellen Kardiologen sind für die Zertifzierung nachzuweisen.

Hintergrund des Reports sind eine Reihe von Prüfaufträgen, die der Gemeinsame Bundesaus­schuss (G-BA) dem IQWiG erteilt hat. Darin geht es um die Frage, ob bei bestimmten Operationen ein Zusammenhang zwischen der Menge der pro Krankenhaus erbrachten Leistung und der Qualität des Behandlungs­ergebnisses nach­weis­bar ist.

Seit 2007 ist die Zahl der in Deutschland jährlich durchgeführten TAVI deutlich gestiegen, gleichzeitig nahm die Anzahl der offenen Aortenklappenersatzoperationen ab. 2021 wurden laut IQWiG in Deutsch­land mehr als 21.000 Aortenklappen interventionell und mehr als 8.400 offen-chirurgisch ersetzt.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt Online vom 28. Juli 2021
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Weltherztag | Schrittmacher, Defibrillator und CRT-Systeme sind lebensrettende Herz-Rhythmus-Implantate

    Die Entwicklung verschiedener Herz-Rhythmus-Implantate ist eine medizinische Erfolgsgeschichte, die bereits zahllosen Menschen Lebensqualität zurückgegeben und in vielen Fällen sogar das Leben gerettet hat. Für die moderne Medizin sind diese Systeme unentbehrlich. Am 29. September 2022 ist Weltherztag. Schwerpunkt in diesem Jahr sind Herzrhythmusstörungen. Mehr

  • Personalie | Anne Spranger baut wissenschaftliches Institut des BVMed auf

    Der BVMed baut ein wissenschaftliches Institut auf, das sich unter anderem der Versorgungs- und Gesundheitssystemforschung sowie Fragen der Methoden- und Nutzenbewertung von Medizinprodukten widmen wird. Die Leitung des neuen BVMed-Instituts übernimmt die Gesundheits- und Wirtschaftswissenschaftlerin Anne Spranger. Sie war zuletzt an der TU Berlin im Fachgebiet „Management im Gesundheitswesen“ unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhard Busse und dem „European Observatory on Health Systems and Policies“ tätig. Mehr

  • TAVI-Therapie auch bei schwerer Aorteninsuffizienz sicher und effektiv

    Erste „Real World“-Daten aus deutschen Herzzentren sprechen dafür, dass die Implantation einer Transkatheter-Herzklappe auch für Patienten mit schwerer Aorteninsuffizienz eine effektive und sichere Therapieoption sein könnte. Mehr


©1999 - 2022 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik