MedTech-Revolution – bis heute
Bildgebende Verfahren haben seit der Entdeckung der Röntgenstrahlung mehrere Innovationssprünge erlebt. Meilensteine sind
- die Entwicklung des Ultraschalls in den 1950er Jahren, die vor allem die Geburtshilfe und die Herzdiagnostik grundlegend veränderte,
- die Nuklearmedizin, mit der sich Stoffwechselprozesse und Organfunktionen darstellen ließen, sowie
- die Computertomographie (CT) in den 1970er Jahren, die computergestützte Röntgenschnittbilder erzeugte.
Parallel entstand die Magnetresonanztomographie (MRT), die ohne ionisierende Strahlung auskommt und detaillierte Bilder von Weichteilen, Gehirn und Nerven liefert.
Die Technologien machen in Kombination mit weiteren medizinischen Fortschritten heute viele Behandlungen möglich, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar waren. So können Schlaganfälle erst seit der Entwicklung der CT gezielt behandelt werden, zuvor war die genaue Ursache nicht feststellbar. In der Herzmedizin sind dank bildgebender Verfahren mehr minimalinvasive Eingriffe möglich, etwa der Einsatz eines Ballonkatheters bei Herzinfarkten in einem Katheterlabor. Und in der Krebsmedizin können Tumore, die früher viel zu spät entdeckt worden wären und damit oft einem Todesurteil gleichgekommen wären, frühzeitig diagnostiziert und präzise operiert werden. Die Geschichte der medizinischen Bildgebung ist damit eine Erfolgsgeschichte, die Leben rettet.
Trends der Gegenwart
Aktuell prägen insbesondere drei Trends den Bereich. Erstens wird die Bildgebung immer genauer und zugleich strahlungsärmer. So kann die Photonenzähl-CT Schnittbilder mit einer Schichtdicke von nur 0,2 Millimetern erzeugen und damit feine Strukturen wie etwa Blutgefäße besonders detailreich darstellen. Viele herkömmliche CT schaffen „nur“ 0,4 Millimeter. Zudem verringert sich die Strahlung je nach Anwendung um teils mehr als 40 Prozent. Ein weiteres Beispiel sind MRT-Geräte, die mit besonders starken Magneten arbeiten. Ein solches Gerät liefert Bilder lebender menschlicher Gehirne in unerreichter Detailtiefe. Zum Einsatz kommen sie bisher in der Forschung.
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Zweitens wird die Bildgebung mobiler und kleiner. Ein deutsches MedTech-Unternehmen hat ab 2020 ein kompaktes Ganzkörper-MRT entwickelt, das für Untersuchungen am ganzen Körper geeignet ist – und dennoch kleiner und leichter ist als herkömmliche Geräte. Es wiegt mit gut drei Tonnen rund ein Viertel weniger und ist lediglich zwei Meter hoch. In den USA wurde zeitgleich das MRT eines US-Unternehmens zugelassen, das ans Krankenbett gerollt und über ein Tablet bedient werden kann. Schwerkranke Patient:innen müssen für Untersuchungen im Kopfbereich so nicht mehr in die Radiologie gebracht werden.
Drittens verschwimmt die Grenze zwischen Diagnostik und Therapie zunehmend. Das Stichwort lautet Theranostik – ein Kunstwort aus Therapie und Diagnostik, das besonders in der Krebsmedizin relevant ist. Tumorzellen werden lokalisiert und noch während der laufenden Bildgebung zielgenau behandelt. Die Entwicklung der entsprechenden Technologien und Verfahren hat vor allem seit den 2010er Jahren an Fahrt aufgenommen. Deutsche Forschungseinrichtungen sind wesentlich daran beteiligt.
Die Zukunft hat begonnen
Hinter den bahnbrechenden Fortschritten stehen tausende Forschende an Universitäten, in Kliniken sowie in MedTech-Unternehmen weltweit. Sie entwickeln Technologien aus der Grundlagenforschung weiter und übersetzen sie in sichere, alltagstaugliche Produkte. Und die Entwicklung ist längst nicht abgeschlossen. Einen neuen Schub liefert Künstliche Intelligenz (KI) – die Potenziale sind enorm:
- Bessere Diagnostik: Studien belegen, dass KI-gestützte Diagnostik bessere Ergebnisse liefern kann. So haben die Universität zu Lübeck und des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein 2025 gezeigt, dass KI-gestützte Mammographie-Screenings rund 18 Prozent mehr Fälle von Brustkrebs erkennen – die Zahl an Fehlalarmen stieg dabei nicht.
- Effizientere Therapie: KI-Systeme können eine Vielzahl von Daten aus Bildgebung, Labor und Klinik zusammenführen. Krankheitsverläufe können so präziser vorhergesagt, medizinische Entscheidungen gezielter getroffen werden. Zudem kommen in der Nuklearmedizin immer häufiger Ganzkörper-Scanner zum Einsatz, die beispielsweise Tumore und Metastasen besser aufspüren – KI kann die Auswertung der umfangreichen Bilddaten unterstützen und zugleich helfen, die Strahlenexposition so gering wie möglich zu halten.
- Treiber für personalisierte Theranostik: Zunehmend werden insbesondere Tumore bei laufender Bildgebung live behandelt. KI kann diese sogenannte Theranostik in Zukunft wesentlich voranbringen und helfen, die optimale Dosis automatisiert zu berechnen. Entsprechende Optionen werden derzeit erforscht.
KI bietet damit gerade in bildgebenden Verfahren neue Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie. So entfallen in den USA rund drei Viertel der zugelassenen KI-gestützten Medizinprodukte auf Anwendungen in der Radiologie.
Innovationen fördern, Rahmenbedingungen verbessern
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Bildgebende Verfahren haben sich in den letzten 130 Jahren zu einem unverzichtbaren Teil der Medizin entwickelt. Sie retten tagtäglich Leben und weisen den Weg hin zu immer individuellerer Behandlung. Die Politik tut gut daran, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Innovationen in diesem Bereich weiter ermöglichen und dafür sorgen, dass sie Patient:innen zugutekommen. Vier Dinge sind dafür wesentlich:
- Erstens eine rasche Revision der Europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR) mit dem Ziel, überbordende Bürokratie zu reduzieren.
- Zweitens eine einheitliche Regulierung von KI-gestützten Medizinprodukten in der EU – insbesondere die derzeitige Doppelregulierung durch die MDR und den AI Act ist zugunsten der MDR zu überarbeiten.
- Drittens eigene Vergütungswege für KI-gestützte und digitale Bildgebung im deutschen Gesundheitssystem, damit Innovationen in diesem Bereich nicht ausgebremst werden.
- Viertens eine weitere Stärkung bildgestützter Prävention und Früherkennung – gerade vor dem Hintergrund der geplanten Einsparungen im GKV-System –, um hohe Folgekosten für die Allgemeinheit zu verhindern.
Von der Entdeckung der Röntgenstrahlung bis zu KI-gestützten Therapien – die medizinische Bildgebung hat in 130 Jahren beispiellose Erfolge gefeiert. Zu Recht würdigt der Welttag der Radiologie am 8. November die Technologien: Die nächsten Innovationssprünge sind bereits in Vorbereitung.