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 - Infektionsschutz WHO: Aktualisierter globaler Aktionsplan zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen (GAP-AMR) 2026-2036

Der globale Aktionsplan der Weltgesundheitsorganisation (WHO)Externer Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab. zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen (GAP-AMR) 2026–2036 ist durch die Mitgliedstaaten in der 79. Weltgesundheitsversammlung (WHA79) verabschiedet worden. Dieser Aktionsplan setzt ein deutliches Signal: Antimikrobielle Resistenzen zählen zu den größten Herausforderungen für die globale Gesundheit und erfordern ein entschlossenes, koordiniertes Handeln auch innerhalb des Infektionsschutzes.

Artikel12.06.2026

© AdobeStock @Artyom Im Zentrum des neuen Aktionsplans steht der sogenannte One-Health-Ansatz, der die enge Verknüpfung verschiedener Aspekte wie menschliche Gesundheit, Tiergesundheit und Umwelt berücksichtigt. Besondere Bedeutung kommt dabei präventiven Maßnahmen zu – insbesondere Infektionsprävention und -kontrolle, Hygienemaßnahmen, Impfungen sowie einem verantwortungsvollen Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe.

Diese Schwerpunktsetzung unterstreicht eine zentrale Erkenntnis: Effektiver Infektionsschutz ist ein wesentlicher Baustein konsequenter Prävention. Wirksame Hygienemaßnahmen und strukturierte Infektionskontrolle tragen wesentlich dazu bei, Infektionen zu vermeiden und den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Damit wird Prävention zu einem entscheidenden Hebel im Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen, sei es stationär oder auch im ambulanten bzw. häuslichen Bereich.

Auch mit Blick auf Deutschland zeigt sich Handlungsbedarf. Zwar liegt der Anteil resistenter Erreger unter dem EU-Durchschnitt, bei der Inzidenz jedoch deutlich darüber. Dies ist insbesondere auf den häufigen Nachweis von Escherichia coli (E. coli). Da die Inzidenz auch die Anzahl nachgewiesener Erreger berücksichtigt, gilt sie als aussagekräftiger Indikator für die tatsächliche Belastung des Gesundheitswesens.

Vor diesem Hintergrund gewinnen Maßnahmen zur konsequenten Reduktion und zur Eindämmung resistenter Erreger weiter an Bedeutung. Dies betrifft alle Ebenen der öffentlichen Gesundheit ebenso wie die Patientenversorgung – insbesondere die Krankenhaushygiene, Maßnahmen des Antibiotic Stewardship sowie die gesamte Versorgungsstruktur.

Um diesen Herausforderungen wirksam zu begegnen, ist eine eigenständige, sektorenübergreifende Infektionsschutzstrategie für Deutschland erforderlich. Eine solche Strategie sollte insbesondere folgende Aspekte adressieren:

  • Stärkung und konsequente Umsetzung hoher Hygienestandards in medizinischen Einrichtungen und damit im stationären und ambulanten Umfeld sowie in der Pflege
  • Förderung des Einsatzes moderner Medizintechnologien zur Infektionsvermeidung
  • Systematische Priorisierung von Prävention im Allgemeinen und insbesondere auch der Infektionsprävention und -kontrolle sowie der und Patientensicherheit

Darüber hinaus bedarf es einer flächendeckenden Evaluation der Maßnahmen innerhalb der Versorgung sowie einer resilienten Ausgestaltung des Infektionsschutzes, die auch auf zukünftige Krisen und globale Veränderungen vorbereitet ist.

Der globale Aktionsplan liefert hierfür wichtige Impulse. Er sieht unter anderem den Ausbau von Infektionskontrolle, Wasser-, Sanitär- und Hygienestandards (WASH), Surveillance-Systemen sowie Innovationen vor. Internationale Zielsetzungen und nationale Strategien müssen dabei eng verzahnt werden, um eine effektive Umsetzung zu gewährleisten.

Die Dringlichkeit des Handelns wird durch aktuelle Zahlen untermauert: In Deutschland sterben jährlich mehr als 40.000 Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern, bei fast 10.000 dieser Fälle ist die Resistenz der Erreger die Ursache. Daten des Robert Koch-Instituts zeigen zudem eine besorgniserregende Entwicklung insbesondere bei gramnegativen Erregern wie E. coli und Klebsiella pneumoniae (K. pneumoniae), während bestehende Reduktionsziele teilweise nicht erreicht werden.

Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass antimikrobielle Resistenzen bereits heute eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem darstellen. Eine wirksame Eindämmung kann nur durch die konsequente Umsetzung zentraler Maßnahmen erreicht werden – darunter Antibiotic Stewardship, Krankenhaushygiene, Infektionsprävention und -kontrolle sowie Impfprogramme.

Der globale Aktionsplan der WHO sollte daher als Anlass genutzt werden, die nationale Infektionsschutzstrategie gezielt weiterzuentwickeln und konsequent auf Prävention auszurichten. Nur durch ein koordiniertes Zusammenwirken aller Akteure – von Politik und Gesundheitswesen bis hin zur Industrie – lässt sich die Wirksamkeit antimikrobieller Therapien langfristig sichern.

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