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 - Hygiene BVMed-HygieneImpulse: Vivantes-Expertin für Datentransparenz bei Infektionsschutz

Mehr Transparenz bei Daten zu Hygiene und Infektionsschutz forderte Prof. Dr. Irit Nachtigall, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin von Vivantes, im digitalen BVMed-Austauschformat „HygieneImpulse“ am 23. Juni 2026. „Vergleichen bei Hygienedaten ist Pflicht. Ohne Benchmark keine Standortbestimmung. Und ohne Standortbestimmung keine Verbesserung“, so Nachtigall. Aber: Transparenz sei anspruchsvoll. „Wichtig ist, die richtigen Indikatoren auszuwählen. Dazu gehören nicht nur Prozess-, sondern auch Ergebnis-Indikatoren“, so die Expertin. An dem Online-Format nahmen über 140 Personen aus Kliniken, Pflege, Hygiene und MedTech-Unternehmen teil.

PressemeldungBerlin, 25.06.2026, 49/26

Bild herunterladen Wenn eine medizinische Einrichtung nur die eigene Infektionsrate veröffentliche, sei dies eine Zahl ohne Bedeutung. Zur Einordnung gehöre der Vergleich: über Zeit und gegen andere. „Das macht aus Daten Information“, so Nachtigall. Als gute Referenzsysteme nannte sie das KISS-SystemExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab. (Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System) sowie international die Standardized Infection Ratio (SIR). Damit könne die eigene Leistung relativ zu einem Erwartungswert sichtbar gemacht werden.

Transparenz allein heile aber nicht. „Sie wirkt erst, wenn Rückmeldung, Verantwortlichkeit und Verbesserungsarbeit daran hängen“, betont die Expertin. So seien Infektions- und Verbrauchsraten in einer Klinik sehr abstrakt. „Was bewegt, ist die Konsequenz: der vermeidbare Schaden – und sein Preis.“

Sie formulierte fünf zugespitzte Thesen, um Fortschritte bei der öffentlichen Darstellung von Hygienedaten zu erzielen:

  1. Eine Klinik, die ihre Hygienedaten nicht öffentlich zeigt, sollte erklären müssen, warum nicht – nicht umgekehrt.
  2. Der „Fehler des Jahres“ gehört in jeden Qualitätsbericht. Wer nur Erfolge zeigt, ist unglaubwürdig.
  3. Jeder veröffentlichte Indikator braucht eine veröffentlichte Gegen-Kennzahl – sonst wird er manipuliert.
  4. Wir messen, was leicht zählbar ist, statt was zählt. Komplikationskosten gehören in den Bericht.
  5. Falsche Transparenz ist gefährlicher als keine – sie bestraft die, die die Schwerkranken behandeln.

Nachtigall plädierte für gemeinsame Indikator-Definitionen, also branchenweit abgestimmte Kennzahlen mit richtigem Nenner und Gegen-Kennzahl, sowie einen anonymisierten Benchmarking-Pool, der einen Vergleich gegen einen fairen Erwartungswert zur Standortbestimmung ermöglicht. Wichtig sei auch mehr Transparenz bei den Komplikationskosten. Vermeidbare Folgeschäden und ihre Kosten sollten eine neue, gemeinsam definierte Kennzahl-Familie bilden, erläuterte Nachtigall.

In der folgenden Diskussion brachten die Teilnehmenden ihre unterschiedlichen Perspektiven ein, die notwendig sind, um geeignete Indikatoren für die Darstellung von Hygienedaten festzulegen – auch unter Berücksichtigung des Datenschutzes. Einigkeit bestand darüber, dass es hierfür verbindliche Prozesse braucht, zumal Hygiene in den sich wandelnden Strukturen bislang noch zu wenig Beachtung finde.

Moderatorin und BVMed-Hygieneexpertin Miriam Rohloff abschließend: „Klar ist: Wir müssen Hygiene und Infektionsschutz in Deutschland stärken. Im Klinikalltag ist Infektionsschutz lebensrettend, denn bis zu einem Drittel der nosokomialen Infektionen gilt als vermeidbar. Dass auch die WHO in ihrem neuen Aktionsplan die zentrale Rolle von Hygiene und Infektionsprävention betont, bestätigt diesen Kurs. Das erreichen wir nur mit einem Bündel an Hygienemaßnahmen, der konsequenten Beachtung der RKI-Empfehlungen und den Anstrengungen aller Beteiligten.“

Zum BVMed-Format „HygieneImpulse“

Mit dem Online-Format „HygieneImpulse“ hat der BVMed neben dem jährlichen „Hygieneforum“ eine Plattform für den regelmäßigen Austausch zu aktuellen Fragen des Infektionsschutzes geschaffen. Einmal im Quartal greifen dabei Expert:innen praxisrelevante Themen auf und diskutieren gemeinsam mit den Teilnehmenden, welche Maßnahmen notwendig sind, um Hygiene und Patientensicherheit nachhaltig zu stärken. Denn: Jeder Mensch hat das Recht, vor nosokomialen Infektionen geschützt zu werden.

Der nächste HygieneImpuls findet am 29. September 2026 mit Marion Dorbath und Claudia Lupo vom Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte der KVen und der KBV statt. Programm und Anmeldungen jeweils unter www.bvmed.de/eventsExterner Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab..

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