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 - Infektionsschutz Hygiene und Infektionsschutz in der häuslichen Pflege: Unterschätzte Potenziale

Eine Studie zur Infektionsprävention in der Laienpflege des Zentrums für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD) der Medizinischen Fakultät Mannheim zeigt erhebliches Präventionspotenzial – und damit auch das Potenzial, Kosten erheblich zu senken.

ArtikelMannheim, 10.07.2026

Eine aktuelle Studie der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg (Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann) und der Thurn und Taxis Consulting AG, Köln (Prof. Dr. phil. Bernd Glazinski) hat erstmals systematisch den Zusammenhang zwischen Hygiene, Infektionsschutz und Kosten im häuslichen Pflegesetting in Deutschland analysiert.

Die Ergebnisse zeigen: Unzureichende Hygiene und Infektionsschutz in der häuslichen Pflege sind ein relevanter Risikofaktor für vermeidbare Infektionserkrankungen. Und sie verursachen jährlich direkte und indirekte Kosten in Milliardenhöhe. Gleichzeitig identifiziert die Studie Präventionspotenziale durch verbesserte Hygienemaßnahmen, Schulungen und strukturelle Unterstützung der Pflegenden.

Rund 4,9 Millionen pflegebedürftige Menschen werden in Deutschland zu Hause versorgt, überwiegend durch sogenannte informell Pflegende, das heißt durch Angehörige oder andere nahestehende Personen. Während für die professionelle Pflege – ob stationär oder ambulant – strenge Vorgaben nach dem Infektionsschutzgesetz Hygiene und Infektionsschutz sicherstellen sollen, gibt es in der häuslichen Pflege keine gesetzlichen Vorgaben, die Privatpersonen im Alltag vorschreiben, wie sie zu putzen oder zu pflegen haben.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Hygiene und Infektionsschutz im häuslichen Umfeld gibt es bislang kaum. Die vorliegende Untersuchung basiert auf einem Mixed-Methods-Ansatz, der quantitative Befragungsdaten, qualitative Interviews und Feldbeobachtungen kombiniert; ergänzt durch eine sogenannte indikative ökonomische Modellierung, ein Verfahren, das auf Basis angenommener Parameter Tendenzen, Szenarien oder Richtwerte für wirtschaftliche Zusammenhänge aufzeigt.

Die Studie zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Hygiene, Infektionsschutz und Gesundheit im häuslichen Setting komplex und von vielen Faktoren abhängig ist. So beeinflusst Hygiene neben direkten medizinischen Effekten beispielsweise auch psychosoziale Faktoren wie die Motivation und Mobilität der Pflegebedürftigen, wie auch die Stabilität der Pflegesituation insgesamt. Und auch strukturelle Defizite spielen eine Rolle, etwa in der Vermittlung von Informationen über Hygiene und Infektionsschutz, im Zugang zu unterstützenden Leistungen und der bedarfsgerechten Nutzung von Pflegehilfsmitteln.

Medizinische und ökonomische Auswirkungen

Hygiene dient dem Erhalt der Lebensqualität. Unzureichende Hygienestandards sind mit einem erhöhten Risiko für Pneumonie, Harnwegsinfektionen, Sepsis oder Dekubitus verbunden, die häufig einen Krankenhausaufenthalt notwendig machen. Oftmals verschlechtert eine Infektion die Pflegesituation dauerhaft, verbunden mit einem höheren Pflegegrad. Die direkten Kosten hygieneassoziierter Komplikationen schätzt die Studie konservativ auf rund 6,1 Milliarden Euro jährlich.

Hinzu kommen erhebliche indirekte volkswirtschaftliche Belastungen durch die Auswirkungen auf pflegende Angehörige, die häufig intensiv in die Versorgung eingebunden sind. Unter der Annahme, dass ein relevanter Anteil der pflegenden Angehörigen erwerbstätig ist und hygienebedingte Komplikationen zu zusätzlichen Fehlzeiten der Pflegenden führen, rechnet die Studie mit jährlich rund 12 Millionen Ausfalltagen. Auf Basis konservativer Modellannahmen resultieren daraus indirekte Kosten durch Produktivitätsverluste in Höhe von etwa 2,7 Milliarden Euro.

Implikationen für Prävention und Versorgung

Welche Schlüsse ziehen die Autoren aus den Ergebnissen ihrer Studie? „Wir sehen die Notwendigkeit eines erweiterten Verständnisses von Hygiene und Infektionsschutz, nach dem Hygiene nicht mehr nur als rein technische Maßnahme betrachtet wird“, sagt Professor Glazinski.

„Um häusliche Pflegearrangements zu stabilisieren und den Infektionsschutz zu verbessern, braucht es gezielte Interventionen, die deutlich über die reine Bereitstellung von Pflegehilfsmitteln hinausgehen“, ergänzt Professor Obermann vom Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD) der Medizinischen Fakultät Mannheim. „Niedrigschwellige Beratung im häuslichen Umfeld, verbesserte Schulungsangebote und ein erleichterter Zugang zu unterstützenden Versorgungsstrukturen tragen dazu bei, die Gesundheitskompetenz der Pflegenden, und damit die häusliche Versorgung zu verbessern.“

Quelle: Pressemeldung der Universitätsmedizin Mannheim vom 9. Juli 2026Externer Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.

Wissenschaftlicher Kontakt
Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann
Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD)
Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
Telefon: 0175 / 6393110
konrad.obermann(at)medma.uni-heidelberg.de

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Externer Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.Link zum vollständigen Studienbericht

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