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 - Adipositas Diabetes im Visier: DMP Adipositas soll Kilo purzeln lassen ÄrzteZeitung Online vom 5. September 2023

ArtikelBerlin

© AdobeStock @Africa Studio Voraussichtlich im Oktober will der Gemeinsame Bundesausschuss einen Beschluss zum Chronikerprogramm Adipositas fassen. Ärzte und Patienten sollten ihre Erwartungen daran nicht zu hoch schrauben, berichtet ÄrzteZeitung Online - und zitiert auch kritische Stimmen des BVMed.

„Die Adipositas“, überschrieb die AOK Nordost kürzlich eine Mitteilung zu ihrem neuen Gesundheitsatlas, „nimmt zu.“ In Berlin sei die Zahl entsprechender Diagnosen in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent, in Brandenburg um 40 Prozent gestiegen. Noch dramatischer fällt die Entwicklung laut Gesundheitskasse in Mecklenburg-Vorpommern aus. Dort ist inzwischen jeder siebte AOK-Versicherte stark übergewichtig – 53 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

Freilich: Es gibt große regionale Unterschiede. So sei im brandenburgischen Babelsberg-Nord „kaum jemand stark übergewichtig“, in Uebigau-Wahrenbrück gut jeder Dritte. Für Berlin stellt die Kasse fest, dass im „Kiez“ rund um die Immanuelkirchstraße im Prenzlauer Berg nur sechs Prozent der Versicherten stark übergewichtig seien – anders als im Ortsteil Oberspree in Treptow-Köpenick, wo es mehr als drei Mal so viele adipöse Versicherte gebe.

Das Thema gewinnt an Gewicht

Deutschland hat – wie andere Industriestaaten auch – ein zunehmend dickes Problem. Laut Daten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) sind rund 23 Prozent aller Männer und Frauen stark übergewichtig. Sie haben zu etwa 17 Prozent eine Adipositas Grad 1 mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 30 und 35, zu fünf Prozent eine Adipositas Grad 2 mit einem BMI zwischen 35 und 40 und zu zwei Prozent eine Adipositas Grad 3 mit einem BMI von über 40.

Als alarmierend wird zudem eingeschätzt, dass etwa sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen inzwischen an Adipositas erkrankt sind, Jugendliche häufiger als Kinder. Allerdings stammen die Zahlen von 2012. Neuere repräsentative Daten liegen nicht vor.

Laut Berechnungen der Universität Hamburg belaufen sich die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Adipositas in Deutschland auf rund 63 Milliarden Euro pro Jahr. Allein die direkten Kosten machten 29 Milliarden Euro aus, so die Forscher.

Risikofaktor für chronische Krankheiten

Adipositas sei wichtigster Risikofaktor für viele chronische Krankheiten, sagt AOK-Vorständin Daniela Teichert. Ansetzen will Teichert vor allem bei der Ernährung. „Die Bundesregierung ist aufgerufen, gegenzusteuern – und verbindliche Reduktionsziele für den Fett- und Zuckergehalt von Lebensmitteln zu verabschieden.“ Aber auch Betriebe, Kitas, Schulen und Kommunen seien gefordert, mehr zu tun, um Adipositas vorzubeugen.

Die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) wiederum sorgt sich um die Versorgung all derjenigen, die schon zu viele Pfunde auf den Rippen haben – und die die Kilos lieber heute als morgen loswerden möchten. „Nur ein Bruchteil der Betroffenen erhält aktuell eine Versorgung gemäß medizinisch-wissenschaftlicher Leitlinien“, schreibt die Adipositas-Gesellschaft (DAG) auf Anfrage. Ein Sprecher setzt hinzu: „Keine andere chronische Erkrankung, die so weit verbreitet ist und eine derart große Krankheitslast verursacht, ist dermaßen unterversorgt.“

Programm kommt leicht verspätet

Ändern soll das ein neues Chronikerprogramm für Erwachsene. Der Auftrag für das DMP Adipositas geht auf das im Sommer 2021 verabschiedete Gesundheitsversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz zurück. Die GroKo hatte dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) damals für einen Beschluss bis Ende Juli 2023 Zeit gegeben. Dass der Bundesausschuss die Frist reißt, stellt für Karin Maag, Unparteiisches Mitglied im G-BA, kein Problem dar. Sie halte das „angesichts des komplexen Themas für vertretbar“. Vorschnelle Entscheidungen in der Sache würden niemandem helfen.

Derzeit läuft das Stellungnahmeverfahren zum geplanten DMP. Die Stellungnahmen sollen anschließend ausgewertet werden, sodass der G-BA voraussichtlich im Oktober einen Beschluss fassen kann. Anhand der vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen ausgewerteten medizinischen Leitlinien hat der G-BA in seinem Beschluss unter anderem den Kreis der Versicherten festzulegen, die sich in das DMP einschreiben können. Kein leichtes Unterfangen.

Schnelle Erfolge? Wohl kaum!

Zu entscheiden hat das Gremium nämlich auch, ob Begleiterkrankungen dafür herangezogen werden können und welche diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen dem Programm zugrunde liegen sollen. Dasselbe gilt für Schulungsangebote für Patienten und den Einsatz digitaler Tools.

Ein DMP-Beschluss des G-BA bedeute freilich nicht, dass sich Patientinnen und Patienten sofort in das Programm einschreiben könnten, sagt Maag. Zunächst einmal müssten Krankenkassen, KVen und Krankenhäuser entsprechende Verträge vor Ort miteinander abschließen und diese dem Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) zur Genehmigung vorlegen. „Angesichts der konstruktiven Gespräche bei uns hoffe ich, dass dieses DMP schneller als andere in der Versorgung ankommt.“

Diese Hoffnung hegt auch der Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Professor Andreas Fritsche. Mit einem DMP erfahre Adipositas eine „Anerkennung als medizinische Erkrankung“, sagt der Tübinger Diabetologe. Komme das Programm zustande, sei dies ein „wichtiger Schritt, um die Behandlung dieser komplexen Erkrankung zu verbessern und Betroffenen eine gezieltere und effektivere Unterstützung zu bieten. „Durch eine koordinierte und interdisziplinäre Herangehensweise können die individuellen Bedürfnisse der Patienten besser berücksichtig sowie zielgerichtete Therapien und präventive Maßnahmen entwickelt werden.“

Schneller „Schlankmacher“ nicht in Sicht

Der Sprecher der Adipositas-Gesellschaft dämpft derweil die Erwartungen an schnelle Erfolge. „Unter anderem die Ernährungstherapie, die Verhaltenstherapie, die begleitende Arzneimitteltherapie und auch die Nachsorge nach einer chirurgischen Therapie können vorerst nicht im DMP Adipositas abgebildet werden.“ Die Rahmenbedingungen, vor allem die Leistungskataloge und Leistungsrichtlinien sowie der „Lifestyle-Paragraf“ ließen dies nicht zu.

Somit ist aus Sicht der Adipositas-Gesellschaft klar: „Bis die Anerkennung der Adipositas als chronische Erkrankung in der Versorgungsrealität gelebt wird und Betroffene Anspruch auf interdisziplinäre Versorgung erhalten, ist es noch ein langer Weg.“

Die Erwartung also, der Arzt oder die Ärztin könne mit dem neuen DMP dem Patienten mal eben einen „Schlankmacher“ verordnen, wird sich wohl kaum erfüllen. Von einem „ersten Schritt“ sprechen auch Medizinproduktehersteller. „Bei der bariatrischen Chirurgie schneidet Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor schlecht ab, da der Therapiezugang immer noch von den Krankenkassen behindert wird“, sagt BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Die Politik sei aufgerufen, bei Prävention und Therapie der Adipositas nachzubessern.

„Nur eine zusätzliche Belastung“

Gegen die Einführung eines DMP Adipositas spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) aus. Das Programm bedeute lediglich eine weitere Belastung der Hausarztpraxen, wendet die DEGAM in einem Positionspapier ein. Auch fehle es an wissenschaftlicher Evidenz für fundierte Therapieoptionen bei Adipositas. „Eine Therapie, die alleine auf das individuelle Verhalten abzielt, greift zu kurz, da auch die Verhältnisse berücksichtigt werden müssen.“

Außerdem gelte es, die Autonomie der Entscheidung und die aktuelle Lebenssituation der Patienten zu würdigen, betont die DEGAM um Präsident Professor Martin Scherer. Nur so komme eine nachhaltige Adipositas-Therapie zustande. Die „klare Verantwortung“ dafür liege in der Primärarztversorgung und nicht in einem wie auch immer gearteten DMP. Statt einzelne Symptome zu behandeln, sei ein holistischer Ansatz in der Prävention zu wählen – dafür seien Hausärzte die richtigen Ansprechpartner.

Wie auch immer es ausgeht mit dem Adipositas-DMP: Eine gesetzliche Verpflichtung zum Abschluss der Programme durch Kassen und Ärzte gibt es nicht. Das lässt viele DMP etwa zu chronischem Rückenschmerz oder Depressionen im vertraglichen Niemandsland schmoren. Immerhin: In Schleswig-Holstein geht dieser Tage ein neues DMP Osteoporose an den Start.

Quelle: ÄrzteZeitung Online vom 5. September 2023Externer Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.

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