Körperstolz

Patientengeschichte Willibald Panzer

Willibald Panzer (61) ist begeisterter Sportler. Im Jahr 2010 verletzte er sich beim Beachvolleyball an der linken Schulter. Nachdem die Schmerzen unerträglich wurden, entschied sich Willibald für ein künstliches Schultergelenk. Durch die Operation und die anschließende Reha konnte die Beweglichkeit der Schulter vollständig wiederhergestellt werden. Seitdem ist Willibald wieder schmerzfrei und sportlich aktiv. „Es ist ein Wunder“, sagt er selbst. Mit seiner Erfahrung möchte er nun „Menschen helfen, die vor der Entscheidung einer OP stehen“. Daher freut er sich, die Kampagne „Körperstolz“ zu unterstützen.

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Motiv Schultergelenkprothese
Motiv und Interview als Broschüre (pdf-Download)

Herr Panzer, was ist Ihnen im Leben wichtig?

Meine Familie, die Freude an der Natur und eine gesunde Lebensweise. Das sind Sachen, die mir viel bedeuten.

Der Sport spielt bei Ihnen ebenfalls eine große Rolle. Ihre Schulterverletzung und die anschließende OP waren sicher einschneidende Erlebnisse.

Ich war schon immer sportlich. Mir ist es einfach wichtig, einen gesunden Körper zu haben und etwas dafür zu tun. Bei den Sportarten, die ich am liebsten treibe – Mountainbiking, Rennradfahren, auf Skitouren gehen oder Skilanglauf im Skatingstil – hatte ich nach der OP meine Bedenken. Speziell das Skilanglaufen im Skatingstil habe ich zunächst komplett sein lassen. Letzten Dezember habe ich aber wieder begonnen und es hat super funktioniert. Dass es so gut klappt, hätte ich nie für möglich gehalten. Wirkliche Einschränkungen habe ich jetzt nur bei wenigen Dingen: Spontan fallen mir da Volleyball, Basketball und Handball ein. Das hätte ich aber sowieso aufgrund meines Alters eingeschränkt. Sonst gibt es nichts, was ich nicht machen kann und gerne machen möchte.

Dann erzählen Sie uns über den Verlauf Ihrer Schultererkrankung. Wie kam es dazu?

Alles begann 2010 mit einer Verletzung beim Beachvolleyball. Damals dachte ich, sie sei nicht so gravierend und ließ mich deswegen nicht untersuchen. Erst zwei Jahre später – ich schüttle im Nachhinein immer wieder den Kopf – ging ich zum Arzt, weil die Einschränkungen in der Bewegung immer größer und die Schmerzen nahezu unerträglich wurden. Bis dahin hatte ich mich mit Schmerzmitteln und Salben versorgt. Aus den Röntgenbildern und dem CT ging hervor, dass das Gelenk sich verschoben und die Entzündungsflüssigkeit eine Arthrose verursacht hatte. Mein Arzt riet mir zu einer Schultergelenkprothese.

Wie haben Sie auf die Diagnose reagiert?

Ich war schockiert, denn ich dachte, die Beschwerden hätten mit Bändern und Muskeln zu tun. Ich hatte es anfangs schwer, mich mit dem Gedanken an eine Operation anzufreunden. Zu dem Zeitpunkt war ich 55 Jahre alt. Das ist normalerweise nicht das Alter, in dem man eine Prothese eingebaut bekommt. Zunächst wurde ich 30 Monate mit einer Gelenkspritzenkur behandelt. Der Schmerz war dadurch zwar weg, aber die kaputte Schulter war immer noch da. Dann stellte mein Arzt fest, dass sich der Muskel immer mehr zurückbildete. Ich versuchte, durch gezielte Übungen im Fitnessstudio den Muskel wiederaufzubauen. Das ging allerdings immer schlechter, schließlich konnte ich aufgrund der Schmerzen keine Übungen mehr machen. 2014 bestätigte auch eine zweite ärztliche Meinung, dass irgendwann kein Weg an einem künstlichen Gelenk vorbeiführt.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzung auf Ihren Alltag?

Schlimm waren vor allem die Schmerzen in der Nacht. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen. Auf meine sportlichen Aktivitäten musste ich fast komplett verzichten. Das Einzige, was ich noch machen konnte, war Rennradfahren, denn da ist die Schulterbewegung nicht so ausgeprägt.

War der Schritt zur OP eine schwere Entscheidung oder eher eine Erleichterung?

Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem es nicht mehr ging. Je länger man noch gewartet hätte, desto weiter hätte sich die Knochensubstanz abgenutzt und die Heilungschancen wären entsprechend gesunken. Aber schwer war die Entscheidung dennoch. Denn wenn die Prothese nicht funktioniert, kann man es nicht mehr rückgängig machen. Daher dachte ich: Vielleicht lebe ich mit dem Schmerz und den Beeinträchtigungen jetzt besser als später mit der Prothese. Mein Arzt gab mir dann die Telefonnummer eines Patienten in meinem Alter, der sportlich auch sehr aktiv war und schon eine Schulter-OP hinter sich hatte. Seine positive Erzählung hat mir wieder Auftrieb gegeben.

Wie wichtig ist in solchen Situationen der Austausch mit anderen Betroffenen?

Der Austausch ist sehr wichtig. Mit meinem Einverständnis gibt mein Arzt auch meine Telefonnummer weiter und ich erzähle anderen Patienten gern von meiner Erfahrung. Das ist auch der Grund, warum ich an der Kampagne „Körperstolz“ teilnehme. Ich möchte Menschen mit einem ähnlichen Schicksal Mut machen. Man muss natürlich immer darauf hinweisen, dass jeder anatomisch anders veranlagt ist und es nicht immer so gut ausgehen kann, wie es bei mir der Fall war.

Für welche OP-Methode hat man sich bei Ihnen entschieden?

Es kommt immer darauf an, wie gut Knochensubstanz und Rotatorenmanschette erhalten sind. Letztere war bei mir in sehr gutem Zustand, daher konnte das künstliche Gelenk mit einer Kralle befestigt werden. Ansonsten wird ein Stift verwendet. Dieser ist natürlich länger, wodurch mehr Knochenmasse verloren geht. Bei der Kralle hat man den Vorteil, dass beispielsweise bei einem Unfall immer noch der Stift eingesetzt werden könnte. Die Technik und das OP-Verfahren haben sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Es werden 3D-Modelle gefertigt und dann winkelgenau eingebaut. Ich persönlich habe von diesen Fortschritten schon profitiert und das wird in den nächsten Jahren sicher noch besser werden.
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Spüren Sie denn die Prothese? Ist der Arm dadurch schwerer?

Nein, ich spüre die Prothese überhaupt nicht und die Schulter fühlt sich jetzt ganz normal an. Bei den Dehnungsübungen merke ich noch minimale Unterschiede, aber die gehen gerade durch diese Übungen zurück. Die Prothese ist auch sehr leicht, sie besteht – soweit ich weiß – überwiegend aus Titan. Halten soll sie circa 15 Jahre – je nachdem, wie sehr ich das Gelenk beanspruche.

Mussten Sie nach der Operation lange ruhen?

Nein, die Schulter kann man schnell wieder bewegen – schon zwei oder drei Tage nach der OP. Aber die Reha ist intensiv. Sechs Monate lang habe ich konsequent Krankengymnastik und Kräftigungsübungen gemacht – das hat sich ausgezahlt. Ich wurde im Oktober 2015 operiert, im März 2016 habe ich schon wieder Sport getrieben.

Ihr trainierter Körper hat das bestimmt vereinfacht, oder?

Ja, weil die Muskulatur für das gesamte Schultergelenk sehr wichtig ist. Und diese Muskulatur war bei mir schon vor der Operation stark ausgeprägt. Wäre es nicht so gewesen, würde das heute nicht so gut funktionieren.

Woraus haben Sie die Motivation für die Reha geschöpft?

Die Fortschritte haben mich sehr motiviert und ich wollte ja möglichst lange aktiv bleiben. Schließlich habe ich die Berge direkt vor der Haustür. Außerdem war ich das Trainieren gewohnt, auch wenn es diesmal ein etwas anderes Trainieren war.

Was hat Sie zur Teilnahme an der Kampagne „Körperstolz“ bewogen?

Mein Arzt hat mich auf die Kampagne aufmerksam gemacht und mich angeregt, daran teilzunehmen. Ich dachte: Warum nicht? Durch meine Teilnahme kann ich hoffentlich Menschen helfen, die selber vor der Entscheidung stehen. Kürzlich wurde ich außerdem zu einer Fachkonferenz eingeladen, um dort vor Publikum Fragen zu beantworten. Ich mache so etwas gerne. Man kann den Menschen helfen und ihnen die Angst nehmen. Es ist wichtig, dass es solche Möglichkeiten gibt.
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Gibt es einen bestimmten Rat, den Sie vergeben würden?

Der Medizin zu vertrauen und vor allem schneller zum Arzt zu gehen als ich es getan habe. Eine zweite Meinung würde ich auch immer einholen. Die Operation ist ein großer Eingriff, die Entscheidung muss im Vorfeld genau abgewogen werden. Aber Angst vor der OP sollte man nicht haben.

Wie würden Sie den Satz beenden: „Ich bin stolz auf meinen Körper, weil...“

Ich bin stolz darauf, dass ich in meinem Leben durch kontinuierliches Training beste Voraussetzungen geschaffen habe, um auch einen solchen Eingriff optimal zu überstehen. Ein gesunder Körperbau war eine gute Voraussetzung für die OP und dafür, dass ich im Alltag und in meinen sportlichen Aktivitäten schnell wieder auf dem vorherigen Level war.
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