Gelenkersatz

Endoprothesen­register zeigt Versorgungs­unterschiede auf

Im vergangenen Jahr sind 306.272 Hüft- und Knieerstimplantationen beim Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) erfasst worden. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht des EPRD hervor. Die Zahl aller dokumentierten Knieeingriffe liegt demnach acht Prozent unter den Vergleichswerten vor der Pandemie, bei den Hüfteingriffen sank die Zahl um knapp ein Prozent.

Bis einschließlich 2019 waren die jährlichen Lieferungen der Datensätze aus den Kliniken kontinuierlich an­gewachsen. Bedingt durch die Coronapandemie waren es 2020 jedoch weniger. Obwohl die Dokumenta­tionen im vergangenen Jahr wieder um fast vier Prozent zulegten, bewegen sie sich nach Angaben des Registers noch immer unter denen des letzten präpandemischen Jahrs 2019.

„Das Engagement der im EPRD teilnehmenden Kliniken ist erfreulicherweise allen Krisen zum Trotz ungebro­chen“, sagte Andreas Hey, Geschäftsführer der EPRD gGmbH. Die Anzahl der datenliefernden Kliniken sei von 2012 bis 2021 stetig angestiegen und habe Ende 2021 bei 747 gelegen.

Erstmals in diesem Jahr werden im EPRD-Jahresbericht die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Kliniken bei hüft- und knieendoprothetischen Eingriffen dargestellt. Beispielsweise machten Kurzschaft- und Schenkel­hals­­prothesen zusammen etwa 13 Prozent der Versorgungen aus. In 32 Krankenhäusern wurden diese Schaft­typen im vergangenen Jahr jedoch bei mehr als der Hälfte der Operationen eingesetzt, in einem der Häuser sogar in 92 Prozent der vorgenommenen Eingriffe.

Das Gros der Krankenhäuser wählte bei Knietotalendoprothesen in den allermeisten Fällen die Vollzementie­rung. 190 Kliniken implantierten sogar ausschließlich vollzementiert, 81 weitere Kliniken in mehr als 90 Pro­zent der Fälle. Es gibt aber auch 14 Kliniken, in denen andere Verankerungsarten überwogen: zwölf von ih­nen setzten auf hybride Verankerung, zwei auf komplett zementfreie Implantationen von Knietotalendopro­thesen.

Nach Angaben des Register zählt der Einsatz von Kurzschäften zu den Trends der Versorgung mit Hüftendo­­prot­­hesen. Sie werden inzwischen in zwölf Prozent aller Hüfterstimplantationen verwendet. Zum Vergleich: 2015 lag dieser Anteil nur bei sechs Prozent. Kurzschaftprothesen werden besonders bei jüngeren und gesün­deren Patienten eingesetzt, um so viel Knochensubstanz wie möglich zu erhalten.

Ebenso beständig ist der Trend zu größeren Kopfkomponenten. 36-mm-Köpfe wurden in rund 44 Prozent der Fälle eingesetzt, ein Plus von etwa drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals seit Registerbestehen wur­den damit 32-mm-Köpfe in weniger als der Hälfte der primären HTEP-Operationen verwendet. Zum Vergleich: 2014 kamen sie noch bei 61 Prozent der Eingriffe zum Einsatz.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt Online vom 31. Oktober 2022
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Weltweit drittgrößtes Endoprothesenregister Deutschland zieht erfolgreiche 10-Jahres-Bilanz

    Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) warnt davor, beim Aufbau des Implantateregisters Deutschland auf das Know-how und den Datenschatz des EPRD zu verzichten. Planungen des Bundesgesundheitsministeriums zufolge soll ein neues Implantateregister mit eigener Behörde geschaffen werden. Das EPRD ist vor zehn Jahren in seinen Probebetrieb gestartet. Auf Initiative der DGOOC gemeinsam mit Kliniken, dem AOK-Bundesverband und dem Verband der Ersatzkassen (vdek) sowie dem BVMed ist innerhalb kürzester Zeit Europas zweitgrößtes medizinisches Register für Hüft- und Knieendoprothetik entstanden. Mehr

  • 10 Jahre EPRD als „gemeinsame Erfolgsgeschichte“ | BVMed: „Gesetzliches Implantateregister muss weiterhin den gesamten Versorgungsprozess abdecken“

    Das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) sorgt seit zehn Jahren für Daten und Auswertungen zur Versorgungsqualität beim Gelenkersatz. „Das EPRD ist eine gemeinsame Erfolgsgeschichte von Medizin, Herstellern und Krankenkassen zum Wohle der Patient:innen“, so BVMed-Vorstandsmitglied Marc D. Michel auf der Pressekonferenz zum Jubiläum in Berlin. „Wir messen dabei nicht nur die Sicherheit des Implantats, sondern auch die Performance der Versorgung im Zeitverlauf. Das muss unbedingt auch beim anstehenden gesetzlichen Implantateregister so sein“, forderte Michel. Zudem sei es künftig erforderlich, den Herstellern die umfassenden Registerergebnisse zur Verfügung zu stellen, um die Verpflichtung aus der neuen EU-Medizinprodukt-Verordnung (MDR) nach klinischen Daten erfüllen zu können und Erkenntnisse für Weiterentwicklungen zu gewinnen. Mehr

  • Orthopäden und Unfallchirurgen | Patient:innen endlich wieder ganz in den Mittelpunkt stellen

    Unter dem Motto „Mit Begeisterung für unsere Patienten“ fand vom 25. bis 28. Oktober 2022 der Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin statt. Der DKOU gilt mit rund 10.000 Teilnehmer:innen als bedeutendster Kongress des Fachs in Europa. Sorge macht Orthopäden und Unfallchirurgen auch die EU-Medizinprodukteverordnung MDR. Denn: Ihre hohen, für neue Produkte sinnvollen Anforderungen gelten auch für Bestandsprodukte, die seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt werden, sodass die Hersteller zu Re-Zertifizierungsverfahren gezwungen werden. Da für viele Unternehmen der Aufwand der Re-Zertifizierung jedoch in keinem Verhältnis zum Verkaufserlös älterer Produkte steht, ziehen sich die Unternehmen zurück, erste Produkte sind bereits nicht mehr verfügbar. „Bewährte Endoprothesen und andere Produkte sind bereits dabei, vom Markt zu verschwinden“, warnt Prof. Dr. Andreas M. Halder. Mehr


©1999 - 2023 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik