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 - Gelenkersatz bewegt Jürgen Grasmück: Mit individuellem Gelenkersatz zurück im aktiven Leben

Artikel23.12.2018

© privat Wenn die Hüfte schmerzt, werden Laufen und Sitzen zur unerträglichen Qual. Ein künstliches Hüftgelenk stellt die einstige Beweglichkeit wieder her und verbessert die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Rund 230.000 solcher Hüftendoprothesen werden in Deutschland jährlich operiert – eines davon bei Dr. Jürgen Grasmück.

„Vor der OP hatte ich wegen den Schmerzen praktisch keine Freizeitaktivitäten mehr. Bei der Arbeit habe ich alles im Sitzen erledigt. Laufen konnte ich noch maximal 200 Meter.“ Jürgen Grasmück erzählt von seiner Zeit vor dem Einsatz des künstlichen Hüftgelenks. Selbst beim Liegen oder Sitzen hatte der 52-Jährige damals Schmerzen. „Ich habe praktisch nur noch auf dem rechten Bein gestanden und die schmerzhafte linke Seite überhaupt nicht mehr belastet. Beim Gehen habe ich gehinkt. Durch die völlig krumme Haltung habe ich zusätzlich Probleme im Rücken und in den Schultern bekommen.“

Am Ende ging es einfach nicht mehr

© privat Die Schmerzen in der linken Hüfte hatten mehrere Jahre zuvor schleichend begonnen. Sie zeigten sich zunächst nur nach längerer Belastung und klangen rasch wieder ab. „Ich spiele leidenschaftlich gerne Tennis und bin damals regelmäßig Halbmarathons gelaufen. Aber irgendwann hatte ich nach jedem Spiel, nach jeder Laufrunde Schmerzen.“

Jürgen Grasmück ist selbst Orthopäde und ahnt rasch, was die Ursache ist. 2014 lässt er die Hüfte röntgen und eine Kernspintomographie machen, um Gewissheit zu erhalten. „Ich habe ja im Prinzip schon erwartet, was ich dort sehe“, erinnert er sich. „Mit den Bildern hatte ich es schwarz auf weiß. Und es sah nicht so gut aus.“ Die Diagnose: Knorpelschwund und Arthrose – typische Abnutzungserscheinungen, wie sie bei vielen Menschen früher oder später auftreten.

© privat In Absprache mit seinen Ärzten entscheidet sich Grasmück 2015 zunächst für eine kleinere Operation. Dabei wird das Gelenk arthroskopiert, störende Anteile der Arthrose werden entfernt und der Knorpel rekonstruiert. „Die Hoffnung war, die Schmerzen für ein paar Jahre zu lindern und das Gelenk noch länger erhalten zu können“, erläutert Grasmück.

Die Operation hilft, die Schmerzen sind zunächst weg. „Es war anfangs sehr gut, das hielt so ein dreiviertel Jahr.“ Dann kamen die Schmerzen wieder. „Eigentlich hatten wir gehofft, dass es länger hält, fünf Jahre waren die Erwartung.“ Aber der neue Knorpel war nicht gut angewachsen, die Schmerzen kamen zurück und wurden immer heftiger. Ab 2016 waren sie praktisch jeden Monat stärker zu spüren, berichtet Grasmück. „Am Ende ging einfach gar nichts mehr.“ Das war Ende 2017, als letztlich die Entscheidung für eine Hüftprothese fiel.

Individueller Gelenkersatz gegen die Schmerzen

© privat Im April 2018 fand die helfende Operation statt, bei der das linke Hüftgelenk durch ein künstliches Gelenk ersetzt wurde. Mehr als 230.000 Patienten erhalten jedes Jahr hierzulande ein künstliches Hüftgelenk. Es besteht aus einem Hüftschaft, der im Oberschenkelknochen verankert wird, dem Hüftkopf, einem Inlay und der Gelenkpfanne als Gleitpaarung. Die einzelnen Bestandteile sind beispielsweise aus Metall, Kunststoff oder Keramik.

Bei Jürgen Grasmück kam eine Besonderheit hinzu, denn er hat von Geburt an eine sogenannte Hüftdysplasie. Diese angeborene Fehlstellung der Hüfte betrifft etwa 2 bis 3 Prozent aller Neugeborenen. Frühzeitig erkannt, kann sie meist behoben werden, weshalb in Deutschland Babys heute routinemäßig darauf gecheckt werden. „Den Ultraschall bei Babys gab es zu meiner Zeit aber noch nicht“, sagt Grasmück.

Die Hüftdysplasie beschleunigte bei Jürgen Grasmück zum einen die Abnutzung des Gelenks. Zum anderen war es aufgrund der Fehlstellung nötig, den Gelenkersatz mit einer Individualprothese und einer keramischen Gleitpaarung individuell anzufertigen, um die besondere Stellung des Gelenks zu erhalten. Ein Patienten-individueller Hüftschaft wird in einem aufwendigen Prozess einzig für einen bestimmten Patienten geplant und produziert. Dafür wird zunächst ein CT-Scan des Patienten angefertigt, aus dem die Ingenieure eine dreidimensionale Rekonstruktion der Hüftanatomie des Patienten vornehmen und schließlich eine für den Patienten passenden individuellen Hüftschaft planen.

Nur so konnten die Ärzte bei Jürgen Grasmück sicherstellen, dass die Muskulatur rund um das Hüftgelenk nach der OP in der gleichen Weise arbeiten kann wie zuvor. Mit einem Gelenkersatz „von der Stange“ wäre das nicht möglich gewesen. Durch die Individualprothese konnte Jürgen Grasmück mit der bestmöglichen Versorgung ausgestattet werden, da er noch jung und sportlich sehr aktiv ist. Dazu gehört insbesondere eine Keramik-Gleitpaarung, die am abriebärmsten ist und für die keine allergische Reaktionen bekannt sind. Keramik ist damit besonders für aktive Patienten wie Jürgen Grasmück geeignet.

Zurück im aktiven Leben

Der rund einstündige Eingriff hat sich für Jürgen Grasmück gelohnt. Bereits am Tag der OP kann er wieder erste Schritte gehen, noch unter starken Schmerzmitteln. Vier Wochen später läuft er wie zuvor, ohne Schmerzmittel – und ohne Schmerzen. „Es ist unglaublich toll, diese Beschwerden nicht mehr zu haben. Und dabei auch nicht zu merken, dass da ein künstliches Gelenk ist.“

© privat Zum Erfolg beigetragen hat neben dem hochwertigen Implantat und der gut durchgeführten Operation auch eine vierwöchige Reha, die Grasmück direkt im Anschluss machte. Dort wurden gezielt der Muskelaufbau, die Koordination und das Laufen mit dem künstlichen Gelenk trainiert. Anderen Patienten empfiehlt er, auf solch eine Reha in keinem Fall zu verzichten. „Hier lernt man wieder die normalen Bewegungsabläufe und kann wirklich noch etwas dazulernen“, erklärt er. „Man sollte aber gut auswählen, wo man hingeht. Wichtig ist zum Beispiel, dass viele Einzelanwendungen gemacht werden. Und die Rehaklinik sollte natürlich viele Patienten mit künstlichen Gelenken behandeln und eine entsprechende Spezialisierung haben.“

Jürgen Grasmück hat weitere Tipps für Patienten in ähnlicher Lage. Nicht zu lange zu warten etwa, ist einer davon. „Es muss nicht sein, dass die Lebensqualität leidet“, sagt er. Wichtig ist aus seiner Sicht zudem die Wahl des Arztes, der die Operation durchführt. „Man muss selbst einen guten Eindruck haben, ein gutes Gefühl. Und idealerweise spricht man mit anderen Leuten, die einen erfahrenen und routinierten Operateur kennen und ihn empfehlen.“

Mittlerweile ist Jürgen Grasmück wieder voll im Leben zurück. „Ich bin viel aktiver geworden“, berichtet er begeistert. „Ich kann wieder spazieren gehen, ich kann wieder Sport machen. Ich traue mich wieder, in die Stadt zu laufen, anstatt das Auto zu nehmen.“

Ein künstliches Gelenk hält bei adäquatem Verhalten des Patienten rund 15 bis 20 Jahre – gute Aussichten für den Patienten Grasmück. Und ein Ziel für das kommende Jahr hat er auch schon: „Im Sommer will ich wieder regelmäßig Sport treiben.“

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