Cookie-Einstellungen

Zur fortlaufenden Verbesserung unserer Angebote nutzen wir den Webanalysedienst matomo.

Dazu werden Cookies auf Ihrem Endgerät gespeichert, was uns eine Analyse der Benutzung unserer Webseite durch Sie ermöglicht. Die so erhobenen Informationen werden pseudonymisiert, ausschließlich auf unserem Server gespeichert und nicht mit anderen von uns erhobenen Daten zusammengeführt - so kann eine direkte Personenbeziehbarkeit ausgeschlossen werden. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit über einen Klick auf "Cookies" im Seitenfuß widerrufen.

Weitere Informationen dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

 - ICD Herzinsuffizienz: Patienten weiter durch Defibrillator geschützt DÄ Online vom 18. April 2023

ArtikelMannheim, 19.04.2023

© AdobeStock @peterschreiber.media Die Behandlungsfortschritte der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass immer weniger Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz an einem plötzlichen Herztod sterben. Die Notwendigkeit eines implantierbaren Cardioverter-Defibrillator (ICD) wird deshalb zunehmend infrage gestellt. Zu Unrecht, warnte ein Experte auf der 89. Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim, berichtet das Deutsche Ärzteblatt.

Die therapeutischen Möglichkeiten der Herzinsuffizienz haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verbes­sert. Die derzeit empfohlenen Medikamente einschließlich ACE-Hemmer, Sartane, Betablocker, Aldosteron­an­tago­nisten und zuletzt Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI) und Gliflozine (SGLT-2-Hemmer) haben die Prognose der Patienten soweit gebessert, dass der Nutzen eines zusätzlichen ICD infrage gestellt wird.

Diese Ansicht gründet sich auf einer 2017 von dem schottischen Kardiologen John McMurray im New England Journal of Medicine (2017; DOI: 10.1056/NEJMoa1609758) publizierten Analyse, nach der die Häufigkeit eines plötzlichen Herztods zwischen 1995 und 2014 kontinuierlich zurückgegangen ist. Waren in der RALES-Studie von 1995-98 noch 2,4 % der Patienten in den ersten 90 Tagen an einem plötzlichen Herztod gestorben, betrug die Rate in der PARADIGM-HF-Studie von 2009/14 nur noch 1 %. McMurray stellte die Frage, ob die hohen Kosten für den ICD noch gerechtfertigt sind, zumal der Trend zu weni­ger Todesfällen am plötzlichen Herztod offenbar anhalte, wie eine von McMurray publizierte Grafik suggeriert.

Carsten Israel vom Evangelischen Klinikum Bethel bezweifelt nicht, dass sich die Prognose der Patienten verbessert hat. Den von McMurray errechneten Trend sieht der Chefkardiologe der Klinik jedoch kritisch. So habe es in der RALES-Studie einen deutlichen höheren Anteil an Patienten in den NYHA-Stadium III (ca. 70 %) und IV (ca. 30 %) gegeben als in der PARADIGM-HF-Studie, in der nur 25 % ein NYHA-Stadium III hatten und keiner im Stadium IV war. Da mit dem Schweregrad der Herzinsuffizienz das Risiko auf einen plötzlichen Herztod steige, seien die beiden Studien nur begrenzt miteinander vergleichbar, so Israel.

Plötzlicher Herztod kein seltenes Ereignis

Die Vorhersage, dass das Risiko auf einen plötzlichen Herztod pro Jahrzehnt um 1,2 % sinke, bis es irgend­wann so niedrig sei, dass man es vernachlässigen könne, kann Carsten Israel nicht nachvollziehen. Auch die zuletzt berichtete jährliche Mortalitätsrate von 2,7 % bedeute nicht, dass ein plötzlicher Herztod zu einem seltenen Ereignis geworden ist. „2,7% pro Jahr klingt nicht niedrig, tatsächlich ist der Wert aber extrem hoch“, betonte Israel. Denn ab einem Prozentsatz von 1,2 pro Jahr spreche man von einem hohen Risiko.

Der plötzliche Herztod infolge einer schweren Herzinsuffizienz sei heute noch immer eine der häufigsten Todesursachen überhaupt. Dass der plötzliche Herztod sukzessive seltener wird, bezeichnet der Kardiologe als Mythos.

Israel weist darauf hin, dass auch bei einem niedrigen Ausgangsrisiko ein Cardioverter-Defibrillator (ICD) das Sterberisiko weiter senken kann. Dies zeigte sich auch in einer Analyse der PARADIGM-HF-Studie, die ein Forscherteam (zu dem auch McMurray gehörte) in JACC: Heart Failure (2020; DOI: 10.1016/j.jchf.2020.06.015) publiziert hatte.

ICD-Träger sterben seltener am plötzlichen Herztod

Von den 7.145 Teilnehmenden der Studie, bei denen ein ICD indiziert war – die Fachgesellschaften empfehlen ihn bei einem Abfall der Pumpleistung (LVEF) auf unter 35 % –hatten nur 1.243 auch tatsächlich einen ICD erhalten. In einer Propensity-Analyse, die nur Patienten mit gleichen Eigenschaften gegenüberstellt, waren die ICD-Träger zu 56 % seltener an einem plötzlichen Herztod gestorben.

Den Einwand, dass ein ICD nicht ohne Risiken sei – bei der Implantation kann es zu Infektionen und später zu Kabelbrüchen kommen – lässt Dr. Israel nicht gelten. Das jährliche Risiko auf eine der beiden Komplikationen liege jeweils bei etwa 1 % und das Risiko, dass eine der beiden Komplikationen tödlich verlaufe, nur bei ca. 0,1 %. Dieses Risiko sei deutlich geringer als die Gefahr, dass die Patienten ohne ICD an einem plötzlichen Herztod sterben.

Die fehlerhafte Einschätzung von Nutzen und Risiken ist nach Ansicht von Israel mit dafür verantwort­lich, dass auch in Deutschland, wo europaweit die meisten ICD implantiert werden, weiterhin viele Patienten mit einer Herzinsuffizienz keinen ICD erhalten, auch wenn dies nach den Leitlinien eigentlich indiziert wäre.

„Ein Großteil der Herzinsuffizienz-Patientinnen und Patienten, die von einem Defibrillator profitieren würden, bekommen ihn nicht implantiert, weil die Wahrnehmung des Themas aktuell so fehlerhaft ist“, warnte Israel bei der Kongress-Pressekonferenz.

Medikamentöse Behandlung und ICDs sind keine Konkurrenten, erklärte der Kardiologe. Es seien vielmehr zwei Therapien, die sich gegenseitig ergänzen, weshalb für viele Patienten die Kombination der beiden Therapien die beste Wahl sei, um die Patienten möglichst lange am Leben zu halten.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt Online vom 18. April 2023Externer Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.

Service

News abonnieren

Sie möchten auf dem Laufenden bleiben?
Abonnieren Sie unsere kostenlosen Newsletter, E-Mail-Alerts zu unseren Themen oder Pressemeldungen.

Jetzt abonnieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    Positiver Trend: AOK-Gesundheitsatlas zeigt anhaltenden Rückgang bei Herzerkrankungen

    Eine aktuelle AOK-Datenauswertung zeigt einen anhaltenden Rückgang bei der Zahl der herzkranken Menschen in Deutschland. So sank der Anteil der Menschen ab 30 Jahren mit einer Koronaren Herzerkrankung (KHK) von 2017 bis 2022 um knapp acht Prozent. Bei den Erkrankungen Diabetes mellitus Typ 2 und Bluthochdruck sind dagegen Anstiege zu verzeichnen.

    Artikel09.04.2024

    Mehr lesen
  • Aortenklappen­ersatz mit TAVI

    Neue Studie
    Kathetergestützter (TAVI) und chirurgischer Aortenklappenersatz ebenbürtig

    Der kathetergestützte Aortenklappenersatz (TAVI) ist dem chirurgischen Aortenklappenersatz auch bei jüngeren Niedrigrisikopatient:innen ebenbürtig. Dies ist das Ergebnis der Einjahresauswertung der DEDICATE-DZHK6-Studie, die unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Blankenberg am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und 37 weiteren deutschen Herzzentren durchgeführt wurde.

    Artikel09.04.2024

    Mehr lesen
  • Wiederbelebung
    Gesetzliche Unfallversicherung unterstützt „Aktionsplan Wiederbelebung“ von GRC und BVMed

    Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ist als Unterstützer dem „Aktionsplan Wiederbelebung“ von GRC und BVMed beigetreten. Die Organisationen fordern konkrete Maßnahmen, um die Laien-Reanimationsquote in Deutschland zu steigern und damit das Leben von mehr Menschen nach einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand zu retten. Der Aktionsplan schlägt unter anderem vor, Beschäftigte regelmäßig zum Thema Wiederbelebung zu sensibilisieren und die Verfügbarkeit von AEDs zu verbessern.

    Pressemeldung03.04.2024

    Mehr lesen

Kommende Veranstaltungen

  • Einführungsseminar
    Erfolgreiches Marketing von MedTech-Unternehmen

    Als Mitarbeiter:in im Marketing oder Produktmanagement haben Sie eine Schlüsselrolle für den Erfolg Ihres Unternehmens. Die richtige Strategie entwickeln, Produktvorteile erkennen, formulieren und im Zusammenspiel mit Agenturen an Entscheidungsträger und Kunden kommunizieren – dies sind Fähigkeiten, die professionelle Produkt- oder Marketing-Manager:innen kontinuierlich aktualisieren und...

    Seminaron-site
    Berlin, 25.06.2024 09:00 - 17:00 Uhr
    organizer: BVMed-Akademie
    Schwerpunkt: Kommunikation / Marketing

    Zur Veranstaltung: Erfolgreich im Marketing von MedTech-Unternehmen
  • Online-Seminar
    Medical Devices Advisor | Training according to § 83 MPDG

    In order to work as a medical device advisor (MDA) and inform healthcare professionals about or instruct them in the proper handling of medical devices, it is necessary to have and be able to demonstrate the necessary expertise, see § 83 MPDG. The training provides the necessary basic knowledge independent of the product and company.

    Seminardigital
    12.09.2024 09:00 - 15:00 Uhr
    organizer: BVMed-Akademie
    Schwerpunkt: MPB-Schulungen

    Zur Veranstaltung: Medical Device Advisor
  • Case-Study-Workshop
    MedTech-Marketing

    Die Digitalisierung, die Internationalisierung der Märkte und der Wettbewerbsdruck haben einen großen Einfluss auf das Marketing eines Unternehmens. Produkt- und Marketingmanager:innen haben somit eine Schlüsselrolle für den Unternehmenserfolg. Die richtige Strategie entwickeln, Produktvorteile erkennen und im Zusammenspiel mit Agenturen an Entscheidungsträger:innen und Kundschaft...

    Workshopon-site
    Berlin, 19.09.2024 09:00 - 17:30 Uhr
    organizer: BVMed-Akademie
    Schwerpunkt: Kommunikation / Marketing

    Zur Veranstaltung: MedTech-Marketing

Ihre Vorteile als BVMed-Mitglied

  • Organisation

    In über 80 Gremien mit anderen BVMed-Mitgliedern und Expert:innen in Dialog treten und die Rahmenbedingungen für die Branche mitgestalten.

  • Information

    Vom breiten Serviceangebot unter anderem bestehend aus Veranstaltungen, Mustervorlagen, Newslettern und persönlichen Gesprächen profitieren.

  • Vertretung

    Eine stärkere Stimme für die Interessen der Branche gegenüber politischen Repräsentant:innen und weiteren gesundheitspolitischen Akteur:innen erhalten.

  • Netzwerk

    An Austauschformaten mit anderen an der Versorgung beteiligten Akteur:innen, darunter Krankenkassen, Ärzteschaft oder Pflege teilnehmen.

Die Akademie

Von Compliance über Nachhaltigkeit bis hin zu Kommunikation. Unsere Akademie bietet der MedTech-Community eine Vielfalt an Veranstaltungen zur Fort- und Weiterbildung an. Entdecken Sie unsere Seminare, Workshops und Kongresse.

Zu den Veranstaltungen