- Digitale Versorgung 3 Fragen an... Pia Maier, Sprecherin des BVMed-Arbeitskreises Digitale Gesundheitsversorgung (AKD)
Nach der Neuwahl des BVMed-Vorstands im April 2026 werden auch die sieben BVMed-Arbeitskreise für die nächsten zwei Jahre neu benannt. Pia Maier von Medtronic ist auf der konstituierenden Sitzung des BVMed-Arbeitskreises "Digitale Gesundheitsversorgung" (AKD) am 9. Juli 2026 zur Sprecherin gewählt worden. Wir haben mit ihr über die Themen und Ziele des AKD gesprochen - und welche Botschaft sie dem neuen Gesundheitsminister mit auf dem Weg gibt...
ArtikelBerlin, 26.08.2026
Was sind die Schwerpunktthemen des Arbeitskreises für die nächsten beiden Jahre – und welche Ziele haben Sie sich dabei gesetzt?
Die Digitalisierung der Versorgung voranbringen - das ist unsere Mission gemäß der im AKD entwickelten Vision für 2035. Die dort beschriebene datengetriebene Versorgung heißt, dass mehr Versorgung auf der Grundlage von gemessenen Daten erfolgt, dass damit zielgenau gesteuert wird, und dass das damit einhergehende Datenmanagement, als Leistung anerkannt und vergütet wird.
Die aktuellen Schwerpunkte unserer Arbeit ergeben sich zunächst aus der politischen Debatte: Telemonitoring steht auf der Agenda im Koalitionsvertrag und wir haben das Ziel, dass die Politik Telemonitoring vorantreibt und es als ein umfassendes Konzept versteht, das vielfältig eingesetzt werden kann und dafür einen eigenen Marktzugang und eine eigene Vergütungslogik braucht. Mit Methodenbewertung und Vergütungsstruktur à la Herzinsuffizienz kommen wir da nicht wirklich weiter.
Zweites großes Thema: Das Primärversorgungssystem. Hier wollen wir dafür sorgen, dass bei der digitalen Ersteinschätzung in Zukunft auch valide gemessene Vitaldaten der Versicherten eine Grundlage für die Bewertung von Dringlichkeit und Versorgungsbedarf bilden. Ebenso wie Daten über die Versorgung mit Hilfsmitteln, die zum Beispiel wesentliche Auskunft über die Mobilität der Versicherten geben können. Die Daten liegen vor, die könnten automatisch herangezogen werden, statt das alles abzufragen. Dafür müssen diese Daten aber in die Systeme kommen und wir haben das Ziel, dass diese Sichtweise von Anfang von allen Beteiligten verstanden und mitgedacht wird.
Drittens sind wir in den aktuellen Gesetzgebungsverfahren immer wieder gefordert, um die e-Verordnung für Hilfsmittel, die e-Abrechnung, die e-Überweisung, die ePA insgesamt für die Versorgung mit Hilfsmitteln und Implantaten fit zu machen und zügig zu digitalisieren.
Jenseits der aktuellen Debatten kümmern wir uns vor allem um das Thema Innovationszugang für digitale Medizinprodukte und Medizinprodukte mit digitalen Komponenten. Das sind zum Beispiel KI-Module, die bestehende Produkte besser machen, aber aktuell nicht besser vergütet werden. Unsere Schrittinnovationen bringen qualitative Verbesserungen in die Versorgung, hier werden wir für die bessere Anerkennung kämpfen.
Was sind für Sie die größten Stärken des deutschen Gesundheitssystems und die größten Herausforderungen bei ihren Arbeitskreis-Themen?
Stärke und Schwäche zugleich ist die Selbstorganisation des Gesundheitswesens. Es ist gut und richtig, dass Versorgung nicht direkt der politischen Einflussnahme unterliegt. Die Entscheidungen fallen aber auf der Grundlage historisch gewachsener Strukturen und werden von Krankenkassen, der Ärzteschaft und Krankenhäusern dominiert.
Digitale Versorgung verändert die klassische Arbeitsteilung: telemedizinische Versorgung zu Hause durch das Krankenhaus - falscher Sektor, geht nicht. Neue Aufgaben für Gesundheitsberufe durch KI-Unterstützung stößt an gewachsene Kompetenzen der Professionen. Oder Telemonitoring und digitale Versorgungspfade: hier entstehen ganz neue Versorgungswege, die ganze Logik ist aber auf dem Besuch in der Einzelpraxis aufgebaut.
Diese Ansätze stoßen permanent an Systemgrenzen: beim Marktzugang, bei der Vergütung, bei der Integration in die Versorgungspfade. Und die Selbstverwaltung hat wenig Interesse an tiefgreifenden Veränderungen, die ihre Pfründe neu aufteilen würde. Das zu verändern ist ein dickes Brett, weil es tiefe Systemkenntnis und umfassende Veränderungen in einem hochkomplexen System braucht.
Sie treffen den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann zufällig im Aufzug: Welche Botschaft geben Sie ihm in den 30 gemeinsamen Sekunden mit auf den Weg?
"Herr Linnemann, Sie kennen die Bedeutung der Medizintechnik für den Standort Deutschland - haben Sie diese Technik auch schon mal live im Einsatz gesehen? Einen Operationsroboter, der millimetergenau die Schraube wie geplant in die Wirbelsäule setzt? Oder das An- und Abschalten der Neuromodulation gegen das Zittern bei Parkinsonpatienten? Diese Technik verändert Leben! Wir laden Sie gern ein, kommen Sie zum Deutschen MedTech-Tag am 18. Februar 2027, dort bekommen Sie eine exklusive Führung durch die ganze Welt der Medizintechnik. Darf ich die Führung mit Ihrem Büro planen?"
Pia Maier ist Governmental Affairs Specialist bei Medtronic Deutschland.
Die Fragen stellte BVMed-Kommunikationsleiter Manfred Beeres.