Aortenstenose

TAVI hat in Deutschland Herzklappen-Operation überholt

Bei älteren Patienten mit schwerer Aortenstenose hat die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) inzwischen in Deutschland die Herzklappen-Operation als häufigstes Therapieverfahren überflügelt. Das geht aus einer aktuellen Analyse von Daten des AQUA-Instituts hervor, über die kardiologie.org berichtet.

Deutschland ist weltweit führend in der Anwendung der kathetergestützten Implantation von Aortenklappen bei Patienten mit Aortenstenose. Derzeit gilt, dass diese Methode bei inoperablen Patenten sowie als Alternative zur Operation bei Patienten mit hohem Operationsrisiko indiziert ist. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass sich für die TAVI zunehmend auch bei nicht so hohem Risiko entschieden wird – auch auf Wunsch der Patienten.

Zwecks gesetzlich vorgeschriebener externer Qualitätssicherung werden vom AQUA-Institut (Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen) Jahr für Jahr Daten zu sämtlichen isolierten Aortenklappen-Eingriffen in Deutschland erhoben. Diese Daten vermitteln somit ein gutes Bild von der realen Versorgungssituation im Hinblick auf interventionelle und chirurgische Eingriffe bei Aortenstenose.

Auf Basis dieser AQUA-Daten haben Prof. Holger Eggebrecht vom Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt und Dr. Rajendra Mehta von der Duke University in Durham/USA jetzt einmal die Entwicklung nachgezeichnet, die sich zwischen 2008 und 2014 in Deutschland in der Behandlung von älteren Patienten mit Aortenstenose vollzogen hat.

TAVI-Zahl stieg auf das 20-Fache
Danach sind seit 2008 hierzulande 71.927 isolierte Aortenklappen-Operationen (chirurgischer Aortenklappenersatz) und 48.353 TAVI-Eingriffe durchgeführt worden. Die Zahl der chirurgischen Eingriffe zur Beseitigung von Aortenstenosen ist seit dieser Zeit leicht rückläufig: Erhielten 2008 noch 11.205 Patienten ihre neue Aortenklappe auf dem Weg einer offenen Herzoperation, waren es 2014 nur noch 9.953.

Umgekehrt verlief die Entwicklung bei den TAVI-Prozeduren – und zwar in äußerst rasantem Tempo. Hier war in der gleichen Zeit ein Anstieg der erfassten Interventionen auf das 20-Fache zu verzeichnen: War die Zahl im Jahr 2008 mit 637 Eingriffen noch sehr bescheiden, erreichte sie 2014 mit nunmehr 13.263 ihren bislang höchsten Stand. Im Jahr 2013 überstieg erstmals die Zahl der TAVI-Prozeduren die der Aortenklappen-Operationen. Dies ist vor allem auf die Zunahme von transfemoralen TAVI-Eingriffen zurückzuführen, die Zahl der transapikalen Prozeduren veränderte sich dagegen kaum.

Altersstruktur kaum verändert
Noch lassen zumindest die AQUA-Daten zur Altersstruktur eine Ausweitung der TAVI auf jüngere Patienten mit niedrigerem Risiko nicht erkennen: Mit 81,6 Jahren (2008) und 80,9 Jahren (2014) blieb das Durchschnittsalter der TAVI-Patienten nahezu unverändert. Dagegen spiegeln die zwischen 2011 und 2014 erfassten Veränderungen beim EURO-Score – er dient der Voraussage der postoperativen Mortalität nach herzchirurgischen Eingriffen – bereits einen gewissen Trend in diese Richtung wider.

In-Hospital-Mortalität mehr als halbiert
Erfreulich ist der Rückgang der im Zusammenhang mit TAVI-Prozeduren aufgetretenen Komplikationen. Die Rate der intraprozeduralen Komplikationen fiel von 9,4 Prozent (2012) auf 3,9 Prozent (2014). Trotz der Tatsache, dass TAVI-Patienten deutlich älter als chirurgisch behandelte Patienten waren und zudem mehr Begleiterkrankungen aufwiesen, waren im Jahr 2014 die Raten für Schlaganfälle in der stationären Phase kaum unterschiedlich (1,4 versus 1,1 Prozent).

Bemerkenswert ist vor allem die deutliche Abnahme der In-Hospital-Mortalität, die von 10,4 Prozent im Jahr 2008 auf 4,2 Prozent im Jahr 2014 zurückging und sich damit mehr als halbierte.

Quelle: Springer Medizin, kardiologie.org, vom 24. September 2015
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Schlusslicht bei Lebenserwartung | BVMed: Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) verbessern

    Der BVMed hat zügige Verbesserungen bei der Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE), beispielsweise durch einen „Herz-Check 50“ als eigenständige Vorsorgeuntersuchung, angemahnt. Hintergrund ist eine aktuelle Studie, nach der Deutschland bei der durchschnittlichen Lebenserwartung nur Schlusslicht im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern ist. „Herz-Kreislauf-Erkrankungen müssen endlich auf die politische Agenda. Wir haben großartige Behandlungsmöglichkeiten, müssen die Erkrankungen aber früher erkennen und strukturierter angehen“, so die stellvertretenden BVMed-Vorstandsvorsitzenden Dorothee Stamm von Medtronic und Dr. med. Manfred W. Elff von Biotronik. Mehr

  • Neue Wissensplattform Herzmedizin.de soll Informationen zu Herzgesundheit für alle bieten

    Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit rund 40 Prozent die häufigste Todesursache in Deutschland. Die Ursachen sind vielfältig und Informationen darüber sind der breiten Öffentlichkeit nur unzureichend zugänglich. Mit dem Launch von Herzmedizin.de schafft die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) gemeinsam mit dem Bund Niedergelassener Kardiologen (BNK) eine zentrale Wissensplattform sowohl für Patient:innen und Interessierte als auch für Fachexpert:innen rund um das Thema Herzgesundheit. Mehr

  • Herzinsuffizienz: Patienten weiter durch Defibrillator geschützt

    Die Behandlungsfortschritte der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass immer weniger Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz an einem plötzlichen Herztod sterben. Die Notwendigkeit eines implantierbaren Cardioverter-Defibrillator (ICD) wird deshalb zunehmend infrage gestellt. Zu Unrecht, warnte ein Experte auf der 89. Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim, berichtet das Deutsche Ärzteblatt. Mehr


©1999 - 2023 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik