Nachhaltigkeit

VCI zum Europäisches Lieferkettengesetz: Kommissionsvorschlag schießt übers Ziel hinaus

Der Ende Februar 2022 vorgelegte Vorschlag der EU-Kommission für ein europäisches Lieferkettengesetz trifft beim Verband der Chemischen Industrie (VCI) auf ein negatives Echo. Ziel des Gesetzes müsse es sein, rechtssichere und praktikable Regeln zu schaffen. Das leiste der Vorschlag nicht ausreichend.

Nicht nachvollziehbar sei, dass mittelständische Unternehmen in die Regelung aufgenommen würden. Das bedeute eine deutliche Verschärfung gegenüber der nationalen Gesetzgebung. „Der Vorschlag der Kommission ist wirklichkeitsfremdes Wunschdenken und schießt gefährlich übers Ziel hinaus. So wenig wie Gesetze der EU in fernen Ländern Gültigkeit haben, so wenig kann ein Mittelständler dort seine Lieferkette bewerten. Kein Unternehmen darf durch unrealistische Ansprüche überfordert und in Haftung genommen werden“, so VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Die meisten Betriebe hätten weder das Personal noch die Möglichkeiten, um die gesamte Lieferkette bewerten zu können.

„Gesellschaftliche Verantwortung und Haftung müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen“, betont der Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) Klaus-Peter Stiller. „Von Unternehmen darf nur verlangt werden, was mit Blick auf ihren Zuschnitt und ihre Möglichkeiten der Einflussnahme machbar ist. Sorgfaltspflichten müssen deshalb auf unmittelbare Zulieferer beschränkt sein.“

Eine zusätzliche zivilrechtliche Haftung lehnen die Verbände strikt ab. So haben europäische Unternehmen in der Regel keinen ausreichenden Einfluss, um europäische Standards weltweit durchzusetzen. Unternehmen dürften deshalb nur dann zivilrechtlich haften, so BAVC und VCI, wenn sie die Menschenrechtsverletzung unmittelbar selbst verursacht haben.

Zudem sei es wichtig, dass die EU auch Branchenstandards für die Einhaltung von Sorgfaltspflichten anerkenne. Damit würden branchengerechte Lösungen möglich. So habe die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 damit begonnen, einen Branchenstandard für nachhaltige Wertschöpfungsketten als Hilfestellung für Unternehmen zu entwickeln.

Quelle: VCI-Pressemeldung vom 23. Februar 2022
  • Weitere Artikel zum Thema
  • BVMed-Service zum LkSG | Umsetzungshilfen für das erforderliche Risikomanagement

    Der BVMed gibt in einer 56 Seiten starken Publikation detaillierte Hilfestellungen für die Durchführung einer Risikoanalyse, die nach dem seit diesem Jahr geltenden Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz (LkSG) von allen direkt in den Anwendungsbereich des Gesetzes fallenden Unternehmen durchgeführt werden muss. Zum erforderlichen Risikomanagement gehören neben der Analyse auch die Bewertung und Priorisierung sowie passende Präventions- und Abhilfemaßnahmen. Der BVMed-Service geht dabei auf die typischen Risiken des medizintechnischen Bereichs ein, insbesondere auf mögliche Risiken bei verwendeten Rohstoffen, Vorprodukten und Leistungen. Mehr

  • Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz | Handreichung zur praktischen Umsetzung des LkSG in der MedTech-Branche

    Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) bringt umfangreiche Sorgfaltspflichten zum Schutz von menschenrechtlichen und umweltbezogenen Belangen entlang der gesamtem Lieferkette mit sich. Der BVMed hat zur Unterstützung seiner Mitglieder gemeinsam mit den Anwaltskanzleien Clifford Chance und der Produktkanzlei eine Handreichung zur praktischen Umsetzung des LkSG in der MedTech-Branche erarbeitet, die aus sechs Modulen besteht. Mehr

  • BVMed-Service zum Umweltrecht | Möll: „Auf praxistaugliche Green Deal-Regelungen achten“

    Der BVMed gibt den Medizinprodukte-Unternehmen mit einer Reihe von Infoblättern eine Übersicht zu den immer komplexer werdenden umweltrechtlichen Vorgaben. Der kostenfreie BVMed-Service unter www.bvmed.de/umweltrecht gibt einen Überblick zu den Anwendungsbereichen und entstehenden Pflichten aus der Umweltgesetzgebung. „Der europäische ‚Green Deal‘ ist eine große Herausforderung für die Medizintechnik-Branche. Der BVMed unterstützt die Branche auf dem Weg zu einem grünen Umbau der Wirtschaft in Deutschland und Europa. Die Politik muss dabei Maß und Mitte halten und auf praxistaugliche Regelungen für unsere mittelständisch geprägte Branche achten“, so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll. Mehr


©1999 - 2023 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik