- Gesundheitswirtschaft 3 Fragen an... Sebastian Mörth, Sprecher des BVMed-Arbeitskreises Politik und Öffentlichkeitsarbeit (AKP)
Nach der Neuwahl des BVMed-Vorstands im April 2026 wurden auch die sieben BVMed-Arbeitskreise für die nächsten zwei Jahre neu benannt. Sebastian Mörth von Intuitive Surgical ist auf der konstituierenden Sitzung des BVMed-Arbeitskreises "Politik und Öffentlichkeitsarbeit" (AKP) am 23. September 2026 zum Sprecher gewählt worden. Wir haben mit ihm über die Themen und Ziele des AKP gesprochen - und welche Botschaft er dem neuen Gesundheitsminister mit auf den Weg gibt...
ArtikelBerlin, 28.10.2026
© privat
Bild herunterladen
Was sind die Schwerpunktthemen des Arbeitskreises für die nächsten beiden Jahre – und welche Ziele haben Sie sich dabei gesetzt?
Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Veränderungen der Krankenhauslandschaft, die stärkere ambulante Versorgung und der verlässliche Zugang zu Medizintechnik und Innovationen. Eng damit verbunden ist die Frage, wie Deutschland als Forschungs- und Produktionsstandort attraktiv bleibt. Versorgungspolitik und Standortpolitik gehören für unsere Branche zusammen.
Als Arbeitskreis wollen wir die Erfahrungen unserer Mitgliedsunternehmen bündeln und frühzeitig konkrete Vorschläge zur Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen einbringen. Dafür möchten wir den direkten Austausch mit allen relevanten Akteuren aus Politik, Selbstverwaltung, Versorgung, Wissenschaft und Wirtschaft sowie mit Patientenvertretungen weiter ausbauen – auch durch Begegnungen in unseren Unternehmen.
Besonders wichtig ist mir, Medizintechnik greifbar zu machen: zu zeigen, wie unsere Produkte, Technologien und Verfahren im Versorgungsalltag eingesetzt werden und welchen unverzichtbaren Beitrag sie zu einer verlässlichen Versorgung leisten. Wer ihre Anwendung erlebt und mit den Menschen hinter den Lösungen ins Gespräch kommt, versteht ihre Bedeutung für Patientinnen und Patienten sowie für die tägliche Arbeit der Fachkräfte besser.
Mit politischen Prozessen bin ich aus meiner früheren Arbeit auf staatlicher Seite in Österreich und heute aus der Perspektive eines Medizintechnikunternehmens vertraut. Aus beiden Erfahrungen weiß ich, wie viel sich bewegen lässt, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen, bevor wesentliche Entscheidungen gefallen sind.
Dabei möchte ich Dinge nicht einfach hinnehmen, nur weil man sie schon immer so gemacht hat. Gerade angesichts der Veränderungen im Gesundheitswesen sollten wir bereit sein, bestehende Ansätze zu hinterfragen und gemeinsam neue Wege zu entwickeln. Als Arbeitskreis wollen wir Herausforderungen klar benennen und ebenso konkret zeigen, was unsere Branche zu ihrer Lösung beitragen kann.
Was sind für Sie die größten Stärken des deutschen Gesundheitssystems und die größten Herausforderungen bei ihren Arbeitskreis-Themen?
Die größte Stärke sind für mich die Menschen, die dieses System jeden Tag tragen – in der Versorgung, in der Forschung und in unseren Unternehmen. Dazu kommt das Solidarprinzip: Der Zugang zu guter medizinischer Versorgung soll nicht vom persönlichen Einkommen abhängen. Eine gesellschaftliche Errungenschaft, die es zu bewahren und weiterzuentwickeln gilt.
Deutschland verbindet eine breite Versorgungslandschaft mit hoch spezialisierter Medizin, einer starken Forschungsbasis und einer vielfältigen Medizintechnikbranche – mit mittelständischen Unternehmen ebenso wie international tätigen Herstellern. Unsere Branche zählt zu den innovativsten und ist für eine verlässliche Gesundheitsversorgung unverzichtbar. Sie verbindet medizinischen Fortschritt mit wirtschaftlicher Stärke und gesellschaftlicher Verantwortung.
Eine weitere Besonderheit ist die Selbstverwaltung. Sie bietet die Chance, die praktische Erfahrung der Akteure unmittelbar in die Gestaltung des Gesundheitswesens einzubringen. Diese Stärken sollten wir selbstbewusst benennen. Die Herausforderung ist, sie unter wachsendem finanziellem und personellem Druck zu erhalten und besser miteinander zu verbinden.
Unsere Mitgliedsunternehmen sind unterschiedlich aufgestellt und in ganz verschiedenen Bereichen der Versorgung tätig. Gemeinsam brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen, praktikable regulatorische Anforderungen und eine Finanzierung, die eine sichere Versorgung ebenso ermöglicht wie den Zugang zu Innovationen.
Dabei müssen wir den Nutzen von Medizintechnik umfassender betrachten: Was verbessert die Qualität der Versorgung und ermöglicht mehr Menschen den Zugang dazu? Was erleichtert den Alltag von Patientinnen und Patienten? Was entlastet Fachkräfte und setzt Ressourcen frei? Diese Beiträge müssen über einzelne Budgets und Versorgungsbereiche hinweg stärker in politische Entscheidungen einfließen.
Als Sprecher möchte ich der Vielfalt unserer Mitglieder Raum geben und daraus gemeinsame Positionen zu den politischen Rahmenbedingungen entwickeln. Dazu gehört, zuzuhören und auch dort das Gespräch zu suchen, wo Interessen zunächst auseinanderliegen. Wir müssen nicht in jedem Detail dieselbe Perspektive haben, um bei unseren gemeinsamen politischen Anliegen mit einer klaren Stimme zu sprechen.
Sie treffen den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann zufällig im Aufzug: Welche Botschaft geben Sie ihm in den 30 gemeinsamen Sekunden mit auf den Weg?
Herr Minister, als Fußballfan wissen Sie: Eine gute Mannschaft nutzt die Stärken aller Spieler. Die Medizintechnik gehört in die Startaufstellung Ihrer Reformen. Wir stehen für verlässliche Versorgung, Innovationen und einen starken Standort Deutschland. Bauen Sie unnötige Bürokratie ab, damit mehr Zeit für Patienten und mehr Raum für Innovationen bleibt. Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen – und als Österreicher verspreche ich Ihnen: Hier spiele ich gerne für Deutschland.
Sebastian Mörth ist Director Government & Public Affairs DACH bei Intuitive Surgical Deutschland.
Die Fragen stellte BVMed-Kommunikationsleiter Manfred Beeres.