Cookie-Einstellungen

Zur fortlaufenden Verbesserung unserer Angebote nutzen wir den Webanalysedienst matomo.

Dazu werden Cookies auf Ihrem Endgerät gespeichert, was uns eine Analyse der Benutzung unserer Webseite durch Sie ermöglicht. Die so erhobenen Informationen werden pseudonymisiert, ausschließlich auf unserem Server gespeichert und nicht mit anderen von uns erhobenen Daten zusammengeführt - so kann eine direkte Personenbeziehbarkeit ausgeschlossen werden. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit über einen Klick auf "Cookies" im Seitenfuß widerrufen.

Weitere Informationen dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

 - Datennutzung Gendersensible Medizin: Ganzheitlich versorgen, Chancen nutzen

Für eine gendersensible und ganzheitliche Gesundheitsversorgung braucht es mehr strukturierte und geschlechtsspezifische Daten aus dem Versorgungsalltag. Darüber waren sich die Expertinnen aus Medizin, Wissenschaft, Industrie und Selbstverwaltung auf einer gemeinsamen FemTech-Veranstaltung des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) und der Kanzlei Taylor Wessing am 22. Juni 2026 in Berlin einig. Wie groß die bestehenden Datenlücken im Bereich Frauengesundheit noch sind, verdeutlichte Prof. Dr. Claudia Schmidtke, frühere Patient:innenbeauftragte der Bundesregierung und Sprecherin des Universitären Herzzentrums Lübeck, am Beispiel des Blutdrucks: Bis heute werden für Frauen und Männer dieselben diagnostischen Grenzwerte herangezogen. Frauen seien in Gesundheitsdaten und medizinischer Forschung bis heute unterrepräsentiert – mit spürbaren Folgen für Diagnose und Versorgung. „Mit dem EHDS sowie den aktuellen Gesetzesvorhaben zur Datennutzung und Digitalisierung im Gesundheitswesen besteht nun die Chance, diese Daten besser für Forschung und Versorgung zu nutzen und Deutschland bei der Frauengesundheit voranzubringen“, so das Fazit von Natalie Gladkov, Digitalexpertin beim BVMed.

PressemeldungBerlin, 24.06.2026, 48/26

© BVMed FemTech-Podiumsdiskussion mit (v.l.n.r.) Dr. Carolin Monsees (Taylor Wessing), Natalie Gladkov (BVMed), Susanne Schlagl (GE HealthCare Deutschland), Prof. Dr. Claudia Schmidtke (Universitäres Herzzentrum Lübeck und DFKI), Brenya Adjei (gematik) und Anne Feldt (hermaid) Bild herunterladen Wie grundlegend das Datenproblem ist, machte Susanne Schlagl, Geschäftsführerin von GE HealthCare Deutschland, in ihrer Keynote deutlich: „Heute repräsentieren die Daten in der KI die Bevölkerung nicht.“ In Europa fehlten vielfach geschlechtsspezifische Daten und das werde am Ende in der Versorgung sichtbar. Wie unterschiedlich sich Erkrankungen zeigen können, belegte sie an mehreren Beispielen: Frauen machen rund zwei Drittel der Demenzbetroffenen aus und dennoch wird die Diagnose häufig erst verspätet gestellt, Herzinfarkte äußerten sich bei Frauen anders als bei Männern, bei Autoimmunerkrankungen werde anhaltende Müdigkeit oft vorschnell den Hormonen zugeschrieben. KI könne geschlechtsspezifische Unterschiede sichtbar machen, allerdings nur, wenn die zugrunde liegenden Daten divers und qualitätsgesichert seien.

Auch Prof. Dr. Claudia Schmidtke, Sprecherin des Universitären Herzzentrums Lübeck und affiliierte Professorin am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), verwies darauf, dass für viele Fragestellungen noch geschlechtsspezifische Daten und Referenzwerte fehlten und lenkte damit den Blick auf die Frage, wie sich aus Daten konkrete Verbesserungen für Patientinnen ableiten lassen. Dafür brauche es insbesondere reale Versorgungsdaten, sowohl für klinische Studien als auch für die Entwicklung neuer Innovationen. Bereits heute sehe sie einen Kulturwandel im Umgang mit Gesundheitsdaten: „Wir gehen weg vom Datenschutz hin zur Datennutzung – das halte ich für sehr wichtig.“ Zudem betonte Schmidtke, dass andere Länder beim Thema gendersensible Medizin bislang nur begrenzt weiter seien. Darin liege eine Chance für Deutschland.

© BVMed FemTech-Referentinnen und Moderation mit (v.l.n.r.) Dr. Carolin Monsees (Taylor Wessing), Natalie Gladkov (BVMed), Susanne Schlagl (GE HealthCare Deutschland), Prof. Dr. Claudia Schmidtke (Universitäres Herzzentrum Lübeck und DFKI), Brenya Adjei (gematik) und Anne Feldt (hermaid) Das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG), das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) sowie der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) wurden im Podium als große Chance für die gendersensible Medizin gewertet. Sie sollen die geschlechtsspezifische Auswertung großer Datenmengen ermöglichen und so bessere Evidenz zu frauenspezifischen Erkrankungen und unterschiedlichen Krankheitsverläufen schaffen. Für Brenya Adjei, Geschäftsführerin der gematik, ist der EHDS „eine der großen Chancen für Europa“ – interoperable Datenräume in dieser Form gebe es bislang nirgends sonst. Aus Sicht des BVMed kommt es bei der Umsetzung darauf an, dass sich Deutschland eng an die europäischen Vorgaben hält und auf zusätzliche nationale Sonderregelungen verzichtet – nur so ließen sich Gesundheitsdaten effizient und zugleich europaweit interoperabel nutzen. Mit den richtigen Weichenstellungen könnten auch geschlechtsspezifische Referenzwerte künftig schneller verfügbar werden. Große Hoffnung verband Adjei zudem mit der elektronischen Patientenakte (ePA): Sie könne die Grundlage für eine bessere Datenbasis schaffen und neue Fragestellungen ermöglichen.

Dass gute Lösungen bereits in der Entwicklung beginnen, betonten mehrere Teilnehmerinnen: Schon in der Produktentwicklung entscheide sich, wessen Bedürfnisse berücksichtigt würden, diverse Teams seien deshalb zentral. Anne Feldt, Gründerin und Geschäftsführerin des FemTech-Start-ups hermaid, setzt genau hier an: Ihr Anspruch sei es, Produkte zu entwickeln, die an der Lebensrealität der Patientinnen ansetzen und Zusammenhänge besser verstehen helfen – etwa warum Frauen in den Wechseljahren schlechter schlafen, statt lediglich zu dokumentieren, dass sie es tun. Damit verbindet sich das Ziel, Frauen über digitale Lösungen künftig besser zu informieren und zu unterstützen.

Für die beiden Moderatorinnen Natalie Gladkov (Digitalexpertin beim BVMed) und Dr. Carolin Monsees (Partnerin und Datenexpertin bei Taylor Wessing) bündelt sich darin der Kern der Diskussion: „Gendersensible Medizin ist der Weg zu einer wirklich personalisierten Versorgung und sie beginnt bei den Daten. Mit GDNG, GeDIG und EHDS haben wir die Hebel in der Hand. Jetzt kommt es darauf an, sie konsequent zu nutzen und mehr geschlechtsspezifische Daten verfügbar zu machen.“

Über die Veranstaltung: Mit der Veranstaltung „FemTech“ widmeten sich Taylor Wessing und der BVMed zum dritten Jahr in Folge dem Thema gendersensible Medizin.

Ihr Kontakt zu uns

Service

News abonnieren

Sie möchten auf dem Laufenden bleiben?
Abonnieren Sie unsere kostenlosen Newsletter, E-Mail-Alerts zu unseren Themen oder Pressemeldungen.

Jetzt abonnieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Digitalstrategie
    BVMed zur GeDIG-Anhörung: „Gesetzentwurf geht nicht weit genug“

    Das neue Digitalgesetz GeDIG geht aus Sicht des BVMed bei der Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA) sowie der Weiterentwicklung der Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht weit genug.

    Pressemeldung15.05.2026

    Mehr lesen
  • Digitalstrategie
    BVMed-Positionspapier zur Digitalisierung: „Digitale Transformation gelingt nur mit MedTech“

    Für die digitale Transformation der Gesundheitsversorgung müssen digitale, datengetriebene Medizinprodukte aktiv und frühzeitig eingebunden werden. Das fordert der BVMed in dem Positionspapier „Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung“. „Eine umfassende Digitalisierung der Gesundheitsversorgung gelingt nur mit MedTech“, so BVMed-Digitalexpertin Natalie Gladkov.

    Pressemeldung12.05.2026

    Mehr lesen
  • Digitalstrategie
    MdB Pauls beim BVMed: „An einer konsequenten Digitalisierung geht kein Weg vorbei“

    Um das Gesundheitssystem zukunftsfest zu machen, „geht an einer konsequenteren Digitalisierung kein Weg vorbei“, sagte CDU-MdB Dr. Thomas Pauls auf dem BVMed-Gesprächskreis Gesundheit. Dazu gehört, dass die Elektronische Patientenakte (ePA) zu einer echten digitalen Plattform mit verschiedenen Anwendungen wie digitaler Ersteinschätzung und besserer Datennutzung ausgebaut wird.

    Pressemeldung07.05.2026

    Mehr lesen

Mitglieder

Der BVMed repräsentiert über 300 Hersteller, Händler und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger.

Mehr lesen

Die Akademie

Von Compliance über Nachhaltigkeit bis hin zu Kommunikation. Unsere Akademie bietet der MedTech-Community eine Vielfalt an Veranstaltungen zur Fort- und Weiterbildung an. Entdecken Sie unsere Seminare, Workshops und Kongresse.

Zu den Veranstaltungen