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 - Telekardiologie Moderne Telemedizinische Verfahren in der Kardiologie: MedTech trifft IT

Artikel30.03.2009

Bild vergrößernMit Hilfe der Telekardiologie erhalten Patienten mit Herzschrittmachern, ICDs oder CRT-Implantaten die jeweils optimale Therapie, weil ihr Gesundheitszustand kontinuierlich überwacht wird: Der Arzt kann bei Bedarf schneller kurzfristig eingreifen und die Behandlung ggf. anpassen. Weil plötzliche, lebensgefährliche Komplikationen oder technische Probleme zeitnah erkannt und behandelt werden können, retten die Systeme zudem in vielen Fällen Leben. In mehreren Studien werden zurzeit Angaben über die Therapie- und Kosteneffizienz erhoben, die in die Empfehlung von Telekardiologie in den Leitlinien der kardiologischen Gesellschaft münden sollen. Eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenversicherungen ist wünschenswert, damit in Zukunft möglichst viele Patienten von den Vorteilen dieser neuen Technologie profitieren können.

Innovative Technologien für mehr Patientensicherheit

Jährlich erhalten in Deutschland über 100.000 Patienten einen Herzschrittmacher (HSM), einen implantierbaren Cardioverter-Defibrillator (ICD) oder ein Herzinsuffizienz-Therapiesystem für die Kardiale Resynchronisations-Therapie (CRT). Mit der Telekardiologie – der Übertragung wichtiger „Herzdaten“ über das Mobilfunknetz oder die Telefonleitung an den Arzt – wird die räumliche Distanz zwischen Arzt und Patient überbrückt. Die Therapie wird für die Patienten hierdurch optimiert, denn der Arzt kann sich täglich über den Gesundheitszustand seiner Patienten informieren. Das erhöht deren Sicherheit, steigert ihre Lebensqualität und senkt mittel- bis langfristig Kosten.

Die Telekardiologie ist eine hoch innovative und patientenfreundliche Form der ärztlichen Betreuung und Nachsorge von HSM, ICD- und CRT-Trägern. Es gibt verschiedene Wege, wie die Herzdaten der Patienten zum Arzt gelangen. Bei einigen Systemen sendet eine im Implantat eingebaute Antenne die kardiovaskulären Daten sowie technische Parameter an ein Handy-ähnliches Empfängergerät. Dieses kann z. B. am Gürtel getragen werden oder auf dem Nachttisch liegen. Einmal täglich übermittelt es die Daten via Mobilfunknetz an eine zentrale Auswertestation, wo sie aufbereitet und an den Arzt weitergeleitet werden. Bereits 15.000 Patienten machen davon Gebrauch.

Bei einem anderen System, das in Deutschland rund 11.000 Patienten nutzen, funktioniert die Abfrage über das Festnetz. Der Patient legt zu Hause ein kleines Kästchen, das ungefähr die Größe einer runden Bonbondose hat, von außen auf sein Implantat. Das Gerät, das mit dem Telefon verbunden ist, liest die gespeicherten Herzdaten des Implantats innerhalb weniger Minuten aus und schickt sie über die Telefonleitung an ein Ärzte-Zentrum. Dort werden sie ausgewertet und an den behandelnden Kardiologen weitergeleitet. So kann dieser selbst über große Entfernungen hinweg die Herzdaten seiner Patienten kontrollieren.

Signale, die vom Herzen kommen

Alle Systeme haben eine automatische Sicherheitsfunktion: Bei Komplikationen wie gefährlichen Veränderungen des Herzrhythmus informieren sie den Arzt oder das Ärzte-Zentrum sofort per E-Mail, Fax oder SMS-Nachricht. So retten telekardiologische Systeme Leben. Weiterer Vorteil der Technologie: „Unnötige“ und zeitraubende Arztbesuche bleiben den Patienten erspart. Normalerweise muss jeder Träger eines HSM, ICD- und CRT-Geräts das Implantat in regelmäßigen Abständen von seinem Arzt kontrollieren lassen. Er überprüft, ob das Gerät einwandfrei funktioniert und ob die Einstellungen ggf. neu an die Bedürfnisse des Patienten anzupassen sind.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass bei der Mehrzahl dieser routinemäßigen Nachsorgen keine Umprogrammierung vorgenommen werden muss. Dank Telekardiologie bleiben den Patienten unnötige Arztbesuche erspart: Der Arzt kann anhand der Daten per Ferndiagnose feststellen, ob eine Nachsorge-Untersuchung nötig ist. Ein Vorteil vor allem für Patienten aus ländlichen Gebieten, bei denen sich Anfahrt, Wartezeit, Nachsorge und Rückfahrt leicht zu mehreren Stunden addieren!

Die Vorteile für die Patienten sind im Überblick:

- Bessere Überlebenschancen dank erhöhter Sicherheit
- Weniger Krankenhausaufenthalte durch frühzeitiges Erkennen von Komplikationen
- Zeitnahe Therapie-Optimierung
- Zeit- und Kostenersparnis durch Vermeidung nicht notwendiger Routineuntersuchungen
- Steigerung der Lebensqualität dank neuem Sicherheitsgefühl

Wichtige Studienergebnisse

Diverse Fallbeispiele aus verschiedenen Studien belegen, dass sowohl technische Probleme (z. B. verrutschte Elektroden), als auch Veränderungen des medizinischen Zustands des Patienten (z. B. Auftreten von Vorhofflimmern) durch Telekardiologie zeitnah erkannt und behoben bzw. adäquat therapiert werden können. Auch der Erfolg einer geänderten medikamentösen Therapie kann schnell und mit geringem Aufwand überprüft werden.

Die Sicherheit der Datenübertragung mit Telekardiologie wurde bereits im Jahr 2002 in einer internationalen Studie nachgewiesen. Die Patienten empfanden die telekardiologische Überwachung als zusätzliche Sicherheit und die Handhabung des Patientengerätes als problemlos.

Verfügbarkeit für den Patienten

Die Kosten für die Anwendung telekardiologischer Systeme werden von den gesetzlichen Krankenkassen zurzeit noch nicht erstattet. Einzelne Krankenkassen sind jedoch dazu übergegangen, die Telekardiologie auf meist regionaler Ebene im Rahmen der Integrierten Versorgung anzubieten. Die Systeme haben als Ergänzung zu bestehenden Therapien in den letzten Jahren ein kontinuierliches Wachstum in Deutschland erlebt. Ärzte, die die Technologie noch nicht nutzen, können jederzeit „einsteigen“. Eine Verordnung über Privatliquidation ist allerdings auch möglich.

Wirtschaftlichkeit der Technologie

Die Kosten telekardiologischer Systeme lassen sich nicht pauschal beziffern. Es existieren je nach Anbieter unterschiedliche technologische Lösungen. Ebenso variiert der personelle Aufwand, der mit einem System einhergeht. Eine Rolle spielt auch, für welche Herzkrankheit die Telekardiologie eingesetzt wird. Dessen ungeachtet werden die wirtschaftlichen Vorteile der Telekardiologie derzeit in einer Reihe von Studien evaluiert. Erwartet wird ein erhebliches Einsparungspotenzial im Gesundheitswesen durch den Wegfall „unnötiger“ Nachsorge-Untersuchungen und durch die Früherkennung von neu auftretenden Arrhythmien.

Telemedizin in die flächendeckende Regelversorgung aufnehmen

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) und die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed) haben in einer gemeinsamen Erklärung im März 2009 die Aufnahme der Telemedizin in die flächendeckende Regelversorgung in Deutschland gefordert. Bei kardialen Implantaten sollten die Kosten für die telemedizinische Hardware sowie die Datenübertragung durch die Krankenkassen übernommen werden.

In Deutschland gibt es rund 500.000 Träger von implantierten Herzschrittmachern sowie rund 100.000 Patienten mit implantierten Defibrillatoren. Aufgrund des demografischen Wandels ist eine deutliche Zuwachsrate in diesem Bereich zu beobachten. Die Nachsorge dieser Patienten stellt für die Ambulanzen der Kliniken und Praxen eine große Herausforderung dar.

Anlässlich der von der Europäischen Union am 20. Februar 2009 in Prag abgehaltenen eHealth-Konferenz haben die Teilnehmer die EU-Mitgliedsstaaten aufgefordert, die bestehenden Vergütungssysteme bzw. Leistungskataloge für die Telemedizin zu öffnen.

In Deutschland haben wir die Situation, dass dem Arzt durch den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) die telemedizinische Nachsorge der Implantate bereits vergütet wird, die Kosten für die telemedizinische Hardware sowie die Datenübertragung jedoch von den Krankenkassen nicht getragen werden. Es ist bereits nachgewiesen, dass die telemedizinische Überwachung kardialer Implantate sicher und klinisch effektiv ist. Darüber hinaus haben Studien erwiesen, dass sich mit dieser Technologie 60 Prozent der Kosten und 70 Prozent des Nachsorgeaufwands einsparen lassen.

Aus diesem Grund sehen BVMed und DGTelemed die Umsetzung der folgenden Punkte als dringend erforderlich an:

- Aufnahme telemedizinischer Versorgungsmodelle in die flächendeckende Regelversorgung in Deutschland.
- Für kardiale Implantate: Vergütung der telemedizinischen Hardware sowie der Datenübertragung durch die Kostenträger.
- Anerkennung und Akzeptanz des volkswirtschaftlichen Nutzens der Telemedizin.

Die Telemedizin eröffnet dem Patienten neue Behandlungsmöglichkeiten: Durch eine kontinuierliche Überwachung des Implantats ist eine frühzeitige Erkennung von behandlungsbedürftigen Veränderungen sowohl am Gerät als auch am Gesundheitszustand des Patienten möglich. Dadurch lassen sich unnötige Hospitalisierungen vermeiden, gleichzeitig erhöht sich die Patientensicherheit bei steigender Lebensqualität. Diese Chancen der neuen Technologien, in denen die IT die Medizintechnik trifft, müssen wir stärker nutzen.

Quelle: Autorenbeitrag für Berlin Medical, März 2009, von Joachim M. Schmitt, BVMed-Geschäftsführer & Mitglied des Vorstands, und Manfred Beeres, Leiter Kommunikation, BVMed - Bundesverband Medizintechnologie, Berlin

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