Cookie-Einstellungen

Zur fortlaufenden Verbesserung unserer Angebote nutzen wir den Webanalysedienst matomo.

Dazu werden Cookies auf Ihrem Endgerät gespeichert, was uns eine Analyse der Benutzung unserer Webseite durch Sie ermöglicht. Die so erhobenen Informationen werden pseudonymisiert, ausschließlich auf unserem Server gespeichert und nicht mit anderen von uns erhobenen Daten zusammengeführt - so kann eine direkte Personenbeziehbarkeit ausgeschlossen werden. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit über einen Klick auf "Cookies" im Seitenfuß widerrufen.

Weitere Informationen dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

 - MDR Brandbrief aus Stuttgart nach Berlin: Minister Lucha erschüttert über Medizinprodukte-Verordnung Stuttgarter Zeitung vom 15. Juli 2022

ArtikelStuttgart, 19.07.2022

© Sozialministerium Baden-Württemberg Der baden-württembergische Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hat im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung seine tiefe Sorge über die EU-Medizinprodukte-Verordnung geschildert. Die Reform ist in Fachkreisen auf heftige Kritik gestoßen, da sie eine Neuzertifizierung von Medizinprodukten zum Inhalt hat, die allerdings teuer und aufwendig ist und vielfach zur Einstellung der Herstellung von Produkten mit geringen Stückzahlen führt. Betroffen sind beispielsweise Katheter und Stents in der Kinderherzchirurgie.

„Die Problemanzeigen aus der Versorgung von Medizinischen Fachgesellschaften, der Krankenhausgesellschaft oder einzelnen Ärzten nahmen in den vergangenen Wochen massiv zu“, sagte Lucha. „Als Gesundheitsminister bin ich erschüttert, wenn Ärzte und Ärztinnen mir berichten, dass sie Operationen nicht oder nicht mehr richtig durchführen können.“ Auch neue Haftungsrisiken seien nicht vertretbar, sie könnten aber auftreten, wenn für die Anwendung bei Erwachsenen gedachte Instrumente an Kindern eingesetzt werden. Vor drei Jahren habe er die EU-Kommission wegen des absehbaren Problems bereits angeschrieben, auch die gesamte Landesregierung habe sich seither mit zahlreichen Briefen, Gesprächen und Veranstaltungen für das Thema eingesetzt.

Brüssel erkennt das Problem

Im Juli 2022 hatte Lucha anlässlich einer Sitzung des baden-württembergischen Kabinetts in Brüssel ein Gespräch mit Mitgliedern des Stabs von EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides geführt, berichtet die Stuttgarter Zeitung. „Ein Problembewusstsein ist vorhanden, ich habe einen Handlungswillen wahrgenommen“, berichtete Lucha. Es gebe aber einige EU-Mitgliedstaaten, „die für die notwendigen größeren Schritte nicht bereit“ seien. Baden-Württemberg ist als bedeutender Standort für Medizintechnik mit 400 Unternehmen besonders betroffen, auch Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) tritt stark für eine Änderung der Reform ein. Minister Lucha sagte, dass er sich auch vom Bundesgesundheitsministerium eine klare Positionierung wünsche: „Wir merken, dass wir aus Berlin auch von unserem Bundesgesundheitsminister noch nicht das Engagement sehen, das eigentlich notwendig wäre.“

Bewährte Produkte fehlen plötzlich

Wohl aus diesem Grund hat das baden-württembergische Staatsministerium dieser Tage einen Brandbrief an die gesundheitspolitischen Sprecher der drei Regierungsfraktionen im Bundestag verschickt. Unter dem Stichwort „Dringender Handlungsbedarf“ schildert Florian Stegmann, Chef der Staatskanzlei, dass mittlerweile aufgrund der entstehenden Engpässe Babys und Kinder „nicht mehr hinreichend versorgt“ werden: „Das muss umgehend korrigiert werden.“ Es seien aus „regulatorischen Gründen“ immer weniger spezielle Medizinprodukte wie Ballonkatheter und Stents für Kinder verfügbar, obwohl die sich jahrelang in der Praxis bewährt hätten. Zwar habe die EU-Kommission vor kurzem ein 19-Punkte-Papier mit potenziellen Maßnahmen genannt, um beispielsweise die Zahl der „Benannten Stellen“ – sie führen die Neuzertifizierung durch – zu erhöhen. Das reiche jedoch bei Weitem nicht aus. Stegmann: „Wenn die Medizinproduktehersteller jetzt nicht aus Brüssel das klare Signal für Erleichterungen erhalten, werden sie weitere Produkte vom Markt nehmen.“ Damit drohten weitere Engpässe in der Versorgung.

Ein Rückstau von 24.000 Zertifikaten

Das Staatsministerium schlägt der Bundesregierung und Brüssel vier Maßnahmen zu einer Abmilderung der Reform vor: Es müssten sofortige Lösungen für Nischenprodukte gefunden werden, die nur wegen ihrer geringen Stück- und Absatzzahlen und den hohen Zertifizierungskosten vom Markt verschwinden. Auch müsse es Erleichterungen geben für gut bewährte Bestandsprodukte, bei ihnen müssten vorliegende klinische Daten aus der ersten Zertifizierung auch für die erneute Prüfung anerkannt werden. Schließlich müsse die Kapazität der „Benannten Stellen“ erhöht werden. Laut Sozialministerium können diese Stellen jedes Jahr 6300 Zertifikate ausstellen, es bestehe jedoch ein Rückstau von 24 000 Zertifikaten.

Lucha hat bayerischen Kollegen an seiner Seite

Schließlich meint das Staatsministerium in seinem Brandbrief, es müsse eine Verlängerung der Übergangsfristen – die im Mai 2024 enden – in Betracht gezogen werden, falls sich der Flaschenhals der Zertifizierungen noch weiter verenge. Sozialminister Lucha sieht im Ringen um eine Nachbesserung der Reform den bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) an seiner Seite. „Ich sehe auch erste zaghafte Bewegungen in Brüssel und einen echten Willen der Kommission. Das müssen wir unterstützen, um zu wirksamen Maßnahmen zu kommen .“ Die Bundesregierung spiele dabei eine wichtige Rolle.

Quelle: Stuttgarter Zeitung Online vom 15. Juli 2022Externer Link. Öffnet im neuen Fenster/Tab.

Ihr Kontakt zu uns

Service

News abonnieren

Sie möchten auf dem Laufenden bleiben?
Abonnieren Sie unsere kostenlosen Newsletter, E-Mail-Alerts zu unseren Themen oder Pressemeldungen.

Jetzt abonnieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Branche
    Die Pharma- und Medizintechnik-Strategie der Bundesregierung 2025/26

    Medizintechnik ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung als Leitwirtschaft anerkannt. Die MedTech-Branche ist Teil des ressortübergreifenden Strategieprozess Pharma und Medizintechnik. Ziel ist es, in 2026 eine Strategie mit konkreten, umsetzbare Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die industrielle Gesundheitswirtschaft vorzulegen und im Kabinett zu beschließen.

    Artikel31.08.2026

    Mehr lesen
  • Branche
    Innovationen in der Medizintechnik: Zahlen, Fakten und Beispiele

    MedTech-Innovation ist vielfältiger als oft gedacht: Produkt, Prozess oder ganzes Versorgungssystem? Sprung oder Schritt? Dabei hat sie immer ein Ziel: Eine bessere Gesundheitsversorgung. Dieser Artikel fasst Zahlen und Fakten zur MedTech-Innovationen zusammen, erklärt die verschiedenen Innovationsdimensionen und -arten und macht sie an konkreten Beispielen aus der Versorgung greifbar.

    Artikel17.08.2026

    Mehr lesen
  • Branche
    Kabinettsumbildung: Gesundheit als Investition begreifen

    Bei der Vorstellung seiner Kabinettsumbildung machte Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich, dass die Medizintechnik ein wesentlicher Treiber einer stark wachsenden Volkswirtschaft ist. Dabei betonte er: Der gesamte „Gesundheitssektor, den wir leider viel zu häufig als reinen Kostenfaktor betrachten, ist ein ganz wesentlicher Teil unseres gesellschaftlichen Lebens.“ Mit diesem Hinweis auf ein wichtiges Umdenken wurde Carsten Linnemann als neuer Bundesgesundheitsminister vorgestellt.

    Artikel24.07.2026

    Mehr lesen

Kommende Veranstaltungen

  • Branche
    BVMed-Jahrespressekonferenz und Medienseminar

    Zu Beginn des 27. Berliner Medienseminars stellt der BVMed im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz die Ergebnisse seiner aktuellen Herbstumfrage 2026 zur Lage der MedTech-Branche vor. Daraus abgeleitet werden Forderungen an die Wirtschafts-, Forschungs- und Gesundheitspolitik. Im Anschluss werden die Themen Telemonitoring sowie Krankheitskosten am Beispiel der Herz-Kreislauf-Erkrankungen näher...

    KonferenzHybrid
    06.10.2026 10:00 - 12:00 Uhr
    Veranstalter: BVMed
    Schwerpunkt: Kommunikation

    Zur Veranstaltung: BVMed-Jahrespressekonferenz 2026 und 27. Berliner Medienseminar (hybrid)
  • Save the Date
    Deutscher MedTech-Tag

    Auf dem Deutschen MedTech-Tag des BVMed #DMTT treffen sich über 200 Entscheider:innen aus Politik, Gesundheit, Wirtschaft und Wissenschaft, um über die Zukunft des Gesundheitssystems und Standorts Deutschland sowie die Rolle von MedTech als Schlüsselindustrie zu diskutieren. Merken Sie sich den Termin vor.

    KonferenzVor Ort
    Berlin, 18.02.2027 10:00 - 22:00 Uhr
    Veranstalter: BVMed
    Schwerpunkt: Sonstiges

    Zur Veranstaltung: Deutscher MedTech-Tag

Ihre Vorteile als BVMed-Mitglied

  • Organisation

    In über 80 Gremien mit anderen BVMed-Mitgliedern und Expert:innen in Dialog treten und die Rahmenbedingungen für die Branche mitgestalten.

  • Information

    Vom breiten Serviceangebot unter anderem bestehend aus Veranstaltungen, Mustervorlagen, Newslettern und persönlichen Gesprächen profitieren.

  • Vertretung

    Eine stärkere Stimme für die Interessen der Branche gegenüber politischen Repräsentant:innen und weiteren gesundheitspolitischen Akteur:innen erhalten.

  • Netzwerk

    An Austauschformaten mit anderen an der Versorgung beteiligten Akteur:innen, darunter Krankenkassen, Ärzteschaft oder Pflege teilnehmen.

Die Akademie

Von Compliance über Nachhaltigkeit bis hin zu Kommunikation. Unsere Akademie bietet der MedTech-Community eine Vielfalt an Veranstaltungen zur Fort- und Weiterbildung an. Entdecken Sie unsere Seminare, Workshops und Kongresse.

Zu den Veranstaltungen