- Nachhaltigkeit 3 Fragen an... Denise Brecht, Sprecherin des BVMed-Arbeitskreises Nachhaltigkeit (ESG)
Nach der Neuwahl des BVMed-Vorstands im April 2026 werden auch die sieben BVMed-Arbeitskreise für die nächsten zwei Jahre neu benannt. Denise Brecht von B. Braun ist auf der konstituierenden Sitzung des BVMed-Arbeitskreises "Nachhaltigkeit (ESG)" erneut zur Sprecherin gewählt worden. Wir haben mit ihr über die Themen und Ziele des AK ESG gesprochen - und welche Botschaft sie dem neuen Gesundheitsminister mit auf den Weg gibt...
ArtikelBerlin, 08.10.2026
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Was sind die Schwerpunktthemen des Arbeitskreises für die nächsten beiden Jahre – und welche Ziele haben Sie sich dabei gesetzt?
Das ESG-Themenspektrum ist sehr breit und vielschichtig. In den nächsten beiden Jahren wollen wir uns vor allem darauf konzentrieren, Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen voranzutreiben und Branchenstandards für Produktlebenszyklusanalysen bzw. Ökobilanzen von Medizinprodukten zu schaffen.
In der Zusammensetzung des Arbeitskreises war uns wichtig, dass unterschiedliche Unternehmensgrößen und Fachbereiche vertreten sind, um verschiedene Perspektiven und Fachexpertise zusammenzubringen.
Ein themenübergreifendes Ziel ist es, dass der Begriff ESG nicht mehr mit Regulatorik und Bürokratie assoziiert wird, sondern verstärkt mit Innovation, Wirtschaftswachstum und Resilienz in Verbindung gebracht wird. Doch damit Investitionen in Nachhaltigkeit zielführend sind und den größtmöglichen Effekt haben, müssen Regulatorik, Unternehmens- und Klinikaktivitäten besser verzahnt sein.
Neben der Zusammenführung von Best Practice Beispielen und übergreifenden Learnings wollen wir unser regelmäßiges Nachhaltigkeits-Netzwerktreffen fortführen. Die Idee ist, den praxisnahen Austausch mit verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens zu fördern, zum Beispiel mit Kliniken, Arztpraxen, Universitäten, Entsorgungsunternehmen sowie der Politik.
Was sind für Sie die größten Stärken des deutschen Gesundheitssystems und die größten Herausforderungen bei ihren Arbeitskreis-Themen?
Die Hitzewelle in diesem Sommer hat besonders deutlich vor Augen geführt, wie stark Klima und Gesundheit zusammenhängen. Die industrielle Gesundheitswirtschaft hat eine Doppelrolle inne: Einerseits Produktlösungen zu entwickeln zur Behandlung und Vorbeugung zunehmender klimawandelinduzierter Krankheitsbilder – und andererseits den eigenen ökologischen Fußabdruck unserer Branche zu reduzieren. Vor allem mit letzterer Herausforderung beschäftigt sich der AK ESG.
Die Medizintechnik umfasst viele unterschiedliche Produktgruppen mit jeweils unterschiedlichen Möglichkeiten und Einschränkungen was in puncto Nachhaltigkeitsoptimierung machbar ist – es gibt keinen „One-Fits-All“-Ansatz. Unterschiedliche regulatorische, organisatorische und ausstattungstechnische Gegebenheiten zwischen einzelnen Ländern und Kliniken erschweren skalierbare Lösungen, gerade im Bereich Abfallmanagement. Hinzu kommt ein komplexes regulatorisches Rahmenwerk, wo sich branchenspezifische und umweltbezogene Anforderungen mitunter entgegenstehen.
Die Folge: Teils werden mit großem Aufwand Daten generiert, die am Ende nicht wirklich genutzt werden können. Oder es wird in kreislaufoptimierte Verpackungen investiert, die nach Verwendung in der Klinik verbrannt anstatt recyclet werden. Das sind Praxisbeispiele, wo Industrie, Klinik und Politik noch stärker zusammenarbeiten müssen - und zwar abteilungs- und ressortübergreifend.
Sie treffen den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann zufällig im Aufzug: Welche Botschaft geben Sie ihm in den 30 gemeinsamen Sekunden mit auf den Weg?
„Einfach mal machen“, darum geht’s: ins Machen kommen - aber auch das Richtige machen!
Etwa die Hälfte einer Arbeitskreissitzung wird für Fragen zur Umsetzung regulatorischer Anforderungen aus Berlin und Brüssel aufgewendet. Vor allem ständige Veränderungen aber teils auch Widersprüchlichkeiten zwischen umwelt- und gesundheitspolitischen Anforderungen kosten viel Aufwand und bremsen die praktische Arbeit.
Außerdem müssen wir wegkommen von Einzelinitiativen hin zu gemeinsamen, skalierbaren Branchenlösungen. Das betrifft vor allem den Umgang mit Klinikabfall.
Entscheidend: Verstärkte ressortübergreifende Zusammenarbeit bei Regulatorik und Förderprojekten und die frühzeitige Einbindung der Industrie, denn es existieren bereits viele praktische Erfahrungen und herstellerübergreifende Lösungsansätze.
Denise Brecht ist als Government Affairs Managerin bei B. Braun am Standort Berlin tätig.
Die Fragen stellte BVMed-Kommunikationsleiter Manfred Beeres.