Cookie-Einstellungen

Zur fortlaufenden Verbesserung unserer Angebote nutzen wir den Webanalysedienst matomo.

Dazu werden Cookies auf Ihrem Endgerät gespeichert, was uns eine Analyse der Benutzung unserer Webseite durch Sie ermöglicht. Die so erhobenen Informationen werden pseudonymisiert, ausschließlich auf unserem Server gespeichert und nicht mit anderen von uns erhobenen Daten zusammengeführt - so kann eine direkte Personenbeziehbarkeit ausgeschlossen werden. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit über einen Klick auf "Cookies" im Seitenfuß widerrufen.

Weitere Informationen dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

 - Inkontinenz Was bringt Patienten das HHVG?

Artikel

Das von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Heil- und Hilfsmittel-Versorgungsgesetz (HHVG) ist am 11. April 2017 in Kraft getreten. Es enthält zahlreiche Regelungen zur Verbesserung der Qualität in der Hilfsmittelversorgung. So schließt das Gesetz für individuelle Hilfsmittel-Anfertigungen und für Hilfsmittel mit hohem Dienstleistungsanteil Ausschreibungen zukünftig aus. Das ist eine gute Nachricht beispielsweise für Patienten, die mit Stoma-Hilfsmitteln oder ableitenden Inkontinenzprodukten versorgt werden. Darauf weist die Initiative "Faktor Lebensqualität" im Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hin.

Zum Hintergrund: Der Bundestag verabschiedete am 16. Februar 2017 nach langer und intensiver Diskussion das Heil- und Hilfsmittel-Versorgungsgesetz (HHVG), nachdem sich die Versorgung der Versicherten mit Hilfsmitteln auch in Folge von Ausschreibungen verschlechtert hatte. Die Neuregelungen des HHVG wirken diesen negativen Entwicklungen entgegen und sichern eine für die Patienten notwendige Qualität in der Hilfsmittelversorgung – durch Regulierung der Ausschreibungspraxis und Qualitätssicherung der Versorgungen in Ausschreibungen.

In einem wichtigen Punkt präzisiert das Gesetz den Bereich der Versorgung, für den Ausschreibungen nicht zur Anwendung kommen sollen. Im Paragraf 127 Sozialgesetzbuch Fünf (SGB V) hieß es dazu bislang:

»Für Hilfsmittel, die für einen bestimmten Versicherten individuell angefertigt werden, oder Versorgungen mit hohem Dienstleistungsanteil sind Ausschreibungen in der Regel nicht zweckmäßig«.

Das HHVG streicht den Zusatz »in der Regel« und schafft damit einen eindeutigeren Rahmen für die Krankenkassen, welche Patientenversorgungen durch Ausschreibungen an die Leistungserbringer vergeben werden können und für welche dieses Mittel nicht zweckmäßig ist. So schließt der Gesetzgeber für individuelle Hilfsmittel-Anfertigungen und für Hilfsmittel mit hohem Dienstleistungsanteil Ausschreibungen zukünftig regulatorisch aus.

Aufgrund der Individualität und Dienstleistungsintensität der Stoma- und ableitenden Inkontinenz-Versorgung sieht die Initiative Faktor Lebensqualität auch diese Bereiche klar von der Neuregelung erfasst. Die Initiative Faktor Lebensqualität befürwortet diese Korrektur, weil sich damit auch für Stoma- und Katheter-Patienten die Chancen verbessern, dass ihre Versorgung nicht durch ungeeignete Ausschreibungen vertraglich vergeben wird. Beitrittsverträge mit einer Auswahl an geeigneten Leistungserbringern sind hier die erforderliche Vertragsoption.

Stoma-Versorgungen und ableitende Inkontinenz-Versorgungen gehören aus der Sicht der Initiative Faktor Lebensqualität zu den Versorgungsbereichen, für die bereits nach den Kriterien der Gemeinsamen Empfehlungen des GKV-Spitzenverbands von 2009 Ausschreibungen als nicht-zweckmäßig einzustufen sind.

Beide Versorgungen erfordern eine sehr individuelle Beratung und Anleitung der Patienten für den Gebrauch und die richtige Auswahl und Anpassung ihrer Hilfsmittel - und sind daher sehr dienstleistungsintensiv. Die zu Grunde liegenden Krankheitsbilder und deren Fortschreiten sind individuell sehr unterschiedlich. Die Bedürfnisse der Patienten mit ihren eingeschränkten oder nicht mehr vorhandenen Körperfunktionen ändern sich im Laufe der Zeit. Daher muss die Hilfsmittel-Versorgung der Patienten wiederkehrend angepasst werden. Eine unflexible, streng standardisierte Versorgung, wie sie für die Vergabe über Ausschreibungen vorausgesetzt wird, entspricht nicht den Lebensbedürfnissen der Patienten.

Die Stoma-Träger und Katheter-Patienten benötigen ihre individuell angepasste Hilfsmittelversorgung zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger Ausscheidungs- und Blasenfunktionen. Wenn diese nicht auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten wird, besteht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Diese Patienten benötigen für die funktionierende Versorgung die fortwährende Beratung und Unterstützung durch qualifizierte Versorgungsspezialisten. Beide Anforderungen schließen nach Auffassung der Initiative Faktor Lebensqualität die Zweckmäßigkeit von Ausschreibungen aus. Ausschreibungen sind hier gänzlich ungeeignet.

Die Klarstellung im Gesetz, dass für die besonderen Versorgungsbereiche mit individuell angepassten Hilfsmitteln und Hilfsmitteln mit einem hohen Dienstleistungsanteil Ausschreibungen grundsätzlich nicht zweckmäßig sind, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Sie vermeidet negative Auswirkungen der Hilfsmittel-Ausschreibungspraxis auf besonders sensible Versorgungen und sichert für die betroffenen Patienten auch zukünftig eine gute und zeitgemäße Qualität.

Konsequenzen für die Patienten

  • Die Stoma- und Katheter-Versorgungen für Patienten mit Darm- und Blasenfunktionsstörungen gehören zweifelsfrei zum Bereich der individuellen, sensiblen Versorgungen mit einem hohen Dienstleistungsanteil, für den Ausschreibungen nicht zweckmäßig sind. Daher sollen Krankenkassen zukünftig auf das Instrument der Ausschreibungen verzichten.
  • Damit helfen sie ihren Versicherten, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen - mit und trotz ihrer Krankheit und Behinderung.
  • Der Wille des Gesetzgebers für eine qualitative Hilfsmittel-Versorgung und die regulatorische Umsetzung mit dem HHVG sollten von allen Beteiligten ernst genommen und als Leitgedanke in der Hilfsmittel-Versorgung umgesetzt werden. Nur so kann es gelingen, den Patienten die erforderliche Produkt- und Versorgungsqualität zu bieten und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Ihr Kontakt zu uns

Service

News abonnieren

Sie möchten auf dem Laufenden bleiben?
Abonnieren Sie unsere kostenlosen Newsletter, E-Mail-Alerts zu unseren Themen oder Pressemeldungen.

Jetzt abonnieren

Das könnte Sie auch interessieren

  • Digitale Versorgung
    BVMed-Stellungnahme zum GeDIG: Mehr Innovationsimpulse, weniger Bürokratie

    Der BVMed erwartet von der parlamentarischen Beratung des Gesetzes für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) eine frühere Einführung der elektronischen Verordnung für Hilfsmittel, mehr Regelungsvereinfachungen und stärkere Impulse für digitale Innovationen.

    Pressemeldung08.09.2026

    Mehr lesen
  • Homecare
    Homecare-Management-Kongress 2026 der BVMed-Akademie: Wie kann die ambulante Versorgung gestärkt werden?

    Das deutsche Gesundheitssystem steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Welche Lösungen sind erforderlich, um die ambulante Versorgung zu stärken? Mit dieser Frage befasst sich der 12. Homecare-Management-Kongress 2026 der BVMed-Akademie am 10. und 11. November 2026 in Berlin.

    Pressemeldung25.08.2026

    Mehr lesen
  • Homecare-Therapien: Stoma-Versorgung

    Hilfsmittel
    Selbsthilfe: Hilfsmittel-Versorgung bei Stoma und Selbstkatheterismus sichern

    Die Selbsthilfe Stoma-Welt e.V. und die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. rufen dazu auf, die Hilfsmittel-Versorgung für Menschen zu sichern, die einen künstlichen Blasen- oder Darmausgang haben oder den intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK) anwenden.

    Artikel24.08.2026

    Mehr lesen

Kommende Veranstaltungen

  • Online-Seminar
    Antragsverfahren Hilfsmittelverzeichnis

    Von welchen Kriterien ist die Aufnahme in das Hilfsmittelverzeichnis abhängig? Welche vorbereitenden Arbeiten müssen vor einer Antragstellung geleistet werden? Wie kommen Innovationen in das Hilfsmittelverzeichnis? Welche Analyse ist in vertriebstechnischer Hinsicht schon im Rahmen der Produktentwicklung sinnvoll? Diese und weitere Fragen erörtern die Experten dieses Online-Seminars.

    SeminarDigital
    08.10.2026 10:00 - 16:00 Uhr
    Veranstalter: BVMed-Akademie
    Schwerpunkt: Hilfsmittel

    Zur Veranstaltung: Antragsverfahren Hilfsmittelverzeichnis
  • Einsteigerseminar
    Einführung in die Hilfsmittelversorgung

    Die Versorgung mit Hilfsmitteln im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist gesetzlich klar geregelt – in der Praxis aber oftmals alles andere als einfach. Wer hier erfolgreich teilhaben möchte, braucht fundiertes Wissen über gesetzliche Vorgaben, Verträge und Abläufe. Einen idealen Einstieg bietet unser digitales Einsteigerseminar. Jetzt anmelden und praxisnahes Know-how für...

    SeminarDigital
    05.11.2026 09:30 Uhr - 06.11.2026 13:00 Uhr
    Veranstalter: BVMed-Akademie
    Schwerpunkt: Hilfsmittel

    Zur Veranstaltung: Die Hilfsmittelversorgung im deutschen Gesundheitssystem
  • BVMed
    BVMed-Austauschforum

    GesprächsforumVor Ort
    Hamburg, 05.11.2026 10:30 - 15:00 Uhr
    Veranstalter: BVMed
    Schwerpunkt: Homecare

    Zur Veranstaltung: Austauschforum

Ihre Vorteile als BVMed-Mitglied

  • Organisation

    In über 80 Gremien mit anderen BVMed-Mitgliedern und Expert:innen in Dialog treten und die Rahmenbedingungen für die Branche mitgestalten.

  • Information

    Vom breiten Serviceangebot unter anderem bestehend aus Veranstaltungen, Mustervorlagen, Newslettern und persönlichen Gesprächen profitieren.

  • Vertretung

    Eine stärkere Stimme für die Interessen der Branche gegenüber politischen Repräsentant:innen und weiteren gesundheitspolitischen Akteur:innen erhalten.

  • Netzwerk

    An Austauschformaten mit anderen an der Versorgung beteiligten Akteur:innen, darunter Krankenkassen, Ärzteschaft oder Pflege teilnehmen.

Die Akademie

Von Compliance über Nachhaltigkeit bis hin zu Kommunikation. Unsere Akademie bietet der MedTech-Community eine Vielfalt an Veranstaltungen zur Fort- und Weiterbildung an. Entdecken Sie unsere Seminare, Workshops und Kongresse.

Zu den Veranstaltungen