- Telemonitoring Fallbeispiel Telemonitoring: Hospital@Home
Zuhause gesund werden und dabei weiterhin von der Klinik überwacht werden. Mit einem individuell kalibrierten Medizinprodukt am Handgelenk können Patient:innen früher aus dem Krankenhaus entlassen werden, während ihre Vitaldaten weiterhin kontinuierlich erfasst und im Krankenhaus gemonitort werden. Die Datenerfassung auf dem Niveau des Patientenmonitors im Krankenhaus mit intelligenten Alarmierungen bringt die Sicherheit der Krankenhausversorgung nach Hause.
Artikel27.08.2026
Beschreibung des Ist-Zustands
Hospital@Home adressiert Fälle, die wegen einer gewissen Gefahr der Eskalation im Krankenhaus noch überwacht werden müssen, um bei Bedarf reagieren zu können und gleichzeitig schon stabil und entlassungsfähig sind. Heute bleiben diese Patient:innen im Krankenhaus, wo nur selten jemand auf die Werte schaut, aber Hilfe schnell da wäre. So werden stationäre Betten und Fachpersonal durch Patient:innen gebunden, die medizinisch stabil sind, aber noch überwacht werden müssen.
Ob die vorzeitige Entlassung mit Überwachung zentraler Vitalwerte in Frage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab: Zustimmung, häusliche Situation, Erkrankungsbild, Komorbiditäten und die personellen Möglichkeiten auf entgleisende Werte zu reagieren.
All diese Fälle bleiben derzeit im Krankenhaus, denn Vergütungslogik und Sektorentrennung machen eine andere Versorgung nicht möglich. Der Krankenhausaufenthalt wäre beendet, wenn der Patient entlassen wird, und das Krankenhaus wäre nicht mehr für die Versorgung zuständig. Eine Überweisung in den ambulanten Bereich wäre aber auch nicht angemessen, da es um die Folgebeobachtung geht.
Die gewünschte Ambulantisierung könnte befördert werden, ohne auf eine qualitativ hochwertige dauerhafte Überwachung zu verzichten. Zudem adressiert die Lösung zentrale Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Bettenknappheit und Kostensteigerungen.
Beschreibung der Telemonitoring-Lösung
Eingesetzt wird ein zugelassenes Medizinprodukt (etwa Klasse IIa) das am Körper getragen wird. Es wird auf den Patienten kalibriert und erfasst zuverlässig die notwendigen Vitalparameter, die ein Monitor im Krankenhaus ebenso erfassen würde. Das Wearable sendet dauerhaft Daten, bis es aufgeladen werden muss. Voraussetzung ist die Verfügbarkeit von WLAN und eine Übertragungsmöglichkeit (stationär im Krankenhaus oder mit einem Smartphone in der Häuslichkeit). Die Daten werden in einer Datenbank erfasst, dank Software und KI ermöglicht ein übersichtliches Dashboard dem Fachpersonal einen schnellen Überblick über die Vitaldaten. Alarme können nach Bedarf konfiguriert werden.
Eine Voraussetzung ist, dass das Wearable valide die Patientendaten erfasst, beim derzeitigen Stand der Technik müssen einige Werte patientenindividuell kalibriert werden, um die Vergleichbarkeit der Daten mit der traditionellen Messung sicherzustellen. Dabei kann die Funktionsweise erklärt und der Patient eingewiesen werden. Es existiert bereits mindestens ein CE-zertifiziertes Medizinprodukte, das die Genauigkeit, Verlässlichkeit und Sicherheit solcher Messungen mit einem Wearable am Handgelenk nachgewiesen hat.
Für den Einsatz solcher Technologien ist das Einverständnis der Patienten und deren geeignete technische Voraussetzungen unbedingt notwendig, ebenso spielt die häusliche Situation eine Rolle –welches Szenario könnte entstehen, wie kann bei Bedarf reagiert werden, wer öffnet die Tür… Diese Fragen hängen auch vom Krankheitsbild, Komorbiditäten und Risiken ab, die jeweils patientenindividuell abgewogen werden müssen.
Die Frage der Intervention bei Bedarf ist ebenfalls abhängig vom Einsatzgebiet und den regionalen Rahmenbedingungen. Die Möglichkeiten reichen von Anrufen/Videocalls zur genaueren Absprache bis hin zum zeitnahen Rücktransport ins Krankenhaus oder gar Einsatz eines Rettungswagens.
Die gesammelten Daten müssen automatisch übersichtlich dargestellt werden, um einen schnellen Überblick zu bekommen. Dieses Datenmanagement muss überwacht werden und geeignete Gesundheitsfachberufe verfügbar sein, um auf Eskalationen reagieren zu können. Wer genau und in welchem Setting diese Aufgabe übernommen wird, ist flexibel zu gestalten, solange die Reaktionsgeschwindigkeit und die Reaktionsmöglichkeiten den so versorgten Fallkonstellationen entsprechen.
Das System wird im europäischen Ausland in vergleichbaren Settings eingesetzt und hat dort nachweislich zu frühzeitigen Krankenhausentlassungen bei gleichem medizinischem Erfolg und zu Kostensenkungen geführt.
Der Einsatz dieser Lösung könnte dazu beitragen:
- dass die Ambulantisierung bei gesicherter Qualität vorangetrieben wird.
- dass Patienten in der Häuslichkeit sicher überwacht werden, solange Bedarf dafür besteht,
- dass die Kosten im Krankenhaus gesenkt werden.
Vorteile der Lösung auf einen Blick
Die Vorteile der Telemonitoring-Lösung für die Patient:innen-Versorgung und das Gesundheitssystem auf einen Blick:
- Früher aus dem Krankenhaus nach Hause und trotzdem auf Krankenhausniveau überwacht.
- Nahtlose Versorgung und Überwachung nach dem Krankenhausaufenthalt, bei Bedarf schnelle Reaktion.
- Kürzere Krankenhausaufenthalte durch datengestützt effizienten Einsatz von Fachpersonal.
- Patient:innen könnten früher in die vertraute häusliche Umgebung zurückkehren, sofern die Sicherheit gewährleistet ist.
Verfügbarkeit der Lösung: Markzugang und Erstattung
Zentrale Hürde ist die fehlende leistungsrechtliche Einordnung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Die „Fortsetzung“ des stationären Aufenthalts in der Häuslichkeit ist nicht vorgesehen, mit der Entlassung wäre die Versorgung vom ambulanten Sektor zu übernehmen. Eine Übergabe an die andere Versorgungsebene ist jedoch für einen kurzen Nachbeobachtungszeitraum kaum sinnvoll.
Die Umsetzung eines krankenhausverantworteten Telemonitorings nach stationärer Behandlung scheitert bislang an fünf zentralen Hürden:
- der unklaren Einordnung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung
- einer fehlenden abrechenbaren Leistungsdefinition für Monitoring, Alarmmanagement und Intervention,
- ungeklärten Verantwortlichkeiten nach der Entlassung,
- nicht gesicherter Refinanzierung von Technik- und Personalaufwand
- sowie fehlender Evidenz zu Sicherheit, Verweildauerverkürzung, Kostenersparnis und Versorgungsqualität.
Zur Überwindung der bestehenden Hürden sollte zuerst eine klare Leistungsbeschreibung für ein krankenhausverantwortetes Telemonitoring nach stationärer Behandlung entwickelt werden, die Monitoring, Alarmierung und Interventionspfade eindeutig definiert. Darauf aufbauend ist ein verlässliches Vergütungsmodell nötig, beispielsweise innerhalb der DRG. Pilot- und Modellvorhaben mit Krankenkassen, Krankenhäusern und regionalen Versorgungsstrukturen können die praktische Umsetzung erproben
Fazit
Neue datengestützte Möglichkeiten das Fachpersonal und Krankenhauskapazitäten gezielt einzusetzen, sollten nutzbar werden. Die Datenerfassung in der Häuslichkeit der Patient:innen ist auf einem Niveau, das gesicherte Datenströme ermöglicht, die durch intelligente Software leicht überwachbar werden. Den Krankenhäusern sollte ein Experimentierraum geöffnet werden, wie sie mit dieser Überwachungsoption umgehen, welche Fälle dafür geeignet sind und welche regionalen Strukturen dafür eingebunden werden.