Medizintechnik und IT

OR.NET: Vernetzung von Medizingeräten im OP

BMBF-Projekt zu Schnittstellen für den vernetzten Operationssaal

In einem vernetzten Operationssaal können Medizingeräte unterschiedlichster Art und Hersteller künftig in Echtzeit miteinander, mit dem Operateur und mit der IT-Infrastruktur der Krankenhäuser kommunizieren. Das neue System wurde in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt "OR.NET" entwickelt. Es schafft Schnittstellen für den Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Medizingeräten. Die dadurch gebündelten Informationen über den Gesundheitszustand des Patienten stehen dem Arzt in Echtzeit während der Operation visualisiert zur Verfügung.

"Gerade bei komplizierten Operationen ist es wichtig, dass Ärzte sehr schnell sehr genau arbeiten und sich voll auf den Patienten konzentrieren können. Dafür müssen alle notwendigen Informationen auf einen Blick und unmittelbar am OP-Tisch verfügbar sein. Das haben wir jetzt erreicht und ich erhoffe mir dadurch eine noch bessere medizinische Versorgung", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung des Projekts im April 2016. Beispielsweise können bei einer Operation bereits vorhandene Röntgenbilder dem Operateur direkt zur Verfügung gestellt werden. Auch aktuelle Gesundheitsdaten und Vitalparameter lassen sich nun an einer Arbeitsstation wie beispielsweise dem OP-Mikroskop zusammenführen und bleiben somit stets im Blickfeld des Chirurgen.

Von den Forschungsergebnissen profitieren neben den hoch innovativen kleinen und mittleren Medizintechnik-Unternehmen vor allem Kliniken. Sie sind künftig nicht mehr auf die Installation kompletter Gesamtlösungen einzelner großer Hersteller angewiesen, sondern können flexibel die Geräte unterschiedlichster Hersteller integrieren. "Unsere Forschung trägt auch dazu bei, die Gesundheitskosten zu reduzieren", sagte Wanka.

In "OR.NET" haben in den vergangenen vier Jahren mehr als 80 Partner an Systemen für den vernetzten Operationssaal gearbeitet - die meisten sind kleine und mittlere Unternehmen. Das BMBF hat das Projekt mit 15 Millionen Euro gefördert. Entstanden sind nicht nur Konzepte zur Vernetzung von Medizingeräten in Operationssaal und klinischer IT-Umgebung, die eine sicherere Integration und einen dynamischen Austausch von Medizingeräten ermöglichen, auch die internationale Standardisierung der im Projekt erarbeiteten Vernetzungsansätze wurde angestoßen. Dadurch werden einheitliche Standards für Schnittstellen und Protokolle etabliert, die die Konkurrenzfähigkeit des "OR.NET"-Ansatzes auch auf internationalen Märkten sichern. Weltweit gibt es derzeit keine mit "OR.NET" vergleichbaren Initiativen. Zusätzlich zum wirtschaftlichen Nutzen, der auf die leichtere Integration von Medizingeräten auch kleiner, innovativer Hersteller zurückzuführen ist, sorgen die Ergebnisse aus "OR.NET" durch neue, kombinierte Gerätefunktionen für eine Entlastung des behandelnden Personals und tragen somit zu verbesserter Patientensicherheit und einem Anstieg der Behandlungsqualität bei.

Mehr Informationen auf der BMBF-Webseite oder im OR.NET-Portal.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • ePA und Digital Health: Ärzte fühlen sich schlecht vorbereitet

    Kurz vor dem geplanten Start der elektronischen Patientenakte (ePA) zum 1. Januar 2021 fühlen sich Ärzte schlecht darauf vorbereitet, so eine repräsentative Barmer-Umfrage. Jeder dritte Arzt fühlt sich demnach schlecht auf die ePA vorbereitet; 27 Prozent der Ärzte scheinen gut oder sehr gut für eine Beratung zur ePA gewappnet; 94 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Informationen zur ePA – insbesondere was die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten betrifft. Weiterlesen

  • MedInform Weiterlesen

  • BVMed: "Investitionsoffensive aus dem 'Zukunftsprogramm Krankenhäuser' für robotische Assistenzsysteme im OP"

    Das vom Koalitionsausschuss beschlossene "Zukunftsprogramm Krankenhäuser" in Höhe von 3,9 Milliarden Euro sollte nach Ansicht des BVMed einen klaren Fokus auf Zukunftstechnologien wie Robotik in der medizinischen Versorgung oder Digitalisierungstechnologien in der Patientenbehandlung haben. "Für diese Fokusbereiche sollten die Mittel den Krankenhäusern schnell und zweckgebunden zur Verfügung gestellt werden", so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Es bedarf konkreter gesetzlicher Vorgaben, damit das "Zukunftsprogramm Krankenhäuser" nicht im "unkontrollierten Gießkannenprinzip" mündet, heißt es in einem neuen Positionspapier des BVMed-Fachbereichs Robotik. Weiterlesen


©1999 - 2020 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik