Wirtschaftskraft

"Zielbild Medizintechnik 2025": Industrieverbände fordern in einem gemeinsamen Positionspapier die Stärkung des Medizintechnik-Standorts Deutschland

Gemeinsame Pressemeldung BVMed | Spectaris | ZVEI

„Deutschland muss ein starker Medizintechnikstandort sein und bleiben“, erklären die drei Medizintechnik-Branchenverbände BVMed, SPECTARIS und ZVEI in ihrem gemeinsamen "Zielbild Medizintechnik 2025". Zu den Forderungen gehört ein ressortübergreifender und strategischer "MedTech-Dialog" in Anlehnung an andere Branchendialoge, um gesundheits-, wirtschafts- und forschungspolitische Aspekte gemeinsam zu berücksichtigen. „Die Medizintechnik muss und will leistungsstark sein, daran gibt es spätestens seit der jüngsten Pandemie-Erfahrung keine Zweifel mehr. Mit unserem Zielbild 2025 geben wir der Politik nicht nur die nötigen reformpolitischen Handlungsempfehlungen an die Hand, sondern appellieren verbandsübergreifend und eindringlich, dass in der kommenden Legislatur gemeinsam gehandelt werden muss“, betonen die drei Verbände.

Downloads: Zielbild Medizintechnik 2025 | Bild Dr. Marc-Pierre Möll | Bild Medizintechnik

Insgesamt fünf Handlungsfelder entlang der Wertschöpfungskette zeigen die Wirtschaftsverbände auf, für eine innovative, wirtschaftlich gesunde und international wettbewerbsfähige deutsche Medizintechnikbranche 2025 und darüber hinaus. Hierzu brauche es eine koordinierte industriepolitische Unterstützung der Branche, um strukturelle Reformen anzupacken: Getrennte Ressortzuständigkeiten für Gesundheit, Forschung und Wirtschaft verhindern bislang eine politische Gesamtstrategie für die Medizintechnik. Ihre komplexen Belange in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Regulierung, Produktion und Marktzugang gehen dabei zu oft unter. Die Verbände schlagen neben einem strategischen „Med-Tech-Dialog“ unter Einbindung der drei Bundesministerien für Wirtschaft, Forschung und Gesundheit zudem eine digitale Bestandsplattform versorgungskritischer Medizinprodukte, eine bessere Förderung klinischer Studien sowie einen Zugang der Unternehmen zu Gesundheitsforschungsdaten vor.

„Forschung und Produktion müssen für mittelständische Medizintechnik-Unternehmen am Standort Deutschland weiterhin möglich sein. Dafür müssen wir die Produktions- und Lieferketten stärken und smarte Lösungen unter Einbindung der MedTech-Industrie entwickeln", so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

Besonderes Potenzial sehen die Verbände in der Digitalisierung: „Die digitalen Möglichkeiten müssen auch in der Medizintechnik stärker in die deutsche Gesundheitswirtschaft integriert werden“, so Hans-Peter Bursig, ZVEI-Fachverbandsgeschäftsführer Elektromedizinische Technik. „Wir müssen die Voraussetzungen für einen Datenraum Gesundheit schaffen, die Einbindung in den European Health Data Space gewährleisten und so einen rechtssicheren Zugang zu diesen Daten für auch für die Industrie erreichen.“ Anonymisierte Gesundheitsdaten für die kommerzielle Forschung, Entwicklung und Innovationen spielten eine immer wichtigere Rolle.

Dass Herstellungsprozesse und der Marktzugang in der EU für die Medizintechnik immer komplexer werden, sehen die Verbände auch aufgrund steigender regulatorischer Anforderungen: „Die Medizintechnik-Branche hat mit einer seit Jahren ansteigenden Flut an Regulierungen zu kämpfen, nicht zuletzt durch die Medical Device Regulation (MDR), deren bürokratischer Mehraufwand nicht immer zu zusätzlicher Patientensicherheit beiträgt. Diesem Trend gilt es mit dem politischen Willen zu begegnen, jede neue Regulierung auch an ihren Auswirkungen auf die Wettbewerbs- und Innnovationsfähigkeit unserer Hightech-Industrie zu messen“, betont Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender der Medizintechnik im Deutschen Industrieverband SPECTARIS.

Ziel müsse sein, den Medizintechnikindustriestandort Deutschland dauerhaft zu stärken. Die Vorstellung des Zielbildes ist der Auftakt für einen politischen Diskurs, der in der nächsten Legislaturperiode fortgeführt und intensiviert wird.

Das Zielbild kann unter www.bvmed.de/zielbild2025 heruntergeladen werden.

Der BVMed vertritt als Wirtschaftsverband rund 230 Hersteller und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 235.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 34 Milliarden Euro, die Exportquote bei 66 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMUs. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Industrie und vor allem des MedTech-Mittelstandes.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Ukraine-Krieg | Info-Blog

    Im Info-Blog zum Ukraine-Krieg informiert der BVMed über relevante Informationen und Dokumente für die MedTech-Branche. Mehr

  • Homecare-Management-Kongress der BVMed-Akademie am 24. November 2022 zur Stärkung ambulanter Versorgung

    Der 9. Homecare-Management-Kongress der BVMed-Akademie widmet sich am 24. November 2022 in Berlin innovativen, integrativen und interdisziplinären Versorgungskonzepten, um die ambulante Versorgung zu stärken. Dabei geht es auch um die Rolle nicht-ärztlicher Leistungserbringer in Versorgungsstrukturen der Zukunft sowie eine individuelle Hilfsmittelversorgung als Grundlage zum Ausgleich einer Behinderung und die Hilfsmittelversorgung in der digitalen Infrastruktur. Am Vorabend wird es eine politische Podiumsdiskussion zu den Perspektiven der ambulanten Versorgung geben. Mehr

  • SpiFa warnt vor Versorgungsengpässen für Medizinprodukte

    Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sollte den drohenden Ressourcenengpass für Medizinprodukte ernst nehmen und entsprechende Maßnahmen für eine zügige Neuzertifizierung in den dafür Benannten Stellen einleiten. Das hat der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) angemahnt, berichtet das Deutsche Ärzteblatt Online. Hintergrund ist, dass etliche Krankenhäuser und der BVMed seit Monaten vor Notlagen aufgrund fehlender Medizinprodukte warnen. Mehr


©1999 - 2022 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik