Homecare

COVID-19 | Ambulante Homecare-Versorgung stärken – zur Entlastung der Kliniken

Um die Kliniken in den nächsten Wochen und Monaten im Kampf gegen COVID-19 zu entlasten, darf die ambulante Versorgung beispielsweise von heimbeatmeten Patienten durch Homecare-Unternehmen nicht vernachlässigt werden. "Homecare-Unternehmen, die Patienten im häuslichen Umfeld mit Beatmungstherapien, künstlicher Ernährung und weiteren lebensnotwendigen medizinischen Hilfsmitteln versorgen, gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen jetzt ebenfalls gestärkt werden. Wir brauchen auch einen Schutzschirm für diese ambulante Versorgung von schwer chronisch kranken Patienten!", forderte BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Gemeinsam mit 15 anderen Verbänden hat der BVMed in der "Interessengemeinschaft Hilfsmittelversorgung" (IGHV) ein entsprechendes Positionspapier zum Thema "Kliniken entlasten durch sichere ambulante Versorgung mit Hilfsmitteln" vorgelegt. Das Papier kann unter www.bvmed.de/positionen abgerufen werden.

Das IGHV-Papier enthält unter anderem folgende Forderungen:
  • Hilfsmittelleistungserbringer müssen als zentraler Stabilisator der ambulanten Versorgung bei der Distribution der Schutzausrüstung berücksichtigt werden.
  • Kompensationszahlungen müssen sich – analog der Regelungen für Kliniken und Ärzte – auch auf die Leistungserbringer und Hersteller von Hilfsmitteln erstrecken.
  • Die Hilfsmittelleistungserbringer und -hersteller sind systemrelevante Partner der ambulanten Versorgung und als solche Teil der kritischen Infrastruktur. Sie müssen in die entsprechenden Ausnahmeregelungen und Fördermaßnahmen eingebunden werden.

"Die Homecare-Fachkräfte benötigen medizinische Schutzausrüstung, weil sie die Versorgung direkt am Patienten durchführen. Es ist wichtig, diese lebensnotwendige Patientenversorgung in häuslicher Umgebung oder Pflegeeinrichtungen als Teil der kritischen Infrastruktur anzuerkennen und zu fördern", so BVMed-Geschäftsführer Möll.

Die im BVMed organisierten Homecare-Unternehmen schildern aus der Praxis vermehrt massive Probleme bei der Beschaffung der erforderlichen Schutzausrüstungen wie Schutzmasken und Brillen. Wenn die notwendigen Medizinprodukte nicht mehr beschafft werden können, sind die Pflegefachkräfte der Homecare-Unternehmen somit außerstande, die ambulante Versorgung dieser oftmals geriatrischen Patientengruppe durchzuführen. "Die Patienten müssten dann in Krankenhäuser eingewiesen werden, was in der aktuellen Situation absolut kontraproduktiv ist", bemängelt der BVMed bereits Mitte März in einem Schreiben an den Pflegebeauftragten der Bundesregierung.

Der Mehraufwand für die Coronavirus-bedingten Zusatzaufwendungen der Hilfsmittel-Leistungserbringer sollte diesen auch erstattet werden. Analog zu den Regelungen für Kliniken bedarf es auch für die Homecare-Unternehmen eines entsprechenden Aufschlags für die medizinische Schutzausrüstung für die Fälle, in denen Schutzkleidung aufgrund einer Infizierung bzw. eines Verdachtsfalls genutzt werden muss.
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