Gesetzliche Krankenversicherung

BVMed zum MDK-Reformgesetz: "Medizinprodukte-Experten bei der Begutachtung stärker einbinden"

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) setzt sich dafür ein, dass die Fachkenntnisse der Medizinprodukteindustrie bei der Begutachtung von stationären Leistungen mit Medizinprodukten durch die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDB/MD) mit eingebunden werden. "Zur Bildung einer adäquaten Informationsgrundlage muss es einen strukturierten Dialog zwischen dem Medizinischen Dienst, den Anwendern und den Herstellern geben", heißt es in der BVMed-Stellungnahme zum Referentenentwurf des MDK-Reformgesetzes. Die BVMed-Stellungnahme zum MDK-Reformgesetz kann im Internet unter www.bvmed.de/positionen abgerufen werden.

Neben der erforderlichen Anpassung der Begutachtungs-Prozesse fordert der MedTech-Verband zudem "mehr Transparenz der Verfahren und eine bessere Qualifizierung der Gutachter des Medizinischen Dienstes", so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Derzeit gibt es nur im Vertragsarztbereich eine gesetzlich verankerte Fortbildungspflicht, die bei Nichteinhaltung mit Sanktionen belegt ist. Die Ärztekammern haben daher ein Fortbildungszertifikat geschaffen, das beim Nachweis von mindestens 250 Punkten in einem Zeitraum von 5 Jahren ausgestellt wird. Dieses System könnte nach Ansicht des BVMed auch als Grundlage für eine angemessene Fortbildung der Ärzte im Medizinischen Dienst dienen. "Die Stärkung der fachlichen Kompetenz des Medizinischen Dienstes ist dringend erforderlich", so Möll.

Die Erfahrungen mit den stationären Prüfverfahren hätten nach Ansicht des BVMed gezeigt, dass die notwendige Informationsgrundlage zur Begutachtung von Einzelfällen fachlich oftmals unzureichend und unvollständig ist, die notwendigen spezifischen Sachkenntnisse nicht flächendeckend zur Verfügung stünden und keine Verfahrenstransparenz gewährleistet werde. "Dies kann zu ungerechtfertigten Leistungseinschränkungen bis hin zur vollständigen Leistungsverweigerung für medizinisch notwendige Behandlungsmethoden im Krankenhaus führen", heißt es in der BVMed-Stellungnahme.

Ein großes Problem bestehe zudem bei Leistungen, die bislang stationär durchgeführt wurden, künftig aber auch nach dem Grundsatz "ambulant vor stationär" im ambulanten Bereich erbracht werden können. Dieser Zugang der Patienten zum ambulanten Operieren soll durch das Gesetz erleichtert werden. Kann eine Leistung ambulant erbracht werden, stellt der Medizinische Dienst allerdings die Frage, warum eine Leistung noch stationär abgerechnet wird. Da eine Erstattungsentscheidung im ambulanten Bereich aber viel Zeit benötigt, kann es dadurch zu Versorgungslücken zu Lasten der betroffenen Patienten kommen. Ein Negativbeispiel ist hier der implantierbare Ereignisrekorder zur Diagnose eines Schlaganfalls oder Synkopen unbekannter Ursache. "Dies kann nur durch eine gesetzliche Klarstellung gelöst werden", so der BVMed.

Hinweis an die Medien:
Die BVMed-Stellungnahme zum MDK-Reformgesetz kann unter www.bvmed.de/positionen abgerufen werden.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Beirat: Patientenversorgung auch in der Corona-Pandemie gewährleistet | Freihaltepauschale ist wirksam

    Die Analyse der Leistungsdaten aller deutschen Krankenhäuser zeigt nach Ansicht des BMG-Beirats, dass trotz der Aufforderung der Bundesregierung im Frühjahr 2020, planbare Leistungen zu verschieben, die stationäre Versorgung in Deutschland im ersten Pandemiejahr 2020 flächendeckend gewährleistet werden konnte. Nach einem Rückgang der Krankenhausfälle im Frühjahr um ca. 30 Prozent, wurden auf Jahressicht im Bereich der allgemeinen Krankenhäuser 13 Prozent weniger Fälle als im Vorjahr versorgt. Im Jahresdurchschnitt waren vier Prozent aller Intensivbetten mit Corona-Patientinnen und -Patienten belegt. Weiterlesen

  • Neues Gutachten: OP-Mindestmengen sorgen für mehr Qualität und Transparenz

    Die Konzentration von Operationen auf weniger Krankenhäuser sorgt vor allem bei komplexeren Eingriffen für mehr Qualität. Zudem ziehen fallzahlstarke Krankenhäuser qualifizierte Ärzte und Pflegekräfte an, was die Versorgung dort insgesamt aufwertet. Das geht aus dem Gutachten „Qualitätsverbesserung durch Leistungskonzentration in der stationären Versorgung“ hervor, das das Berliner IGES-Instituts im Auftrag des Verbands der Ersatzkassen (vdek) erstellt hat. Weiterlesen

  • Gesundheitsausgaben im Jahr 2019 auf über 400 Milliarden Euro gestiegen

    Im Jahre 2019 wurden − durch alle Ausgabenträger einschließlich privater − insgesamt 410,8 Milliarden Euro für Gesundheit ausgegeben. Das waren 19,3 Milliarden Euro bzw. 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr (Quelle: Gesundheitsausgabenbericht 2019 des Statistischen Bundesamtes vom 6. April 2021). Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 11,9 Prozent, so dass nicht von einer Kostenexplosion gesprochen werden kann. Weiterlesen


©1999 - 2021 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik