Konjunkturumfrage

DIHK-Gesundheitsreport: Mehr Unsicherheiten belasten Branche

Die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft sehen sich zunehmend Risiken wie steigenden Energie- und Rohstoffpreisen sowie Arbeitskosten konfrontiert. Wirtschaftspolitische Themen treten mehr in den Hintergrund. Zu diesen Ergebnissen kommt der DIHK-Gesundheitsreport Jahresbeginn 2022.

Seit der Herbstumfrage 2021 steige die Risikoschätzung der Betriebe in der Gesundheitsbranche bei den Energie- und Rohstoffpreisen stark an (von zuvor 39 auf 51 Prozent). Laut der Umfrage sehen aktuell nur noch 36 Prozent der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risikofaktor an (zuletzt 46 Prozent). Beim Fachkräftemangel liege die Risikoschätzung mit 66 Prozent nur knapp unterhalb des Allzeithochs (67 Prozent zu Jahresbeginn 2019) und ist weiterhin stärker ausgeprägt als in der Gesamtwirtschaft. Neben den Problemen bei der Suche und Bindung geeigneter Fachkräfte bedeuten auch hohe Arbeitskosten ein Risiko für die Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft. Branchenübergreifend liege die Risikoschätzung bei 43 Prozent (zuletzt 38 Prozent) – der höchste Wert seit Jahresbeginn 2015.

Die Geschäftslage der Branche befinde sich noch unter Vorkrisenniveau zu Beginn des Jahres 2020. Fast zwei von fünf Unternehmen (39 Prozent) beurteilen ihre Geschäftslage als „gut“ und 16 Prozent als „schlecht“. Der resultierende Saldo von 23 Prozentpunkten liege konstant auf dem Niveau der Herbstumfrage 2021. Für die kommenden zwölf Monate rechnen 24 Prozent der Betriebe mit einer Verbesserung, 19 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte. Mit einem Saldo von fünf Punkten liegen die Geschäftserwartungen deutlich niedriger als im Herbst 2021 (hier 14 Punkte) und zum ersten Mal seit der Frühsommerumfrage 2011 blicken die Unternehmen der Gesundheitsbranche nicht mehr zuversichtlicher in die Zukunft als die Unternehmen in der Gesamtwirtschaft (Saldo von nun jeweils fünf Punkten). 38 Prozent der Unternehmen geben an, mehr Investitionen tätigen zu wollen. 16 Prozent der Betriebe wollen in den nächsten Monaten weniger investieren. (...)

Störungen der Lieferketten in der Medizintechnik

In der Medizintechnik haben sich neben der Geschäftslage auch die Wachstumsaussichten verschlechtert. So bezeichnen 38 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als „gut“, 17 Prozent ordnen sie als „schlecht“ ein, wodurch sich ein Saldo von 21 Punkten ergibt (zuletzt 40 Punkte). Zum Vergleich: Vor der Corona-Pandemie lag der Saldo zuletzt im Jahr 2010 auf diesem niedrigen Niveau.

Negativ wirke sich auch die neue EU-Verordnung über Medizinprodukte (MDR) aus, die eine kostensteigernde Belastung für die Branche darstelle, da mehr Personal erforderlich sei, um die gestiegenen rechtlichen Anforderungen umzusetzen. Besonders ausgeprägt sei entsprechend die Risikoschätzung der Arbeitskosten in der Medizintechnik (47 nach zuletzt 45 Prozent). Zudem gehen die die Investitionsabsichten zurück: Nur noch 46 Prozent der Betriebe wollen in Produktinnovationen investieren (nach zuletzt 53 Prozent) – der niedrigste Wert seit Frühsommer 2015. Zudem seien in der Medizintechnik die Exporterwartungen gesunken (16 nach zuletzt 29 Punkten) und bleiben erstmals hinter den Erwartungen der Industrie insgesamt (20 Punkte). Risiken bürge weniger eine nachlassende Auslandsnachfrage, sondern vielmehr eine gestörte globale Logistik, Lieferschwierigkeiten und Preissteigerungen bei Vorleistungen und Energieträgern. So haben 42 Prozent der Betriebe angegeben, dass sie in erheblichem Umfang mit Lieferengpässen konfrontiert sind.

Und auch die Beschäftigungsabsichten werden reduziert, allerdings von einem hohen Niveau kommend (17 nach zuletzt 32 Punkten). Der Fachkräftemangel und die steigenden Energie- und Rohstoffpreise (81 Prozent) machen den Betrieben zu schaffen. Die Invasion Russlands in der Ukraine führe zu weiteren Störungen der Lieferkette und zu zusätzlichen Preissteigerungen.

Gesundheitsdienste: weniger Fachkräfte, mehr Pflegebedürftige

Im Branchenvergleich sei die Geschäftslage bei den Gesundheits- und sozialen Diensten weiterhin am schlechtesten, insbesondere wegen der Personalnot (81 nach zuletzt 83 Prozent). Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate fallen eher verhalten aus (ein Punkt nach zuletzt 14 Punkten). Bei den Gesundheitsdiensten habe der demografische Wandel gleich zweifach Einfluss: zum einen durch den ausbleibenden Nachwuchs und zum anderen durch höheren Pflegebedarf aufgrund einer zunehmenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen. Die Suche nach geeigneten Fachkräften gestalte sich schwer und offene Stellen bleiben lange unbesetzt.

Onlinemarktplätze verunsichern Handel

Im Handel mit Gesundheitsgütern habe sich die Geschäftslage verbessert (29 nach 25 Punkten). Die Branche erreiche das Vorkrisenniveau (Jahresbeginn 2020). Doch die Händler rechnen eher mit einer Verschlechterung (23 Prozent) als mit einer Verbesserung (16 Prozent) der Geschäfte. Der Grund: die unsicheren Auswirkungen von Onlinemarktplätzen auf die Geschäftsentwicklung, beispielsweise durch die Einführung des E-Rezepts.

Der Gesundheitsreport basiert auf den Ergebnissen der DIHK-Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2022. An der Umfrage haben sich mehr als 700 Unternehmen der Gesundheitswirtschaft beteiligt.

Quelle: Bibliomed Manager Online vom 29. März 2022
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Lieferengpässe bei Halbleitern | MedTech-Branche für Priorisierung bei der Zuteilung

    Aufgrund der weiter anhaltenden globalen Halbleiter-Knappheit spricht sich der BVMed gemeinsam mit dem europäischen Dachverband MedTech Europe für eine europaweit abgestimmte Sicherstellung der vorrangigen Zuteilung von Halbleitern an den Medizintechniksektor aus. „Die MedTech-Branche benötigt aktuell rund ein Prozent des weltweiten Halbleiterangebots. Trotz dieser geringen Menge droht eine dauerhafte Unterversorgung. Wir brauchen eine Priorisierung, um die medizintechnische Versorgung zu gewährleisten“, so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll. Mehr

  • Auswirkungen der Gasknappheit auf die Medizinprodukte-Branche

    Das oberste Ziel der Medtech-Branche ist es, die Gesundheitssysteme auch in Krisenzeiten mit lebensnotwendigen Medizinprodukten versorgen zu können. Die aktuelle Gasknappheit und eine mögliche Beschränkung des Gasbezugs ist dabei eine große Herausforderung. Denn die Produktion von Medizinprodukten und deren Zulieferprodukten ist energie- und rohstoffintensiv. Bei den zahlreichen Produktionsprozessen werden hohe Temperaturen benötigt. Dabei sind sie auf Gas als Brennstoff angewiesen – ohne Alternativen. So ist die Gasversorgung primär bei der Produktion in Reinräumen. Dies gilt unter anderem für die Herstellung von Wundauflagen, von OP- und Pflege-Sets, Kunststoffteilen zur Schlauchherstellung oder die Verarbeitung von Implantaten. Eine Beschränkung des Gasbezugs hätte in der MedTech-Branche auch erhebliche Auswirkungen auf Vorprodukte. Mehr

  • Über 36 Milliarden Euro Produktion

    Der Gesamtumsatz der produzierenden Medizintechnikunternehmen (mit über 20 Beschäftigten) legte in Deutschland nach Angaben der offiziellen Wirtschaftsstatistik im Jahr 2021 um 6,3 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro zu. Der Inlandsumsatz stieg auf 12,2 Milliarden Euro (plus 4,2 Prozent). Der Auslandsumsatz stieg um 7,4 Prozent auf insgesamt 24,2 Milliarden Euro. Bei einer Exportquote von rund 66 Prozent ist das Auslandsgeschäft von zentraler Bedeutung für die Hersteller. Mehr


©1999 - 2022 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik