Datennutzung
MdB Funke-Kaiser beim BVMed-Gesprächskreis Gesundheit: „Forschende Unternehmen sollten Antragsrecht für das Forschungsdatenzentrum erhalten“
22.09.2022|67/22|Berlin|
Der digitalpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Maximilian Funke-Kaiser, hat sich beim Gesprächskreis Gesundheit des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) dafür ausgesprochen, den forschenden MedTech- und Pharma-Unternehmen ein Antragsrecht beim Forschungsdatenzentrum einzuräumen. „Das gehört zum vollständigen Nutzen und zur Innovationskraft des Landes dazu“, so Funke-Kaiser. „Wenn wir morgen noch MedTech-Innovationen entwickeln wollen, brauchen wir einen besseren Zugang zu Daten“, unterstützt BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll die Forderung. „Um Krankheiten vorzubeugen, frühzeitig zu erkennen und passgenau zu behandeln, benötigen wir Gesundheitsdaten. Sie ermöglichen auch die Entwicklung moderner Medizintechnologien“, erklärt BVMed-Digitalexpertin Natalie Gladkov.
Für eine bessere Datennutzung sei zudem eine „vernünftige Plattform für das Datenmanagement im Gesundheitssystem erforderlich – und das muss die elektronische Patientenakte sein“, so Funke-Kaiser. Die ePA müsse neben Abrechnungsdaten auch medizinische Daten und Studiendaten enthalten. Dies sei die Grundlage, um Versorgung – auch mithilfe von KI-gestützten Systemen – zu verbessern. Wichtig sei dabei die Datensouveränität der Menschen: sie müssten leicht verständlich und feingranular steuern können, welche Daten sie an wen zur Verfügung stellen.
Beim Thema Datenschutz sieht der FDP-Digitalpolitiker das Problem nicht in der DGSVO, die viele Möglichkeiten biete, sondern in der uneinheitlichen Auslegung der Verordnung. „Dadurch haben wir keine Rechtssicherheit in Deutschland. Wir brauchen eine einheitliche Auslegung des Datenschutzes“, forderte Funke-Kaiser.
Natalie Gladkov, Digitalexpertin des BVMed, kündigte ein neues Positionspapier des deutschen MedTech-Verbandes zum Gesundheitsdatennutzungsgesetz mit dem Titel „Innovationskraft durch Datennutzung“ an. Der BVMed unterstützt dabei die vorgesehene Einführung des European Health Data Space (EHDS) – und wünscht sich richtige Weichenstellungen durch das im Koalitionsvertrag angekündigte Gesundheitsdatennutzungsgesetz auf nationaler Ebene. Sie nannte dabei unter anderem folgende Aspekte;
- Daten in Patient:innenhand: Patient:innen sollten die regulatorischen, technologischen und informationellen Möglichkeiten an die Hand gegeben werden, um vollumfänglich über die Nutzung ihrer personenbezogenen Daten bestimmen zu können.
- Zugang zum Forschungsdatenzentrum: Die forschenden Gesundheitsunternehmen müssen ausdrücklich zu den nutzungsberechtigten Institutionen gehören, die ein Antragsrecht auf die Nutzung von Abrechnungsdaten und medizinischen Routinedaten aus dem Forschungsdatenzentrum (FDZ) haben. Die bereitgestellten Daten müssen zur Entwicklung neuer Medizinprodukte und KI-Innovationen, zur Überprüfung bestehender Produkte sowie für die Erhebung von Evidenz auch für obligatorische Marktzugangs- und Erstattungsprozesse genutzt werden dürfen.
- Interoperabilität und internationale Standards: Gesundheitsdaten sind am wertvollsten, wenn sie standardisiert und strukturiert vorliegen. Standards dürfen nicht einseitig für den deutschen Gesundheitsmarkt gesetzt werden, sondern anhand internationaler Standards gemeinsam mit der Industrie.
„Daten retten in der Medizin Leben! Wir müssen vom Weltmeister des Datenschutzes zum Weltmeister der Datennutzung und des Datenaustauschs werden“, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll abschließend. Weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.bvmed.de/datenrettenleben.
Der BVMed repräsentiert über 240 Hersteller und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 235.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 36 Milliarden Euro, die Exportquote bei 66 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMU. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Industrie und vor allem des MedTech-Mittelstandes.