Aortenklappen-Stenose

TAVI in Deutschland: Deutliche Abnahme der Mortalität

Neue Daten des GARY-Registers

Der kathetergestützte perkutane Aortenklappenersatz wird als Therapieverfahren in Deutschland zunehmend häufig genutzt. Einblick in damit in jüngster Zeit verbundene Veränderungen geben neue Daten des deutschen GARY-Registers. Dabei imponiert vor allem die deutliche Abnahme der Mortalität.

In der Zeit zwischen 2011 und 2015 hat sich die Zahl der an deutschen Herzzentren vorgenommenen Transkatheter-Aortenklappen-Implantationen (TAVI) mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Analyse der diesem Zeitraum erhobenen Daten von insgesamt 33.034 TAVI-Patienten im GARY-Register (German Aortic Valve Registry) hervor.

Für dieses Register zeichnen die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) gemeinsam verantwortlich. Von den beteiligten Herzzentren werden für alle vorgenommenen – interventionellen wie auch chirurgischen – Eingriffe, bei denen defekte Aortenklappen ersetzt werden, standardisiert Daten zum Behandlungsverlauf erhoben und übermittelt.

Keine Veränderung beim Alter der Patienten

Prof. Thomas Walther aus Bad Nauheim hat die neuen GARY-Daten bei der DGK-Jahrestagung 2017 in Mannheim vorgestellt. Während 2011 noch 3912 TAVI-Prozeduren registriert wurden, lag deren Zahl im Jahr 2015 bereits bei 9054, berichtete der Herzchirurg in einer „Hotline“-Sitzung. Bei 25.785 TAVI-Eingriffen erfolgte der Zugang transvaskulär, dabei in 98% aller Fälle transfemoral. Bei 7249 Patienten wurde die Katheter-Aortenklappe über den transapikalen Zugangsweg implantiert.

Das durchschnittliche Alter der Patienten mit katheterbasiertem Aortenklappenersatz betrug rund 81 Jahre und blieb im Beobachtungszeitraum nahezu unverändert. An der Tatsache, dass die TAVI ein Therapieverfahrung für eher betagte Patienten ist, hat sich somit nichts geändert.

Verschiebungen beim Risikoprofil

Dagegen zeichnete sich beim Risikoprofil, gemessen an den einschlägigen Scores für das mit einer Klappenoperation assoziierte Sterberisiko, eine kontinuierliche Verschiebung von einem hohen hin zu einem eher intermediärem Risiko ab. Im Jahr 2011 lag der log. EuroSCORE noch im Schnitt bei 25,5% und der STS-Score bei 6,7%. Im Jahr 2015 betrugen die entsprechenden Werte nur noch 20,5% (log. EuroSCORE) und 5,9% (STS-Score).

Scheinbar im Gegensatz dazu steht die Beobachtung, dass beim Parameter „Gebrechlichkeit“ (frailty) eine Zunahme zu verzeichnen war. Allerdings liegen dazu keine mithilfe von Tests erhobenen oder quantifizierten Daten vor. Walther glaubt nicht, dass sich in dieser Entwicklung eine reale Zunahme von Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand widerspiegelt. Vielmehr handele es sich vermutlich eher um ein Problem der Kodierung.

Sterberate mehr als halbiert

Besonders beeindruckt zeigte sich Walther von der dokumentierten Veränderung der Sterblichkeit. Die Mortalitätsrate lag 2011 im GARY-Register noch bei 5,9%. Nach Raten von 4,9% (2012), 4,8% (2013) und 3,3% (2014) betrug die Mortalitätsrate 2015 nur noch 2,7% und war damit innerhalb weniger Jahre mehr als halbiert worden. Die Intrahospital-Sterblichkeit verringerte sich von 5,1% auf 2,3%.

Die Rate für eine notwendige Konversion zur offenen Herzchirurgie nahm im gleichen Zeitraum von 1,6% auf nur noch 0,7% ab. Ebenfalls rückläufig war die Inzidenz von Herztamponaden als prozedurale Komplikation (von 1% auf 0,6%). Dies gilt auch für das Auftreten von zerebrovaskulären Komplikationen wie Schlaganfall (von 2,0% auf 1,4%).

Inzwischen mehr als 125.000 Patienten aufgenommen

Walther wies darauf hin, dass die Patienten in der Subgruppe mit transapikalem Zugang aufgrund einer stärker ausgeprägten Komorbidität ein signifikant höheres Risiko hatten als Patienten mit transvaskulärem Zugang – was sich auch in einer höheren Hospital-Sterblichkeit widerspiegelte.

Bis heute sind landesweit mehr als 125.000 Patienten mit kathetergestütztem oder chirurgischem Aortenklappenersatz in das GARY-Register aufgenommen worden. Damit steht nun eine umfangreiche Datenbasis für weitere Analysen zum Nutzen beider Behandlungsverfahren bei Patienten mit Aortenstenose zur Verfügung.

Quelle: Kardiologie.org vom 24. April 2017
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