Telekardiologie

Home Monitoring rettet Leben und verbessert die Patientenversorgung

Mit Hilfe der Telekardiologie wird der Arzt täglich aus der Ferne über den Gesundheitszustand seiner Patienten, die einen Herzschrittmacher, einen implantierbaren Defibrillator oder ein Herzinsuffizienzsystem tragen, informiert. So können die behandelnden Ärzte zum Beispiel gefährliche Rhythmusstörungen, wie stilles Vorhofflimmern, deutlich früher erkennen und schneller handeln. Die vor kurzem in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte IN-TIME-Studie zeigt deutlich, dass durch den Einsatz von Home Monitoring-Systemen die Gesamtsterblichkeitsrate von Herzinsuffizienzpatienten um mehr als 50 Prozent gesenkt werden kann. Diese Fernnachsorgemethode kann demnach lebensrettend sein.

Patienten mit einem implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) und solche mit einem Defibrillator zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT-D) profitierten dabei gleichermaßen von Home Monitoring. Für den Patienten bedeutet dies nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch mehr Freiheit - ständige Routineuntersuchungen beim Arzt entfallen und trotzdem kann der Arzt im Falle einer Verschlechterung schneller intervenieren. „Home Monitoring bietet uns eine der individuellsten und effizientesten Formen der implantatbasierten Nachsorge“, so Professor Dr. Gerhard Hindricks vom Herzzentrum der Universität Leipzig, Leiter der IN-TIME-Studie. „Viele Patienten trauen sich dank der telemedizinischen Nachsorge sogar wieder in ferne Länder zu verreisen.“

Der Vorteil der Telemedizin zeigt sich aber gerade auch in strukturschwachen und ländlichen Regionen: „Implantatpatienten, die keinen Facharzt in ihrer unmittelbaren Umge-bung bzw. keinen ungehinderten Zugang zu optimaler ärztlicher Behandlung haben, wird die medizinische Nachsorge erwiesenermaßen erleichtert“, so Hindricks. Die Patienten können gezielt dann behandelt werden, wenn es nötig ist.

Bedeutung der Telekardiologie wächst

Die wachsende Bedeutung der Fernnachsorge wird deutlich durch die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und die Aufnahme in die neuen Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC). Durch das implantatbasierte Telemonitoring haben klinische Zentren jederzeit Zugriff auf die diagnostischen Daten der Patienten. Wenn sich der Zustand der Patienten verschlechtert oder die Funktionen des Implantates gestört sind, erhalten die Zentren unverzüglich Nachricht darüber und können den Patienten in die Praxis bestellen. Der Arzt oder das klinische Zentrum wird per E-Mail, Fax oder SMS informiert, ohne dass der Betroffene etwas dazu aktiv beitragen muss. Lebenswichtig sind solche Interventionen insbesondere bei kritischen Veränderungen der Herzfunktion, wie Rhythmusstörungen oder stillem Vorhofflimmern, sowie bei technischen Defekten. So können auch im Fall einer asymptomatischen Verschlechterung des Gesundheitszustandes die Therapieparameter rechtzeitig angepasst werden. Die Daten werden täglich und vollautomatisch an den behandelnden Arzt übertragen. Die Übertragungsrate gilt dabei als zuverlässig.

Hintergrund: ICD und CRT-D – was ist was?

Einige Erkrankungen des Herzens wie der Herzinfarkt, Entzündungen oder eine koronare Herzerkrankung, können dazu führen, dass der Herzmuskel nachhaltig geschädigt und die Erregungsleitung gestört wird. Die betroffenen Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Kammerflimmern, eine gefährliche Rhythmusstörung, die zum plötzlichen Herztod führen kann. Ein wirksames Mittel im Kampf gegen den plötzlichen Herztod ist ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD).
Leidet der Patient auch an einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz), schlagen seine beiden Kammern nicht synchron – in dem Fall kann ein sogenanntes CRT-System, also ein System zur kardialen Resynchronisationstherapie, helfen, die beiden Kammern wieder im gleichen Takt schlagen zu lassen und so die Pumpleistung zu verbessern. Ein CRT-System, das auch die Funktion eines ICDs wahrnimmt und Schocks abgeben kann, nennt sich CRT-D – ein Defibrillator zur kardialen Resynchronisationstherapie.
Sowohl der ICD als auch der CRT-D bieten mittels Home Monitoring eine lückenlose Überwachung und können so den Patienten schneller vor einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes schützen.

Quelle: Pressemeldung von Aktion Meditech vom 9. März 2015

Hier können Sie sich einen Informationsfilm zum Thema Telekardiologie anschauen.

Infografik zum Thema von Aktion Meditech:
  • Weitere Artikel zum Thema
  • BVMed fordert zügige Erstattung für das Telemonitoring von Patienten mit aktiven kardiologischen Implantaten

    Der BVMed fordert die Erstattung eines kontinuierlichen Telemonitorings von Patienten mit aktiven kardiologischen Implantaten. Nach den aktuellen Empfehlungen der Arbeitsgruppe "Telemonitoring" der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung (DGK) für die telemedizinische Überwachung von Herzpatienten ist nicht nachvollziehbar, warum das kontinuierliche Telemonitoring noch immer nicht erstattet wird und das Nutzenbewertungsverfahren beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) seit mehr als drei Jahren andauert, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. "Der Nutzen ist längst nachgewiesen, die klinische Evidenz vorhanden. Wir müssen den betroffenen Herzpatienten das Telemonitoring endlich regelhaft ermöglichen." Weiterlesen

  • Prof. Dr. Jörg Debatin auf dem ersten BVMed-Digital-Talk zu digitalen Medizinprodukten

    Mit dem neuen Ansatz für digitale Medizinprodukte nach dem Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) "wollen wir jetzt schnell Erfahrungen sammeln und die Patientenversorgung verbessern", sagte Prof. Dr. Jörg Debatin, Leiter des neuen "Health Innovation Hub" des Bundesgesundheitsministeriums, auf dem ersten Digital-Talk des BVMed zum Thema "Digitale Medizinprodukte in der Gesundheitsversorgung – Schicksalsjahr 2020?" im Helix Hub in Berlin. Der BVMed sieht im DVG viele gute Ansätze, um einen zügigen Zugang zu digitalen Lösungen zu gewährleisten, schlägt aber beim Geltungsbereich und der Unterstützung telemedizinischer Lösungen weitergehende Regelungen, insbesondere eine Ausweitung auf die Medizinprodukte-Klassen IIb und III vor, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Weiterlesen

  • Laumann stellt Pläne für Virtuelles Krankenhaus vor

    NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat am 9. August 2019 seine Pläne eines Virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Beim Virtuellen Krankenhaus handelt es sich um eine digitale Plattform, die künftig die fachärztliche Expertise landesweit bündeln und besser zugänglich machen soll. Ziel sind zum Beispiel zukunftsfähige digitale Versorgungsstrukturen wie der elektronische Austausch behandlungsrelevanter Patientendaten oder Videosprechstunden, die für die Patienten eine bedarfsgerechte, ortsnahe und qualitätsorientierte Behandlung bieten. Weiterlesen


©1999 - 2019 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik