Neue Broschüre des BVMed plädiert für eine effektive Qualitätssicherung bei der ableitenden Inkontinenz-Versorgung

Die Initiative "Faktor Lebensqualität" von führenden ISK-Herstellern im BVMed hat eine neue Broschüre mit dem Titel "Intermittierende Katheterisierung – Versorgungs- und Erstattungssituation in Deutschland" veröffentlicht. Die 40-seitige Publikation informiert über die Krankheitsbilder bei Störungen der Blasen- und Harnröhrenfunktion sowie über die Probleme der aktuellen Versorgungssituation. Ziel der Initiative ist es, ein Umdenken "weg vom reinen Preiswettbewerb hin zu einem Wettbewerb um die beste Versorgungsqualität" zu erreichen. Die Broschüre kann unter www.bvmed.de/isk-broschuere heruntergeladen werden. Mehr Informationen zur ISK-Versorgung gibt es unter www.faktor-lebensqualitaet.de.

In Deutschland leiden bis zu neun Millionen Menschen unter Blasenfunktionsstörungen. Häufiger Auslöser sind neurologische Erkrankungen, wie zum Beispiel Querschnittslähmung, Multiple Sklerose, Bandscheibenvorfall oder Spina bifida. Unbehandelt können Blasenfunktionsstörungen zu Infektionen der Harnwege und zur Schädigung der Nieren führen. Als Konsequenz leiden die Betroffenen oft zusätzlich an sozialer Isolation, dem Verlust von Selbstachtung, Depressionen sowie physischem und psychischem Abbau. Um den Betroffenen ein selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen, wird der intermittierende (immer wiederkehrende) Selbstkatheterismus, kurz ISK, angewandt. Für den ISK werden spezielle, weitestgehend atraumatische Einmalkatheter verwendet. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der ISK im Vergleich zur Dauerableitung mit einem Dauerkatheter die sicherere Entleerungsmethode darstellt, da mit diesem Verfahren urologische Komplikationen wie Harnröhrenverletzungen und Harnwegsinfekte drastisch reduziert werden.

Kritisch bewertet die BVMed-Gruppe die aktuelle Versorgungssituation, da durch Ausschreibungen und Beitrittsverträge ein Preiswettbewerb in Gang gesetzt wurde, "jedoch ohne eine effektive Qualitätssicherung zu implementieren". Das Ausschreibungssystem habe dazu geführt, dass Marktteilnehmer ohne Erfahrung mit dem Aufwand der ISK-Dienstleistungen bestimmend seien. Die Erfahrungen der spezialisierten Homecare-Unternehmen und Sanitätshäuser fließen dabei nicht ein.

Mit der Publikation will die BVMed-Initiative die Entscheider in der Politik und bei den Krankenkassen für diese Versorgungsprobleme sensibilisieren. "Unser Anliegen ist es, ein Umdenken zu erreichen – von einem reinen Preiswettbewerb wieder hin zu einem Wettbewerb um die beste Versorgungsqualität. Denn Ziel aller an der Versorgung Beteiligten sollte es sein, dem Patienten eine Versorgung zu gewährleisten, die den individuellen Bedürfnissen einerseits, dem aktuellen medizintechnischen Stand andererseits entspricht. Hierfür gilt es, gemeinsam die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen", heißt es im Vorwort der Broschüre.

Es liege in der Verantwortung der Krankenkassen, die Versorgungsqualität bei Vertragsgestaltungen und Ausschreibungen zu überprüfen, damit die Kosteneinsparungen nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden. Die Politik sollte sicherstellen, dass die Verträge der Kassen zum einen die notwendige Produkt- und Dienstleistungsqualität, zum anderen die benötigten Mengen gewährleisten. Dies müsse durch eine verpflichtende Kontrolle der Einhaltung der Vertragsinhalte begleitet werden. "Unter ökonomischen Überlegungen darf der medizinische Fortschritt nicht leiden. Im Interesse der Gesundheit des Patienten muss die Umstellung aus Kostengründen von ISK auf Dauerkatheterisierung verhindert werden", so der Appell der BVMed-Experten.

Die Initiative 'Faktor Lebensqualität' ist eine gemeinsame Initiative der führenden deutschen ISK-Hersteller im BVMed. Sie vereint die Hersteller von Hilfsmitteln für intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK), die das Patientenwohl in das Zentrum allen Handelns stellen. Mehr Informationen unter www.faktor-lebensqualitaet.de.

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