Zuzahlungen

Hilfsmittel: BVMed bremst Enthusiasmus zum GKV-Mehrkostenbericht

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat den Hilfsmittel-Mehrkostenbericht des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bemängelt, der am 2. Juli 2019 veröffentlicht wurde. Der MedTech-Verband, der auch Hilfsmittel- und Homecare-Leistungserbringer vertritt, verweist auf die unvollständige Datenbasis des Berichts und sieht Schwächen in der Methodik sowie in der Datenanalyse. Das Ergebnis des Mehrkostenberichts weiche somit von der Versorgungsrealität ab. Klarheit über die Aussagekraft bestehe erst, wenn Methodik und Datenqualität optimiert werden.

Zum Hintergrund: Der GKV-Spitzenverband wurde mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) verpflichtet, einen jährlichen Bericht über die Entwicklung der Mehrkostenvereinbarungen für Hilfsmittelversorgungen zu veröffentlichen. Dieser soll Transparenz über die geleisteten Aufzahlungen schaffen und damit das Sachleistungsprinzip und die Weiterentwicklung der Hilfsmittelversorgung sicherstellen. Der ursprünglich bereits für Juni 2018 vorgesehene Bericht wurde nun erstmals veröffentlicht. Er bewertet die Ergebnisse als weitestgehend positiv und sieht das Sachleistungsprinzip bestätigt.

Der BVMed kritisiert hingegen, dass zum Beispiel die Patientendaten der Betriebskrankenkassen (BKKen) nicht mit einbezogen wurden, was die Aussagekraft der Studie verwässert. Auch bestanden bei der Erfassung im Zuge der Abrechnung Unklarheiten.

Schwächen in der Methodik und Datenanalyse zeigen sich unter anderem dadurch, dass unklar ist, wie beispielsweise Dauerversorgungen mit zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln (unter anderem Stomaartikel, aufsaugende Inkontinenzhilfen) in die Systematik der "Versorgungsfälle" zugeordnet wurden. Bei Inkontinenzhilfen wurde trotz erheblicher Unterschiede in der Versorgung und der Erstattung nicht zwischen ableitenden (beispielsweise Katheter) und aufsaugenden (beispielsweise Windeln) Produkten differenziert. Die Aussagekraft der Ergebnisse ist damit begrenzt.

Insgesamt werde die bestehende Versorgungsrealität durch den GKV-Mehrkostenbericht zu optimistisch abgebildet. Die BVMed-Experten erkennen trotz Anstrengungen, die Qualität in der Hilfsmittel- und Homecare-Versorgung zu stärken, derzeit noch keine Trendwende: Die Fallpauschalen würden beispielsweise weiterhin sinken, was Druck auf die Versorgungsqualität ausübt und sich gegebenenfalls auch in Aufzahlungen zu Hilfsmitteln zeigt. Der Mehrkostenbericht könne erst die notwendige Klarheit schaffen, wenn die Methodik und die Datenqualität optimiert werden. Nur so könnten letztlich die Hilfsmittelversorgung weiterentwickelt und das Sachleistungsprinzip gewährleistet werden – wie vom Gesetzgeber bei Einführung des Mehrkostenberichts gewünscht.

Der BVMed bietet für Nachjustierungen in kommenden Veröffentlichungen seine inhaltliche und fachliche Unterstützung an. Ebenso müssten die Ergebnisse nach Kassen differenziert werden können. Somit hätte auch der Versicherte Transparenz über die Versorgungsleistung seiner Kasse – der notwendige Qualitätswettbewerb zwischen den Krankenkassen würde gestärkt werden.
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