Innovationsfinanzierung

Digitale Therapien im Praxistest | Neuer „MedTech Radar“ von BVMed, Earlybird, HTGF und medtech zwo erschienen

Die ersten Apps auf Rezept haben es in die Erstattung geschafft, die nächsten warten auf ihre Zulassung und stehen in den Startlöchern. Setzt sich die Digitalmedizin in Deutschland damit nun durch? Welche Bilanz ziehen Start-ups, Krankenkassen, Behörden und Investoren 15 Monate nach Start des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG)? Worin bestehen derzeit die größten Herausforderungen? Welche Geschäftsmodelle können digitale Therapien langfristig bieten? Darüber berichtet die aktuelle Ausgabe des "MedTech Radar" und stellt verschiedene Perspektiven vor. Der Medienservice wird vom Bundesverband Medizintechnologie (BVMed), Earlybird Venture Capital, High-Tech Gründerfonds (HTGF) und dem Fachmagazin medtech zwo gemeinsam herausgegeben und erscheint nun in der 15. Auflage. Die Ausgabe kann auf Deutsch und Englisch unter www.bvmed.de/medtech-radar heruntergeladen werden.

Angststörungen, Adipositas, Schlafstörungen – für all diese Erkrankungen gibt es nun erstmals die App auf Rezept. Als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen und erstattet von den gesetzlichen Krankenkassen. In nur 15 Monaten wurde damit auf Basis des Digitale-Versorgung-Gesetzes eine völlig neue Gruppe von Produkten in die Regelversorgung gebracht. Die aktuelle Ausgabe des MedTech Radar wirft einen Blick hinter die Kulissen. Es werden beispielhaft Digital Health-Pioniere wie Selfapy (Mental Health) und Newsenselab (Migräne-Therapie) vorgestellt, die zum Ende des Jahres eine Zulassung ihrer digitalen Produkte als DiGA erwarten. Die Kardiologie-Experten bei iATROS und Personal MedSystems bereiten ihre Anträge ebenfalls vor. Wie aber bewerten die Jungunternehmer die neue Möglichkeit, sich im Gesundheitsmarkt zu etablieren? Wo sehen sie aktuell ihre wichtigsten Aufgaben? Gemeinsam mit Branchenexperten werden die größten Herausforderungen diskutiert – etwa hinsichtlich Preisgestaltung, Vertrieb und den langfristigen Geschäftsmodellen.

„Mit den DiGA haben digitale Medizinprodukte niedriger Risikoklassen eine wichtige Eintrittspforte in die Regelversorgung, das begrüßen wir“, sagt Anke Caßing, Investmentmanagerin beim High-Tech Gründerfonds (HTGF), der die genannten Digital Health Start-ups auf dem Weg in den Markt begleitet. „Die Zulassung als DiGA ist allerdings nur der erste Schritt. Es wird dann darauf ankommen, wie es die Firmen schaffen, ihre Produkte tatsächlich in die klinische Praxis zu den Ärzten und Patienten zu bekommen“, so Caßing.

„Die DiGA sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg in eine digitale Gesundheitsversorgung, aber als alleiniges Geschäftsmodell sind sie eine Herausforderung. Langfristig brauchen wir Ansätze, die in Indikationen denken statt in einzelnen Produktgruppen“, sagt Thom Rasche, Partner bei Earlybird, und ergänzt: „Es wird interessant sein zu sehen, ob sich auch Medizinprodukte höherer Risikoklassen in der Digitalmedizin und der Versorgung durchsetzen werden. Noch stehen wir am Anfang.“

„Viele unserer Mitgliedsunternehmen beobachten den Markt für DiGA sehr genau und sehen in höherklassigen Produkten großes Potential in der Digitalmedizin“, sagt Natalie Gladkov, Digital-Health-Expertin beim BVMed. Sie betont: „Wir hoffen, dass in den Verhandlungen mit Vertretern der Gesetzlichen Krankenversicherung ein tragfähiger Kompromiss hinsichtlich der Umsetzung der DiGA in der Praxis gefunden wird.“

„Wir befinden uns aktuell in einer echten Pionierphase, die einen starken Einfluss auf die Digital Health Szene haben wird. Experten erwarten, dass der DiGA-Markt ein preissensibler Wettbewerb wird“, sagt Sandra Wirsching, Chefredakteurin des medtech zwo Magazins. „Es bleibt spannend zu beobachten, ob und wie sich langfristig neue Kooperationsmodelle mit der etablierten Pharma- und Medizintechnik-Industrie ergeben werden.
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