Inkontinenzversorgung

BVMed zur Welt-Kontinenz-Woche: „Individuelle Versorgungsansprüche müssen sich in den Kassenverträgen widerspiegeln“

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) setzt sich zur Welt-Kontinenz-Woche (World Continence Week) vom 21. bis 27. Juni 2021 dafür ein, dass die Qualitätsentwicklungen im Bereich der Inkontinenz „hin zu einer individuellen Versorgung weitergehen“, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Verbesserungen seien dank der Gesetzgebungen im Hilfsmittel-Bereich der letzten Jahre erkennbar, „doch leider steht weiterhin der Preiswettbewerb im Fokus – statt der Wettbewerb um Qualität“, resümiert Juliane Pohl, Leiterin Ambulante Versorgung beim BVMed. Ziel muss es laut BVMed sein, dass sich „die individuellen Versorgungsansprüche der Betroffenen in den Krankenkassen-Verträgen widerspiegeln und diese auch umgesetzt werden“.

In Deutschland sind nach Angaben des BVMed insgesamt rund 9 Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen. Trotz dieser hohen Zahl sei das Krankheitsbild weiter ein Tabuthema, bei dem sich die Betroffenen oft alleine gelassen fühlen. „Wir halten eine weitere Enttabuisierung für sehr wichtig, um den Menschen eine adäquate Versorgung zukommen zu lassen“, so Dr. Marc-Pierre Möll. Der BVMed versucht, beispielsweise mit der Kampagne „Körperstolz“ (www.bvmed.de/koerperstolz), Krankheitsbilder wie Inkontinenz oder Stoma aus der schambehafteten Tabu-Ecke zu holen.

Denn: Für jede Form der Inkontinenz gibt es geeignete Therapien, moderne saugende und ableitende Inkontinenz-Produkte, die bequem, unauffällig und sicher in allen Lebenslagen schützen, oder operative Verfahren. Wichtig sei, dass jeder Betroffene wegen einer Diagnose und einer eventuellen Verordnung von Inkontinenzprodukten zum Arzt geht.

BVMed-Expertin Juliane Pohl verweist auf die große Bedeutung einer qualitativen und individuellen Versorgung von Inkontinenz- und Stoma-Patienten. „Moderne Inkontinenz- und Stoma-Produkte sind für die Lebensqualität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der betroffenen Menschen von enormer Bedeutung. Geschulte Versorgungsspezialisten der Homecare-Unternehmen unterstützen dabei bei der Auswahl des richtigen Produkts, beraten, weisen ein und stehen bei Komplikationen zur Verfügung“, so Pohl. Trotz gesetzlicher Anpassungen sieht der BVMed die Versorgungsqualität durch die dramatischen Absenkungen des Vergütungs- und Qualitätsniveaus in Folge der Ausschreibungen durch Krankenkassen weiterhin gefährdet.

Zum Hintergrund:

Inkontinenz ist eine anerkannte Krankheit der WHO und kann als Folge von verschiedenen Grunderkrankungen auftreten. Sie fällt damit in die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen. Die Betroffenen haben daher einen Anspruch gegenüber ihrer Krankenkasse auf eine aufzahlungsfreie, individuelle, medizinisch notwendige Versorgung mit Inkontinenzhilfen – in Qualität und Quantität – sowie auf die zugehörige Dienstleistung.
Inkontinenz betrifft viele unterschiedliche Menschen, Patientenprofile und Altersgruppen. Falls den Betroffenen keine adäquate Versorgung zur Verfügung gestellt wird, fällt die Teilhabe am sozialen Leben schwer. Eine ungeeignete oder unzureichende Versorgung mit Inkontinenzprodukten erschwert auch die Pflege von inkontinenten Personen. Die passende Hilfsmittelversorgung entlastet hingegen Pflegekräfte, so der BVMed.

Mehr Informationen gibt es unter: www.bvmed.de/inko.

Der BVMed vertritt als Wirtschaftsverband rund 230 Hersteller und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 235.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 34 Milliarden Euro, die Exportquote bei 66 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMUs. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Industrie und vor allem des MedTech-Mittelstandes.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Einwegkunststoff-Kennzeichnungsverordnung im Bundesrat | BVMed: „Keine nationalen Alleingänge!“

    Der BVMed warnt bei der Umsetzung der EU-Einwegkunststoffrichtlinie (SUPD) vor einem nationalen Alleingang Deutschlands. Hintergrund ist, dass der Entwurf der deutschen Einwegkunststoff-Kennzeichnungsverordnung (EWKKennzV) Inkontinenzprodukte mit in die Regelung einbezieht, obwohl Inkontinenzhilfen nicht über die Toilette entsorgt werden können. Die BVMed-Forderung: Inkontinenzprodukte müssen als Medizinprodukte aus der Regelung herausgenommen werden. Die Verordnung wird am 7. Mai 2021 im Bundesrat behandelt. Weiterlesen

  • BVMed: Inkontinenz-Produkte aus Einwegkunststoff-Kennzeichnungsverordnung herausnehmen

    Der BVMed setzt sich bei der aktuell im Bundestag diskutierten Einwegkunststoff-Kennzeichnungsverordnung (EWKKennzV) dafür ein, Medizinprodukte der Inkontinenzversorgung nicht in die Regelung mit einzubeziehen. Die laut Verordnungsbegründung vorgesehene Einbeziehung von Inkontinenzprodukten sei von der EU-Einwegkunststoffrichtlinie (SUPD) nicht gedeckt und sachlich falsch, so der BVMed. Zudem setze die SUPD-Leitlinie der Kommission falsche Signale. „Viskose ist kein Plastik!“ Weiterlesen

  • Patientengeschichte Heiko Mögling: Anstoß für ein neues Spiel

    Wo soll das Stoma angelegt werden? Für Heiko Mögling gab es nur eine Antwort. Er spielt Snooker und damit war klar: So, dass er ohne Einschränkungen wieder spielen kann. „Kriegen wir hin“, versprach ihm der Arzt – und er hat recht behalten. Weiterlesen


©1999 - 2021 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik