Inkontinenzversorgung

BVMed zur Welt-Kontinenz-Woche | „Adäquate Versorgung mit aufsaugenden Inkontinenzhilfen von Menschen mit Behinderung sicherstellen“

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) setzt sich im Rahmen der Welt-Kontinenz-Woche vom 20. bis 26. Juni 2022 dafür ein, die adäquate Inkontinenzversorgung aller Patient:innen sicherzustellen. „Bei Inkontinenz-Patient:innen mit Behinderung kann die Behandlung besonders anspruchsvoll sein, das muss sich in den Versorgungsprozessen und -verträgen widerspiegeln“, erläutert BVMed-Expertin Juliane Pohl, Leiterin des Referats Ambulante Versorgung. Eine weitere Herausforderung für die Versorgung sei der zunehmende Preisdruck auf Hersteller von Hilfsmitteln zur aufsaugenden Inkontinenzversorgung aufgrund des zunehmenden Spagats zwischen sinkenden Erstattungspauschalen und steigenden Produktionspreisen. „Wir müssen gemeinsam mit den Krankenkassen Lösungen finden, damit eine adäquate Inkontinenzversorgung sichergestellt werden kann“, fordert BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll.

„Raus aus der Tabuzone“, so lautet das Motto der bundesweiten Aktionswoche im Rahmen der Welt-Kontinenz-Woche. Das Ziel: Über die Volkskrankheit Inkontinenz aufklären sowie Betroffenen Mut machen, sich mit der eigenen Erkrankung auseinanderzusetzen und sie behandeln zu lassen. Denn von den laut aktuellen Angaben der Deutschen Kontinenz Gesellschaft 10 Millionen Menschen in Deutschland mit Harn- oder Stuhlinkontinenz wendet sich über die Hälfte der Betroffenen nicht an einen Arzt oder eine Ärztin. Wird die Erkrankung nicht behandelt, verstärken sich die Beschwerden mit negativen Folgen auf die Lebensqualität und Psyche.

Dabei unterscheidet sich laut dem BVMed die Versorgung mit aufsaugenden Inkontinenzhilfen von Menschen ohne Behinderung deutlich von der Versorgung von Menschen mit Behinderung. Beispielsweise sei die Inkontinenz-Behandlung bei Patient:innen mit infantilen Cerebralparese, Trisomie 21, Korea Huntington oder körperlichen Behinderungen besonders anspruchsvoll. So können fehlende Produkttoleranz, motorische Unruhe und fehlendes Verständnis für den Produkteinsatz zu einem höheren Produktverbrauch führen. „Das Problem dabei ist, dass sich diese Heterogenität innerhalb der Inkontinenzversorgung von Menschen mit Behinderungen oftmals nicht in den Versorgungsprozessen und -verträgen widerspiegelt“, erklärt BVMed-Expertin Juliane Pohl. „Um eine adäquate Versorgung von Inkontinenz-Patient:innen mit Behinderung sicherzustellen, benötigen wir eine entsprechende Differenzierung in der Hilfsmittelversorgung durch die Krankenkassen, unabhängig vom Alter sowie der Versorgungsform”.

Und das sei aktuell nicht die einzige finanzielle Hürde der Inkontinenzversorgung: Die Expert:innen des BVMed-Fachbereichs Inkontinenzversorgung merken an, dass verschiedene globale Entwicklungen zu starken Veränderungen an den Rohstoffmärkten sowie im Transportwesen führen, die sich ebenfalls auf die Produktion von Hilfsmitteln zur aufsaugenden Inkontinenzversorgung auswirken würden. „Durch die immer weiter steigenden Rohstoff-, Transport- und Energiepreise erhöht sich der Preisdruck auf die Hersteller enorm. Auf der anderen Seite sinken die Pauschalen in den Hilfsmittel-Verträgen mit den Krankenkassen weiter. Diese Schere muss endlich wieder geschlossen werden, um die Versorgung der Patient:innen mit diesen Hilfsmitteln sicherzustellen“, so Pohl.

„Wir müssen sowohl über die Herausforderungen bei der Behandlung von Inkontinenz-Patient:innen mit Behinderung als auch über die dramatischen Entwicklungen im globalen Markt reden und gemeinsam mit den Krankenkassen Lösungen finden, damit die Inkontinenzversorgung aller Patient:innen sichergestellt werden kann”, resümiert BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc Pierre Möll.

Über die Welt-Kontinenz-Woche

Die Welt-Kontinenz-Woche ist die wichtigste Veranstaltungsreihe rund um Inkontinenz in Deutschland. Auch in diesem Jahr bietet die Deutsche Kontinenz Gesellschaft eine Vielzahl von spannenden Veranstaltungen mit Expert:innen in allen Regionen Deutschlands an. Darunter Vorträge, Fragerunden, Telefonaktionen oder Videosessions. Das Programm finden Interessierte unter www.kontinenz-gesellschaft.de. Auf der Webseite finden Betroffene und Angehörige außerdem Informationen zur Inkontinenz-Erkrankung, örtliche Adressen von anerkannten ärztlichen Beratungsstellen sowie zertifizierten Kontinenz- und Beckenbodenzentren.

Der BVMed repräsentiert über 240 Hersteller, Händler und Zulieferer der Medizintechnik-Branche sowie Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 235.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 34 Milliarden Euro, die Exportquote bei 66 Prozent. Dabei sind 93 Prozent der MedTech-Unternehmen KMU. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Industrie und vor allem des MedTech-Mittelstandes.
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