Qualitätswettbewerb

BVMed unterstützt Vorstöße von Krankenkassen für einen stärkeren Qualitätsfokus: „Wir brauchen einen neuen Qualitätsdiskurs“

Der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, unterstützt neue Vorstöße von Krankenkassen, einen stärkeren Qualitätsfokus in der Patientenversorgung zu etablieren. Jüngste Ansätze für mehr Qualitäts-Transparenz kamen beispielsweise von den Innungskrankenkassen (IKK) oder der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK). Der deutsche Medizintechnik-Verband BVMed, der auch Hilfsmittel- und Homecare-Leistungserbringer vertritt, spricht sich seit längerem für neue Qualitätskonzepte beispielsweise in der Hilfsmittelversorgung aus. „Wir brauchen einen Wettbewerb um die beste Qualität der Patientenversorgung, nicht einen Wettbewerb um den günstigsten Zusatzbeitrag“, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

Die Innungskrankenkassen (IKK) hatten sich vor wenigen Tagen in einem Positionspapier zur Bundestagswahl für mehr Qualitätsorientierung ausgesprochen. Qualitätskriterien und Qualitätssicherungsverfahren müssten sektorenübergreifend vereinheitlicht werden. Zudem sollten Versicherte die Möglichkeit erhalten, sich ein genaueres Bild von der Qualität der Arbeit ihrer Krankenkasse zu machen. „Versicherte haben das Recht zu erfahren, wie ihre Kasse nicht nur bei den Beiträgen, sondern auch bei der Bewilligung von Leistungen abschneidet. Wir fordern klar eine Initiative für mehr Qualitätstransparenz unter den Kassen“, wird IKK-Vorstandschef Hans-Jürgen Müller zitiert.

SBK-Vorständin Dr. Gertrud Demmler hatte bei einer Expertenanhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages darauf hingewiesen, dass Qualitätstransparenz die Voraussetzung für Qualitätsverbesserung in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sei. Der unter den Krankenkassen vorherrschende Wettbewerb um den günstigsten Zusatzbeitrag müsste durch einen Wettbewerb um die beste Qualität einer Krankenkasse ersetzt werden. „Ziel dieses Qualitätswettbewerbs muss es sein, eine Qualitätsverbesserung der Krankenkassen aus Sicht der Versicherten zu erreichen. (…) Wir sind der Überzeugung, dass die Erfahrungen der Versicherten im Zentrum der Qualitätsbeurteilung einer Krankenkasse stehen müssen“, so Dr. Gertrud Demmler. Auch sie betont ein einheitliches Vorgehen: „Zwingende Voraussetzung für einen aussagekräftigen Qualitätsvergleich auf Basis der Versichertenerfahrungen ist eine einheitliche und systematische Erhebung der Versichertensicht über alle Kassen hinweg.“

„Das sind genau die richtigen Ansätze, um neue Impulse für den dringend notwendigen Qualitätsdiskurs durch mehr Transparenz des Versorgungsgeschehens und einen klaren Fokus auf die Qualität der Patientenversorgung zu setzen“, kommentiert Juliane Pohl, Leiterin Ambulante Versorgung beim BVMed. „Jetzt müssen den Worten auch Taten folgen.“

Als Beispiel nennt die BVMed-Expertin die Hilfsmittelversorgung. Hier müssten die Qualitätsvorgaben, die Krankenkassen in ihren Hilfsmittelverträgen mit den Leistungserbringern vereinbaren, auch in der Praxis umgesetzt werden. Das vom Gesetzgeber vorgeschriebene Qualitätscontrolling wird von den Krankenkassen jedoch uneinheitlich und teilweise unzureichend umgesetzt. „Um einen echten Qualitätswettbewerb in der Hilfsmittelversorgung zu etablieren, müssen wir ein bundeseinheitliches Qualitätscontrolling einführen. Die Krankenkassen müssen für Methodik, Bewertungskriterien und Transparenz gegenüber den Patienten einheitliche Vorgaben erhalten“, fordert der BVMed in seinem Positionspapier zur Bundestagswahl.

Der BVMed unterstützt auch den Ansatz, eine Qualitätstransparenz zwischen den Krankassen herzustellen. So kann der Versicherte sehen, wie seine Krankenkasse im Vergleich zu anderen Krankenkassen in einzelnen Leistungsbereichen abschneidet. „Ziel muss es nach Ansicht des BVMed sein, den Patienten durch das Qualitätscontrolling in die Lage zu versetzen, verständlich zu erfahren, mit welcher Qualität die Krankenkasse die jeweiligen Hilfsmittel-Versorgungen im Vergleich zu den anderen Krankenkassen erbringt“, so der BVMed.

Der BVMed vertritt als Wirtschaftsverband rund 230 Industrie- und Handelsunternehmen der Medizintechnik-Branche. Im BVMed sind u. a. die 20 weltweit größten Medizinproduktehersteller im Verbrauchsgüterbereich organisiert. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt in Deutschland über 235.000 Menschen und investiert rund 9 Prozent ihres Umsatzes in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte und Verfahren. Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei über 33 Milliarden Euro. Die Exportquote beträgt rund 65 Prozent.
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