Telekardiologie

BVMed: "Implantierbare Ereignis-Rekorder müssen auch im ambulanten Bereich bundesweit erstattet werden"

Bewertungsausschuss Ärzte

Der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, setzt sich für die zügige Aufnahme implantierbarer Ereignis-Rekorder in den ambulanten Leistungskatalog (Einheitlicher Bewertungsmaßstab – EBM) sowie in den Katalog "Ambulantes Operieren im Krankenhaus" (AOP) ein. Von dem Ereignis-Rekorder profitieren vor allem Patienten mit einem Schlaganfall, dessen Ursache ungeklärt ist, sowie Patienten, die plötzlich und wiederkehrend in Ohnmacht fallen (Synkope). Der BVMed hatte Ende Juni 2017 die Aufnahme in den EBM beim Bewertungsausschuss Ärzte beantragt. Der Bewertungsausschuss teilte dem BVMed jetzt mit, dass er die Aufnahme prüfen werde. Weitere Informationen zum Thema können unter www.bvmed.de/ereignisrekorder abgerufen werden.

Der BVMed sieht beim Einsatz der etablierten Herzmonitor-Technologie "ein aktuelles Defizit in der ambulanten Versorgung gesetzlich Versicherter Patienten", sagte BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt. Hintergrund ist, dass die Erstattung von Ereignis-Rekorder-Implantationen im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthaltes zunehmend von den Krankenkassen abgelehnt wird, wenn ansonsten kein medizinischer Grund für eine vollstationäre Behandlung besteht. Die Begründung lautet, dass ein solcher Eingriff auch ambulant möglich sei. Eine ambulante Implantation wird jedoch noch nicht vergütet, da eine EBM-Ziffer fehlt. "Dies führt zu der Situation, dass Patienten die empfohlene Behandlung versagt bleibt", so der BVMed.

Wenn vermutete Herzrhythmusstörungen in längeren Zeitabständen auftreten, kann nur ein implantierbarer Ereignis-Rekorder den Herzrhythmus, je nach Gerät zwischen zwei und vier Jahren, fortlaufend überwachen. Im Ereignisfall werden die Daten automatisch aufgezeichnet und können binnen 24 Stunden telemedizinisch übermittelt werden, um für eine zeitnahe klinische Auswertung zur Verfügung zu stehen. So kann schnellstmöglich eine sichere Diagnose gestellt und die richtige Therapie für den Patienten eingeleitet werden.

Seit Jahren ist die Methode im stationären Sektor etabliert, um Herzrhythmusstörungen bei Patienten zu diagnostizieren, wo die Standarddiagnostik zum Beispiel durch ein 24-Stunden-Langzeit-EKG ergebnislos bleibt. Seit dem Jahr 2017 wird die Erstattung im Rahmen der stationären Versorgung zunehmend abgelehnt, weil die ambulante Versorgung mit einem Herzmonitor, durch die Weiterentwicklung der Medizintechnik, inzwischen möglich ist und auch bei bestimmten medizinischen Konstellationen gefordert wird.

"Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, dass Patienten durch die fehlende EBM-Ziffer nicht versorgt werden und die Ärzte ihrem bedarfsgerechten Versorgungsauftrag durch das Fehlen einer gesicherten Vergütung nicht mehr nachkommen können", so die BVMed-Experten der Mitgliedsunternehmen, die die führende Kraft hinter der Entwicklung des implantierbaren Herzmonitors sind. "Die Aufnahme in den EBM- und den AOP-Katalog muss daher nun zügig umgesetzt werden, um bundesweit die ambulante Versorgung mit einem implantierbaren Herzmonitor zu ermöglichen."

Vereinzelte Krankenkassen haben in Ermangelung einer kollektivvertraglich ambulant vergüteten Versorgung Alternativlösungen für ihre Versicherten geschaffen, beispielsweise die DAK oder die AOK Baden-Württemberg. Diese selektiven Versorgungsangebote bestätigen zwar die Anerkennung der Methode und die Notwendigkeit der Regelung zur ambulanten Versorgung, allerdings entstehen dadurch bundesweit uneinheitliche Insellösungen, die letztlich nur von ausgewählten gesetzlich Versicherten in Anspruch genommen werden können.

Mehr Informationen unter www.bvmed.de/ereignisrekorder.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • BVMed fordert zügige Erstattung für das Telemonitoring von Patienten mit aktiven kardiologischen Implantaten

    Der BVMed fordert die Erstattung eines kontinuierlichen Telemonitorings von Patienten mit aktiven kardiologischen Implantaten. Nach den aktuellen Empfehlungen der Arbeitsgruppe "Telemonitoring" der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung (DGK) für die telemedizinische Überwachung von Herzpatienten ist nicht nachvollziehbar, warum das kontinuierliche Telemonitoring noch immer nicht erstattet wird und das Nutzenbewertungsverfahren beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) seit mehr als drei Jahren andauert, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. "Der Nutzen ist längst nachgewiesen, die klinische Evidenz vorhanden. Wir müssen den betroffenen Herzpatienten das Telemonitoring endlich regelhaft ermöglichen." Weiterlesen

  • Prof. Dr. Jörg Debatin auf dem ersten BVMed-Digital-Talk zu digitalen Medizinprodukten

    Mit dem neuen Ansatz für digitale Medizinprodukte nach dem Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) "wollen wir jetzt schnell Erfahrungen sammeln und die Patientenversorgung verbessern", sagte Prof. Dr. Jörg Debatin, Leiter des neuen "Health Innovation Hub" des Bundesgesundheitsministeriums, auf dem ersten Digital-Talk des BVMed zum Thema "Digitale Medizinprodukte in der Gesundheitsversorgung – Schicksalsjahr 2020?" im Helix Hub in Berlin. Der BVMed sieht im DVG viele gute Ansätze, um einen zügigen Zugang zu digitalen Lösungen zu gewährleisten, schlägt aber beim Geltungsbereich und der Unterstützung telemedizinischer Lösungen weitergehende Regelungen, insbesondere eine Ausweitung auf die Medizinprodukte-Klassen IIb und III vor, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Weiterlesen

  • Laumann stellt Pläne für Virtuelles Krankenhaus vor

    NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat am 9. August 2019 seine Pläne eines Virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Beim Virtuellen Krankenhaus handelt es sich um eine digitale Plattform, die künftig die fachärztliche Expertise landesweit bündeln und besser zugänglich machen soll. Ziel sind zum Beispiel zukunftsfähige digitale Versorgungsstrukturen wie der elektronische Austausch behandlungsrelevanter Patientendaten oder Videosprechstunden, die für die Patienten eine bedarfsgerechte, ortsnahe und qualitätsorientierte Behandlung bieten. Weiterlesen


©1999 - 2019 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik