Gesundheitsausschuss

Expert:innen warnen vor Mangelernährung in Kliniken

Mediziner:innen und Pflegewissenschaftler:innen fordern ein professionelleres Verpflegungsmanagement in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Viele Patient:innen sind nach Aussagen von Sachverständigen im Gesundheitsausschuss schon bei der Aufnahme mangelernährt. Die Expert:innen setzen sich deshalb für ein systematisches Screening ein.

Nach Auffassung des Internisten Prof. Thomas Reinbold geht es vor allem um die krankheitsbedingte Mangelernährung. Das sind multimorbide Patient:innen, die nicht in der Lage sind, ausreichend zu essen oder zu trinken. Im Klinikum Dortmund weist nach seinen Angaben etwa jede:r vierte Patient:in bei Aufnahme eine Mangelernährung auf. Bei besonders vulnerablen Gruppen, beispielsweise in der Geriatrie, liege die Quote dort bei über 60 Prozent.

Reinbold spricht sich deshalb für ein verbindliches Ernährungs-Screening aus, denn die Genesung werde durch Mangelernährung nicht nur verlängert, sondern gefährdet. Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), Prof. Matthias Pirlich, warnt vor gravierenden medizinischen Folgen, weil eine Mangelernährung die Sterblichkeit erhöhe. Das sei auch in der Corona-Pandemie deutlich geworden. Durch ein individualisiertes Ernährungsmanagement könne die Sterblichkeit merklich gesenkt werden.

Doch auch das Essen in Kliniken ist schlecht, bemängelten die Expert:innen im Gesundheitsausschuss: Die Speiseversorgung sei in vielen Krankenhäusern weder gesund noch nachhaltig oder lecker, rügt etwa die angehende Ernährungsmedizinerin Kristin Hünninghaus vom Uniklinikum Essen. Viele Patient:innen ließen das Essen unangetastet zurückgehen, verlören in der Folge an Gewicht und Kraft. Nur die wenigsten Patient:innen erhalten eine ernährungsmedizinische Mitbehandlung. Mehr Vorbeugung fordert auch die Pflegewissenschaftlerin Petra Blumenberg vom Aktionsbündnis Patientensicherheit – zum Beispiel durch den Einsatz von Diätassistenten in Kliniken und Pflegeheimen.

Quelle: PAG | Gerechte Gesundheit - Meldung vom 22. Juni 2023
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