Wiederbelebung

Schüler in Nordrhein-Westfalen sollen Reanimation lernen

Deutsches Ärzteblatt Online vom 16. Oktober 2023

Alle Schüler in Nordrhein-Westfalen (NRW) sollen künftig die Laienreanimation erlernen. Nach dem Willen von Schulministerin Dorothee Feller (CDU) sollen in Zukunft alle Kinder und Jugendlichen in NRW den Ablauf nach der Formel „Prüfen – Rufen – Drücken“ mindestens einmal in ihrer Schullaufbahn einüben. „Wir wollen in dieser Legislaturperiode die Voraussetzungen dafür schaffen, dass künftig alle unsere Schüle­rinnen und Schüler zu Lebensretterinnen und Lebensrettern ausgebildet werden können“, sagte die Ministerin zum Weltreanimationstag.

Mehr als 200 Schulen in NRW haben sich bereits an einem Modellvorhaben beteiligt, das im Schuljahr 2017/2018 gestartet war. Im Mittelpunkt stand ein Train-the-Teacher-Ansatz. In einem ersten Schritt wurden dabei Lehrkräfte von Ärztinnen und Ärzten geschult. Anschließend haben die Lehrkräfte ihr Wissen an die Schüler weitergegeben. Dieses Modell wird auch im laufenden Schuljahr fortgesetzt: Zur Schulung der Lehrkräfte kooperieren die Bezirksregierungen dabei mit den Universitätskliniken Aachen, Köln und Münster sowie mit dem Florence-Nightingale-Krankenhaus Düsseldorf, dem Franziskus-Hospital Bielefeld und dem Marien-Krankenhaus Soest.

Das Projekt wurde auch durch den Einsatz der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivme­dizin (DGAI) initiiert und wird von der medizinischen Fachgesellschaft sowie der Stiftung Deutsche Anästhe­siologie begleitet und unterstützt. „Richtig angeleitet, kann jeder und jede die Sofortmaßnahmen zur Wiederbelebung schnell erlernen“, erklärte Hugo Van Aken. Der frühere Präsident der DGAI und langjähriger Direktor der Klinik für Anästhesiologie, ope­rative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Münster ist einer der Impulsgeber des Projektes „Laienreanimation an Schulen in Nordrhein-Westfalen“.

Der Landesverband Niedersachsen des Marburger Bund fordert zum Weltreanimationstag einen Wiederbele­bungsunterricht auch an niedersächsischen Schulen. „Je früher das Thema Wiederbelebung vermittelt wird, desto mehr sensibilisieren wir auch bereits junge Menschen dafür – und retten damit Menschenleben“, sagte der zweite Landesvorsitzende, Andreas Hammerschmidt. Sinnvoll seien pro Jahr zwei Stunden spezieller Unterricht für Schüler ab der siebten Klasse. „Schätzungsweise 10.000 Menschen mehr könnten gerettet werden, wenn die Laienreanimationsrate auf das Niveau anderer Länder stiege, denn die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt mit jeder Minute“, sagte der erste Vorsitzende des Landesverbandes, Hans Martin Wollenberg.

Laut einer Bevölkerungsumfrage im Auftrag des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) wünscht sich eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung mehr Aufklärung zu Erste-Hilfe-Maßnahmen und den Einsatz von Laiendefibrillatoren, um die Lebensrettung bei Herz-Kreislaufstillständen durch Ersthelfer zu verbessern. „Der plötzliche Herztod braucht in Deutschland mehr Beachtung. Denn bei der Überlebensrate sind andere Länder deutlich besser als wir. Die Bevölkerungsumfrage zeigt, dass sich die Menschen mehr Aufklärung und Informationen wünschen“, sagte der BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Marc-Pierre Möll.

Viele Menschen frischen ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse allerdings aus eigenem Antrieb nicht auf und sind dann im Notfall unsicher. Bei mehr als jedem oder jeder Vierten beziehungsweise 26 Prozent liegt dieser Kurs be­reits mehr als 20 Jahre zurück, wie eine heute veröffentlichte Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse zeigt. Bei über 60-Jährigen betrifft das mit 52 Prozent sogar gut jeden Zweiten.

Je länger der letzte Erste-Hilfe-Kurs zurückliegt, desto unsicherer sind Menschen im Notfall. Zwar wissen mit 80 Prozent vier von fünf Erwachsenen, wie eine Herzdruckmassage funktioniert – allerdings nur, wenn der Kurs nicht länger als zwei Jahre zurückliegt. Bei den Befragten, deren Kurs zwei bis fünf Jahren her ist, weiß mit 53 Prozent nur noch etwa jede oder jeder Zweite gut Bescheid. Liegt der Erste-Hilfe-Kurs mehr als 20 Jahre zurück, fühlen sich nur noch dreizehn Prozent sicher im Umgang mit der Herzdruckmassage, und 26 Prozent der Befragten verloren dieses Wissen ganz. Das Meinungsfor­schungsinstitut Forsa befragte vom 11. April bis zum 2. Mai 2023 bundesweit 1.400 Menschen ab 18 Jahren.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt Online vom 16. Oktober 2023
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Todesursachen 2022: Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor häufigste Todesursache

    Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) bleiben nach der aktuellen Todesursachenstatistik mit einem Anteil von 33,6 Prozent nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland, gefolgt von Krebserkrankungen ("bösartige Neubildungen") mit einem Anteil von 21,7 Prozent. COVID-19 war im Jahr 2022 in 4,9 Prozent der Sterbefälle ausschlaggebende Todesursache. 2021 hatte der Anteil noch bei 6,9 Prozent gelegen. Mehr

  • Lauterbach will Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes aktiv aufspüren

    Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will durch in Gesetz zur Früherkennung von Volkskrankheiten Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) und Diabetes aktiv und früher aufspüren. Hausärzte, Apotheker und Krankenkassen sollen dazu in einer konzertierten Aktion zusammenwirken, um Lücken bei der Diagnose von häufigen Erkrankungen zu schließen, berichtet die ÄrzteZeitung Online. Mehr

  • Bevölkerungsumfrage: Deutsche wünschen mehr Aufklärung über Wiederbelebungs-Maßnahmen

    Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung spricht sich für mehr Aufklärung zu Erste Hilfe-Maßnahmen und den Einsatz von Laien-Defibrillatoren (AED) aus, um die Lebensrettung bei Herz-Kreislaufstillständen durch Ersthelfer:innen zu verbessern. Das ergab eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag des BVMed. „Der plötzliche Herztod braucht in Deutschland mehr Beachtung. Denn bei der Überlebensrate sind andere Länder deutlich besser als wir. Die Bevölkerungsumfrage zeigt, dass sich die Menschen mehr Aufklärung und Informationen wünschen“, kommentiert BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Mehr


©1999 - 2023 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik