DKOU 2021

Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) als weltweit einzigartige Datenbank für Gelenkersatz an Knie- und Hüftgelenk mit fast zwei Millionen Einträgen setzt Standards

Professor Dr. med. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), weist auf der Pressekonferenz des DKOU (Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie) in Berlin auf die Bedeutung einer der weltweit einzigartigen Datenbanken für künstliche Gelenke im Bereich von Hüfte und Knie hin, das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD). In dieser Datenbank ist registriert, welche eingesetzten Hüft- und Knieprothesen bei welchen Patientinnen und Patienten welche Komplikationen und Haltbarkeiten aufweisen. Kladny: „Viele Menschen verdanken dieser Datenbank ihr beschwerdefreies Leben mit einem neuen Knie- oder Hüftgelenk. Die detaillierten Erhebungen aus fast zwei Millionen Operationen helfen, Implantate und Prothesen zu bewerten. Wir wollen die Langlebigkeit der künstlichen Knie- und Hüftgelenke verbessern und vielen Menschen eine Wechseloperation ersparen. Vor allem werden fehlerhafte Implantate und Implantatbestandteile frühzeitig entdeckt. Der Erhalt der Daten und der Arbeit des Endoprothesenregisters ist für die Patientensicherheit wichtig.“ Aktuell gibt es Bestrebungen des Bundesministeriums für Gesundheit zum Betrieb des inzwischen gesetzlich verankerten Implantateregister Deutschland (IRD).

Das EPRD ist eine Initiative der Fachgesellschaft DGOOC zur Verbesserung der Sicherheit und Qualität der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit künstlichen Gelenken im Bereich der Hüfte und des Knies. Über 780 Kliniken liefern Daten zum Implantat, zum Hersteller sowie zu den Patientinnen und Patienten und deren Vorerkrankungen. Gesetzliche Krankenkassen wie der AOK-Bundesverband GbR und Verband der Ersatzkassen e.V. ergänzen diese Daten insbesondere im Hinblick auf Folgeoperationen und der Bundesverband Medizintechnologie e.V. stellt eine stets aktuelle Produktdatenbank bereit. Kladny: „Etwa 70 Prozent aller Operationen mit Gelenkersatz bei Knie und Hüfte in Deutschland sind hier erfasst.“ Seit Beginn der Erfassung Ende 2012 wurden Daten von über 1,8 Millionen Operationen gesammelt. Das Expertenteam des EPRD wertet die Daten aus und analysiert diese, um den Prozess der Implantationen von Kunstgelenken zu optimieren, insbesondere um Folgeoperationen zu vermeiden.

Gesetzlich wurden die Rahmenbedingungen für ein verpflichtendes Implantateregister Deutschland (IRD) als Folge eines Brustimplantate-Problems gelegt, und es startet auch mit Brustimplantaten. Kunstgelenke, wie sie bereits im EPRD eingetragen sind, sollen in zwei bis drei Jahren folgen. Kladny unterstützt eine verpflichtende Datenlieferung der Kliniken: „Wir haben ohne Verpflichtung schon 70 Prozent aller Implantationen abgedeckt. Eine 100-Prozent-Datenerfassung erhöht nochmals die Aussagekraft.“ Der Generalsekretär stellt klar, dass die Daten des EPRD unbedingt erhalten und weiter ergänzt werden müssen: „Weiterhin muss die bewährte Qualität des EPRD auf jeden Fall den Standard setzen.“

450.000 Hüft- und Knieprothesen im Jahr in Deutschland

In Deutschland zählen der Hüft- und Kniegelenkersatz zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Circa 450.000 Hüft- und Knieprothesen werden in Deutschland jährlich eingesetzt. Das Ziel ist für Kladny eindeutig: „Wir wollen für Patienten ein möglichst langes, beschwerdefreies Leben mit eingesetzten Kunstgelenken. Je später die künstlichen Gelenke ausgetauscht werden müssen desto besser.“ Der Experte stellt klar: „Nur durch das Endoprothesenregister erfahren wir, welche Prothese für welchen Patienten am besten geeignet ist.“ Laut Kladny, zugleich stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), müssen nach 15 bis 20 Jahren etwa zehn bis 20 Prozent der künstlichen Gelenke ausgetauscht werden. Eine Operation dieser Art stellt für Patientinnen und Patienten eine große medizinische Herausforderung dar und belastet das Gesundheitssystem finanziell. Kladny erklärt: „Wenn eine sportlich aktive Person ein neues Hüftgelenk mit 65 Jahren erhält, dann hat diese Person mit 85 Jahren ein relevantes Risiko für eine Wechseloperation. Das ist dann riskant. Deswegen ist es so wichtig, die Langlebigkeit der Prothesen zu erhöhen.“

Implantatversagen frühzeitig erkennen

Allein in Deutschland werden jährlich 45.000 Wechseloperationen am Hüft- und Kniegelenk durchgeführt. Kladny: „Das Endoprothesenregister wurde auch gegründet, um ein Problem mit einem Kunstgelenk frühzeitig erkennen zu können“, und wird noch konkreter: „Lebensweisen und Vorerkrankungen der Patienten bestimmen mit, ob frühzeitig eine Folgeoperation notwendig wird. Das EPRD gibt uns Hinweise, wie Patienten mit besseren Voraussetzungen in die Operation gehen.“ Bislang hat sich gezeigt, dass die eingebauten Implantate eine hohe Zuverlässigkeit aufweisen.

Das EPRD liefert Informationen über die Gründe für Folgeoperationen nach Knie- oder Hüftgelenksersatz

Kladny präzisiert, dass Menschen mit Übergewicht häufiger ein künstliches Gelenk benötigen und rät schon deshalb zur Einhaltung eines gesunden BMI (Body Mass Index): „Jede Patientin und jeder Patient trägt aktiv dazu bei, wie lange das künstliche Gelenk beschwerdefrei bleibt. Wer einen BMI von über 27 hat, muss eher mit Problemen seines künstlichen Hüftgelenks rechnen. Wer einen BMI von über 30 hat, riskiert die Lebensdauer seines künstlichen Kniegelenks.“ Sorge bereitet dem Experten, dass Personen mit einem BMI von über 40 überproportional oft Nachoperationen benötigen. Diabetes, auch das ist eine der vielen Erkenntnisse, sowie Herzerkrankungen und sogar Depressionen erhöhen das Risiko für eine Folgeoperation nach Ersatz von Knie- und Hüftgelenken. Prof. Kladny nennt auch den häufigsten Grund für Probleme mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken: „Wenn Probleme auftreten, dann meistens durch Lockerung des Implantats oder durch eine Infektion!“ Eine für Patienten besonders wichtige Erkenntnis des EPRD sieht der Fachmann darin, dass das Risiko von weiteren Eingriffen nach dem Einsatz der künstlichen Knie- und Hüftgelenke mit der Versorgungsqualität und Erfahrung des operierenden Krankenhauses korreliert.

Das EPRD ist einmalig in der Welt

Kladny unterstreicht: „Das Besondere ist, dass Kliniken, Hersteller und Krankenkassen hier konstruktiv und erfolgreich zusammenarbeiten. Die Kliniken bekommen eine ausführliche Analyse ihrer Daten. Auch Hersteller von Prothesen können erfahren, wie hoch die Erfolgsrate ihrer Produkte ist, inklusive der genauen Beschreibung der Komplikationen, um gezielter die Entwicklung auszurichten.“ Eine Stärke sind die jetzt schon großen Fallzahlen und das im EPRD etablierte Rückmeldesystem bei Folgeoperationen durch Kostenträger.

Was ist die Lösung?

Kladny präferiert zusammen mit seinen Kollegen eine Win-Win-Lösung bei der Einrichtung und dem Betrieb des Implantateregisters, bei der die Kosten gering und die Erfahrungen und Daten für die Sicherung der Qualität der Patientenversorgung weiter nutzbar bleiben: „Wir empfehlen der Bundesregierung, den wertvollen Erfahrungsschatz und die große Datenmenge des EPRD zu nutzen.“

Prof. Dr. Bernd Kladny ist stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Seit 1996 ist er Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie an der Fachklinik Herzogenaurach.


Quelle: DKOU-Pressemeldung vom 26.10.2021
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