Vorhofflimmern

Neuer Herzmonitor zur präzisen Diagnose von Herzrhythmusstörungen

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die häufig unentdeckt bleibt. Unbehandeltes Vorhofflimmern geht jedoch mit einem deutlich erhöhten Schlaganfallrisiko einher. Umso wichtiger ist eine frühzeitige und zuverlässige Diagnose. Ein EKG – also die Messung der Herzströme – ist der Goldstandard in der Diagnose von Vorhofflimmern. Doch wie kann Vorhofflimmern entdeckt werden, wenn es unregelmäßig auftritt und der Patient selbst es oftmals nicht bemerkt? In dem Fall kann es helfen, die Herzströme über einen längeren Zeitraum zu messen und das Herz die ganze Zeit im Blick zu haben. Wichtig ist, dass auch kleine Signale und kurze Episoden wahrgenommen werden können.

Hierfür wurde jetzt ein neuer Herzmonitor entwickelt. Das Besondere an diesem Herzmonitor, der auch ambulant eingesetzt werden kann, ist sein intelligentes Design. Er zeichnet das EKG nicht nur auf, er analysiert es auch und sendet die wichtigsten Episoden über das so genannte Home Monitoring – eine im Implantat eingebaute Technologie – täglich an den behandelnden Arzt. Dank dieser engmaschigen Beobachtung des Herzrhythmus kann Vorhofflimmern zuverlässig entdeckt werden. Dies ist nicht nur entscheidend für eine sichere Diagnosestellung zu Beginn der Therapie – auch im Verlauf der Behandlung kann es notwendig sein, das Herz im Blick zu haben. Wird z. B. eine Ablation, also ein Eingriff zur Verödung des krankhaften Herzmuskelgewebes, durchgeführt, sieht der Arzt dank Home Monitoring, ob der Eingriff erfolgreich war oder ob wieder Vorhofflimmern auftritt. Der Arzt kann die Therapie so besser steuern, und der Patient gewinnt an Sicherheit.

Quelle: Aktion Meditech vom 17.12.2015

Interview mit Professor Butter: "Die Telemedizin hilft, eine sehr gute medizinische Versorgung sicherzustellen"

Prof. Dr. med. Christian Butter leitet das Herzzentrum Brandenburg an der Immanuel Klinik in Bernau. Aktion Meditech hat mit ihm über Vorhofflimmern und Telemedizin gesprochen.

HERR PROF. DR. BUTTER, WARUM MUSS VORHOFFLIMMERN BEHANDELT WERDEN? ES BEREITET DOCH OFT KEINE BESCHWERDEN.

Da der Herzschlag beim Vorhofflimmern unregelmäßig und meist beschleunigt ist, wird das Blut nicht vollständig aus den Vorhöfen gepumpt und staut sich dort an. In der Folge können sich Blutgerinnsel (sog. Thromben) bilden, zum Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen. Vorhofflimmern ist sehr tückisch – der Patient merkt es nicht, aber es stellt eine große Gefahr für Herz und Hirn dar.

WANN KOMMT EIN HERZMONITOR ZUM EINSATZ – UND FÜR WEN IST ER GEEIGNET?

Der Herzmonitor kann Patienten helfen, bei denen auf Grund der Beschwerden eine Rhythmusstörung vermutet wird, jedoch nicht im normalen EKG nachgewiesen werden konnte. Auch Patienten, die ohne erkennbare Ursache wiederholt ohnmächtig werden, können von einem Langzeit-Monitoring profitieren.

DER HERZMONITOR MISST RUND UM DIE UHR DIE HERZSTRÖME DES PATIENTEN. WIE KANN DER ARZT SCHNELL SEHEN, OB VORHOFFLIMMERN AUFGETRETEN IST?

Der Herzmonitor hat das Herz des Patienten die ganze Zeit im Blick, das stimmt. Der Unterschied zum normalen EKG ist aber, dass der Herzmonitor auch in der Lage ist, eine Rhythmusstörung als solche zu erkennen und diese zu klassifizieren. Er sendet dann z.B. die Information, dass Vorhofflimmern aufgetreten ist, zeitnah an den Arzt. Das funktioniert auch, wenn der Patient mehrere Rhythmusstörungen am Tag hat – die Ereignisse werden nicht überschrieben, sondern einzeln analysiert und an den Arzt geschickt.

PATIENTEN, DIE BEI IHNEN EINEN HERZMONITOR EINGESETZT BEKOMMEN, WERDEN ANSCHLIESSEND AUCH ÜBER HOME MONITORING TELEMEDIZINISCH ÜBERWACHT. WAS BEDEUTET DAS UND WARUM IST DAS NOTWENDIG?

Der Herzmonitor schickt die erkannten Rhythmusstörungen täglich und vollautomatisch an den Arzt. Genau das ist Home Monitoring. Ich setze Home Monitoring schon seit vielen Jahren ein, auch bei Patienten mit einem Herzschrittmacher oder ICD.

WELCHE ROLLE SPIELEN DER HAUSARZT UND DIE ANDEREN FACHÄRZTE BEI DER TELEMEDIZINISCHEN VERSORGUNG?

Eine enge Kooperation ist hier sehr wichtig. Home Monitoring liefert viele wertvolle Informationen zum Herzrhythmus des Patienten, die allen beteiligten Ärzten in der Therapiegestaltung helfen können – dem Hausarzt, dem niedergelassenen, behandelnden Kardiologen sowie – bei Patienten nach Schlaganfall – dem Neurologen. Diese Ärzte können dann entweder auf Wunsch direkt auf die gleichen Patientendaten zugreifen oder schriftlich durch einen entsprechenden Kurzbericht von uns informiert werden.

WAS KANN JEDER VON UNS SELBST TUN, UM SEIN SCHLAGANFALLRISIKO ZU MINIMIEREN?

Jeder kann wachsam sein und auf seinen Körper hören. Messen Sie auch mal Ihren Blutdruck und kontrollieren ihn – er sollte optimal eingestellt sein! Eine gesunde, cholesterinarme Ernährung, regelmäßiger Ausdauersport und der Verzicht auf Nikotin sind wichtig. Bestehen bestimmte Risikofaktoren, so ist der Rat eines Kardiologen immer hilfreich. Grundsätzlich ist und bleibt ein Schlaganfall jedoch ein unvorhersehbares schicksalhaftes Ereignis, das man nie 100%ig vermeiden kann.

Quelle: Interview von Aktion Meditech vom 17.12.2015
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