Herzinsuffizienz

Neue Versorgungsforschungsdaten: Sensor zur Überwachung der Herzschwäche überzeugt erneut

Erneut bestätigen Versorgungsforschungsdaten, dass die Messung des pulmonalarteriellen Drucks mit einem per Katheter eingesetzten Sensor bei Herzinsuffizienz-Patienten sicher ist – und mit weniger Klinikeinweisungen einhergeht.

Das hämodynamische Monitoring mit dem implantierbaren pulmonalarteriellen Drucksensor CardioMEMS hatte schon vor einigen Jahren bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium III in der randomisierten CHAMPIONS-Studie Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz über einen Zeitraum von 15 Monaten um rund ein Drittel reduziert. Mittlerweile sind US-amerikanische Versorgungsdaten des CardioMEMS Post-Approval Registers publiziert worden, die in Auszügen schon bei der ACC-Tagung 2019 vorgestellt worden waren. Bei insgesamt 1200 Patienten mit NYHA Klasse III und Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz in den zwölf Monaten vor Studienbeginn wurde ein PA-Sensor implantiert. Primärer Effektivitätsendpunkt war die Veränderung bei den herzinsuffizienzbedingten Hospitalisierungen im Vorher-Nachher-Vergleich bezogen auf jeweils ein Jahr.

Auch im Alltag funktioniert es

Auf Sicherheitsseite wurden Device-bedingte Komplikationen ausgewertet. Darüber hinaus interessierte die Wissenschaftler um Dr. David M. Shavelle von der University of Southern California in Los Angeles aber auch das Nutzerverhalten unter den realen Versorgungsbedingungen. Letzteres erfordert durchaus Engagement: Der PA-Druck muss bei dem Device von den Patienten einmal am Tag aktiv übermittelt werden. Das taten im Mittel 76 Prozent der Registerteilnehmer pro Tag.

Was die Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz anging, betrug die Rate im Jahr nach Implantation 0,54 pro Patient und Jahr, weniger als halb so viel wie im Jahr davor, wo es im Mittel 1,25 pro Patient und Jahr waren. Das war unabhängig von Geschlecht, Ejektionsfraktion (EF) und Ursache der Kardiomyopathie. Auch bei den sekundär ermittelten Krankenhauseinweisungen jeglicher Ursache gab es im Vorher-Nachher-Vergleich mit 2,28 versus 1,67 pro Patient und Jahr einen statistisch signifikanten Vorteil für die Gruppe mit dem Implantat.

Kaum Komplikationen

Der Rückgang der Hospitalisierungen korrelierte mit einer Abnahme des PA-Drucks, wobei das abhängig war vom Ausgangsdruck. Bei Patienten mit einem PA-Druck unter 25 mmHg, im Mittel 20,2 mmHg, zu Studienbeginn kam es zu einer PA-Druck-Zunahme um im Mittel 1,5 mmHg innerhalb von zwölf Monaten. Bei einem Ausgangs-PA-Druck zwischen 25 und 35 mmHg kam es zu einer Abnahme um im Mittel 1,3 mmHg, und bei einem Ausgangs-PA-Druck größer/gleich 35 mmHg betrug die Abnahme im Mittel 4,8 mmHg. Alle PA-Druck-Veränderungen waren statistisch signifikant, schreiben die Autoren der Studie.

Auf Sicherheitsseite waren die Ergebnisse unauffällig. Es gab nur fünf Device-bezogene Komplikationen, eine Rate von 0,4 Prozent. Der Sensor selbst fiel nur bei einem einzigen Patienten in den ersten zwölf Monaten aus.

Die Ergebnisse der US-Amerikaner decken sich weitgehend mit den im Sommer von Professor Christiane Angermann von der Universität Würzburg bei der DGK Online-Tagung vorgestellten, europäischen MEMS-HF-Daten. Hier waren es 234 Patientinnen und Patienten gewesen, und die Hospitalisierungsrate wegen Herzinsuffizienz fiel um 62 Prozent von knapp 1,6 auf rund 0,5 pro Patient und Jahr. Auch in der europäischen Studie war der PA-Druck-Abfall umso ausgeprägter gewesen, je höher der Ausgangswert war.

Versorgungsdaten zu CardioMEMS

Bei insgesamt 1200 Patienten mit NYHA Klasse III und Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz in den zwölf Monaten vor Studienbeginn wurde ein PA-Sensor implantiert.
Die Rate der Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz betrug im Jahr nach Implantation 0,54 pro Patient und Jahr, weniger als halb so viel wie im Jahr davor, wo es im Mittel 1,25 pro Patient und Jahr waren.

Quelle: ÄrzteZeitung Online vom 13. Oktober 2020
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Kälteablation bei Vorhofflimmern

    Bei vielen Patienten mit Vorhofflimmern kann eine Katheterablation der richtige Eingriff sein, um Lebensqualität zurückzugewinnen. Die Kryoballonablation ist dabei ein Standardtherapieverfahren zur effektiven Behandlung von Vorhofflimmern, das sich insgesamt durch eine hohe prozedurale Sicherheit auszeichnet. Wenn eine Ablation den gewünschten Erfolg bringt, kann damit die lebenslange Einnahme von Medikamenten vermieden werden. Weiterlesen

  • Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT)

    Die Herzinsuffizienz (HI), auch als Herzmuskelschwäche bezeichnet, bildet eine der häufigsten Ursachen für eine Krankenhauseinweisung deutschlandweit. Prävalenz und Inzidenz der Erkrankung sind altersabhängig. Im Alter von 45 bis 55 Jahren leiden weniger als 1 Prozent der Bevölkerung an Herzinsuffizienz, 65- bis 75-Jährige bereits zu 2–5 Prozent und über 80-Jährige zu fast 10 Prozent. Herzinsuffizienz ist eine fortschreitende Erkrankung des Herzens mit vielfältigen Ursachen. In ihrem Verlauf wird das Herz immer schwächer, das Zusammenspiel der beiden Herzkammern geht verloren. Die Folge: Es kann nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper gepumpt werden. Anfangs zeigen die Patienten nur bei körperlicher Belastung Symptome, später auch in Ruhe. Sie sind ständig müde, geraten bei geringster Anstrengung außer Atem und bekommen schlecht Luft. Im Endstadium hilft nur noch eine Herztransplantation, doch dafür kommen nur sehr wenige Patienten in Frage. Die Behandlung der Herzschwäche erfolgt heute medikamentös. Die Medikamente können Symptome lindern, den notwendigen koordinierten Herzrhythmus können sie allerdings nicht wiederherstellen. Weiterlesen

  • Defi-Weste schützt vor dem Plötzlichen Herztod

    Der tragbare Kardioverter-Defibrillator, kurz "Defi-Weste" oder "LifeVest" genannt, bietet gefährdeten Patienten Schutz vor der Gefahr eines plötzlichen Herztods (PHT). Die LifeVest gibt dem Arzt Zeit, das langfristige Arrhythmierisiko eines Patienten zu ermitteln und entsprechend fundierte Maßnahmen zu ergreifen. Die LifeVest ist leicht und einfach zu tragen: Patienten können so ihr alltägliches Leben wie gewohnt weiterführen und haben gleichzeitig die Gewissheit, vor PHT geschützt zu sein. Weiterlesen


©1999 - 2021 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik