Herzbericht 2014

"Kardiologische Versorgung auf hohem Niveau"

Höhere Lebenserwartung führt zu steigenden Behandlungsfällen in der Kardiologie

Die koronare Herzkrankheit (KHK) und die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) haben einen dominierenden Einfluss auf die Sterblichkeit in Deutschland. "Wir reden hier über das bedeutendste Krankheitsbild, das wir in den Krankenhäusern behandeln", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Prof. Dr. Christian Hamm, bei der Vorstellung des "Herzberichts 2014" (www.herzstiftung.de/herzbericht) am 28. Januar 2015 in Berlin. "Die Menschen werden heute immer älter, und damit steigt auch die Zahl der Behandlungsfälle durch Herzinsuffizienz und Herzklappenerkrankungen", so Hamm. Besonders rasant sei der Anstieg seit 2005.

Der Herzbericht belegt nach Ansicht der Experten, dass die Kardiologie und die moderne Medizintechnologie beispielsweise mit dem kathetergestützten Klappenersatz (TAVI) eine Antwort auf die Herausforderungen gefunden hat, immer mehr ältere Menschen mit Herzerkrankungen zu behandeln. "Der aktuelle Herzbericht belegt einmal mehr den wichtigen Beitrag, den die moderne Kardiologie zur stetig steigenden Lebenserwartung in Deutschland leistet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Sterblichkeit beim akuten Herzinfarkt um 40 Prozent, bei der Koronaren Herzkrankheit um 28 Prozent oder bei der Herzinsuffizienz um 19 Prozent zurückgegangen", so Hamm. Ein wichtiger Faktor sei dabei die flächendeckende Herzkatheter-Therapie.

Herzkatheter: Hohes Versorgungsniveau, gute Versorgungsqualität

Zwischen 2012 und 2013 stieg die Zahl der diagnostischen Linksherzkatheter-Untersuchungen, auf das gesamte Bundesgebiet hochgerechnet, von 857.688 auf 885.131 an, die Zahl der Perkutanen Katheter-Interventionen (PCI) von 337.171 auf 342.749. "Eine Überversorgung in diesem Bereich lässt sich anhand der Qualitätsdaten nicht ableiten", betont DGK-Präsident Hamm. Die vom AQUA-Institut erhobenen Daten zeigten, dass bezüglich der Indikation zur Herzkatheter-Untersuchung in hohem Maß leitliniengerecht vorgegangen wurde.

Herzklappenerkrankungen: Mehr Betroffene wegen längerer Lebenserwartung

Die Anzahl des kathetergestützten Aortenklappenersatzes ist 2013 auf rund 10.400 angestiegen. Die Zahl des konventionell chirurgischen Aortenklappenersatzes blieb bei rund 10.000 stabil. "Die steigenden Fallzahlen haben zum Teil paradoxerweise gerade mit den Fortschritten der Herzmedizin zu tun", erklärt Prof. Hamm. "Immer mehr Menschen überleben einen akuten Herzinfarkt, erkranken später aber an einer Herzschwäche." Zum anderen sei der Trend Ausdruck der steigenden Lebenserwartung. Das Risiko für eine Herzinsuffizienz, eine Herzklappen- oder Herzrhythmuserkrankung steige mit dem Alter überproportional stark an.

Gute Versorgung mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren

Bei den Schrittmachertherapien sprach Hamm von einer "sehr hohen Leistungsdichte und Leistungsqualität in Deutschland". 2013 wurden 107.000 Herzschrittmacher-Implantationen vorgenommen, davon 75.500 Neuimplantationen. Implantierbare Defibrillatoren (ICD) wurden 2013 in 47.000 Fällen eingesetzt, davon 29.500 Neuimplantationen.

Hohe Qualität in der Herzchirurgie

In den 79 herzchirurgischen Abteilungen in Deutschland wurden im Jahr 2013 rund 100.000 Herzoperationen durchgeführt. Die Zahl der Eingriffe ist damit auf hohem Niveau stabil. "Wir haben in der herzchirurgischen Versorgung in Deutschland eine hohe Qualität", sagte Prof. Dr. Jochen Cremer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). Eine große Herausforderung sei es, dass die Patienten in der Herzchirurgie immer älter werden. Der Etablierung minimalinvasiver, schonender Operationsverfahren komme daher eine große Bedeutung zu.

Mehr als die Hälfte der herzchirurgischen Eingriffe am Herzen machten 2013 die koronaren Bypass-Operationen zur Behandlung von Erkrankungen der Herzkranzgefäße aus (rund 55.000 Eingriffe). Große medizintechnische Fortschritte gebe es bei der Entwicklung mechanischer Herzunterstützungssysteme. Die Systeme würden immer kleiner und seien eine gute Alternative für Menschen, die auf ein Herztransplantat warten. 2013 wurden rund 900 Herzunterstützungssysteme implantiert.

Links/Quellen
Grafiken Kardiologie
Pressetext DGK 01/2015
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