Diabetes

Künstliche Bauchspeicheldrüse für Diabetiker

Neue Therapieansätze bei Typ-1-Diabetes

Rund 300.000 Menschen in Deutschland sind an Typ-1-Diabetes erkrankt. Sie müssen lebenslang mehrmals täglich ihren Blutzucker messen und ihre Insulintherapie an die Werte anpassen. Das Kinder- und Jugendkrankenhaus „AUF DER BULT“ in Hannover testet gemeinsam mit internationalen Forscherteams ein „Hybrid-Closed-Loop“-Gerät an Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes, dessen Wirkungsweise einer künstlichen Bauchspeicheldrüse entspricht, indem es Messungen und notwendige Insulingaben weitestgehend automatisch steuert. 2018 wird die Technologie in Deutschland verfügbar sein. Weltweit arbeiten weitere akademische und kommerzielle Gruppen an ähnlichen Systemen und Zulassungsstudien, berichtet die Deutsche Diabetes-Gesellschaft.

Die bei Typ-1-Diabetes bislang mehrmals täglich notwendigen Blutzuckermessungen und daran angepassten Insulingaben sind besonders für die hierzulande etwa 31.000 betroffenen Kinder und Jugendlichen häufig mit hohem Aufwand verbunden. Ein „Closed Loop“-System („geschlossener Kreis“) vernetzt eine Insulinpumpe mit einem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung im Unterhautfettgewebe, einem Blutzuckermessgerät zur Kalibrierung des Sensors sowie einem Computerprogramm, das die automatische Steuerung der Insulinpumpe übernimmt. Alle Geräte kommunizieren drahtlos miteinander.

Die Entwicklung von „Closed-Loop“-Systemen hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht: „Das 'Hybrid-Closed-Loop',-System, welches wir gemeinsam mit internationalen Forscherteams testen, wurde nun in den USA behördlich zugelassen. Das System dosiert und gibt Insulin automatisiert ab“, erklärt Professor Dr. med. Olga Kordonouri, Chefärztin am Kinderkrankenhaus AUF DER BULT in Hannover. „Allerdings erfordert es vom Nutzer zu den Mahlzeiten eine manuelle Eingabe des Insulinbedarfs.“ Die Alltags-Anwendung bei jugendlichen und erwachsenen Menschen mit Diabetes Typ 1 im Rahmen einer klinischen Studie habe sich bewährt: „Die Stoffwechsellage der Probanden verbesserte sich signifikant, gleichzeitig sank bei ihnen auch deutlich die Gefahr einer Unterzuckerung“, erläutert Professor Kordonouri. Voraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung sei jedoch eine umfassende Schulung der Patienten im Umgang mit der neuen Technologie. In Deutschland wird sie 2018 erhältlich sein.

Quelle: Pressemeldung zur 52. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) vom 23. Mai 2017

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