Medizinprodukteindustrie

"MedTech-Branche bleibt ein Jobmotor"

BVMed zur MEDICA 2018

Trotz der steigenden regulatorischen Anforderungen bleibt die Medizintechnik-Branche in Deutschland ein Jobmotor. Das ist ein Ergebnis der BVMed-Herbstumfrage im Vorfeld der weltgrößten Medizinmesse MEDICA, die vom 12. bis 15. November 2018 in Düsseldorf stattfindet. Derzeit beschäftigen die MedTech-Unternehmen bereits über 200.000 Menschen in Deutschland. 51 Prozent der an der Herbstumfrage teilnehmenden 110 MedTech-Unternehmen haben gegenüber dem Vorjahr zusätzliche Jobs in Deutschland geschaffen. Nur 9 Prozent der Unternehmen mussten Arbeitsplätze reduzieren, teilte BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt mit.

Die Berufsaussichten für Fachkräfte in der MedTech-Branche sind dabei ausgezeichnet. 94 Prozent der Unternehmen, die sich an der BVMed-Herbstumfrage 2018 beteiligt haben, halten die Berufsaussichten für unverändert gut bzw. besser. Gesucht werden vor allem Medizintechniker und Ingenieure. 84 Prozent der Unternehmen geben an, offene Stellen zu haben. An der Spitze der offenen Stellen stehen Vertriebsmitarbeiter. 79 Prozent der Unternehmen haben dabei Probleme, die offenen Stellen zu besetzen.

Die Umsätze der Unternehmen der Medizintechnologie wachsen weltweit nach wie vor durchschnittlich mit knapp 6 Prozent. Die Entwicklung im inländischen Markt hat sich 2018 mit einem Umsatzwachstum von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbessert. Die Gewinnsituation der Unternehmen ist in Deutschland aufgrund sinkender Preise und höherer Kosten aber weiter angespannt. Probleme sehen die Unternehmen vor allem durch die steigenden regulatorischen Anforderungen. Die MedTech-Unternehmen befürchten, dass der Weg des medizinischen Fortschritts zum Patienten in Deutschland immer länger dauert, während die Zulassungsbehörde FDA in den USA die Prozesse beschleunigt. "Hier müssen wir aktiv werden: mit schnelleren Bewertungsverfahren bei der Nutzenbewertung und pragmatischen Lösungen für die Probleme bei der MDR-Umsetzung", fordert Schmitt.

Auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) bewerten die Unternehmen das Innovationsklima für Medizintechnik in Deutschland im Durchschnitt mit 4,7. Der Index entwickelt sich damit erstmals seit dem "Absturz" 2015 wieder leicht nach oben. In den Jahren 2012 und 2013 lag er noch bei 6,2 Punkten. Als innovativsten Forschungsbereich schätzen die Unternehmen – wie im Vorjahr – die Kardiologie ein. 39 Prozent der Befragten nennen diesen Versorgungsbereich. Es folgen Onkologie (36 Prozent), Diagnostik (35 Prozent), Neurologie (24 Prozent) und Orthopädie (17 Prozent).

Als größtes Hemmnis für die künftige Entwicklung der Medizintechnologie-Branche sehen die Unternehmen die gestiegenen Anforderungen und die steigenden Kosten durch die neue EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) sowie Engpässe bei den Benannten Stellen an. Als Folge der MDR-Implementierung befürchten zwei Drittel der Unternehmen, dass Produkte aus ökonomischen Gründen vom Markt genommen bzw. nicht auf den Markt gebracht werden – und darunter auch die Patientenversorgung leiden wird.

Von der Gesundheitspolitik wünschen sich die MedTech-Unternehmen vor allem eine stärkere Beteiligung an den MedTech-Bewertungsverfahren, mehr Transparenz bei den G-BA-Prozessen sowie schnellere Bewertungsprozesse.

Die vollständigen Ergebnisse der BVMed-Herbstumfrage können unter www.bvmed.de/medienseminar-2018 abgerufen werden.

Fakten zur Branche

Arbeitsplätze: Im Jahr 2017 beschäftigte die gesamte Branche etwa 195.000 Erwerbstätige. Das sind 12.000 Arbeitsplätze mehr als vor fünf Jahren.

Wertschöpfung: Ein Fünftel der Wertschöpfung in der industriellen Gesundheitswirtschaft wird durch Medizinprodukte erzeugt. Im Jahr 2017 generierten die Hersteller von Medizinprodukten eine Bruttowertschöpfung von 14,7 Milliarden Euro.

Mittelstand: Die MedTech-Branche ist stark mittelständisch geprägt. 93 Prozent der MedTech-Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter.

Forschungsausgaben: Durchschnittlich investieren die forschenden Medizintechnikunternehmen etwa neun Prozent ihres Umsatzes pro Jahr in Forschung und Entwicklung.
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